Canon AE-1 Program

Die Canon AE-1 Program, ein Wunsch spät erfüllt

Die Canon AE-1 Program ist eine der beliebtesten Kameras. Sie kam zu einer Zeit auf den Markt, als die meisten Funktionen, die wir heute als selbstverständlich ansehen, noch gar nicht existierten, und sie war eine der ersten Kameras mit einem automatischen Aufnahmemodus, der damals noch umständlich „Program“ genannt wurde. Das bedeutete, dass auch Laien extrem hochwertige Bilder produzieren konnten, indem sie einfach die Kamera auf ihr Motiv richteten und den Auslöser drückten. Es überrascht nicht, dass Canon in den 1980er Jahren eine ganze Menge davon verkaufte, und auch heute noch gehört sie zu den am leichtesten zu findenden Modellen auf eBay.

Als ich in die Fotografie einstieg, war eine solche Kamera von Canon für mich nur ein Traum. Dafür war mein Budget damals nicht ausreichend. Aber auch die Alternative, die ich damals wählte, brachte mir viel Freude.

Mein Interesse an der Fotografie liegt nicht nur am “Bilder erstellen”. Auch die Geschichte und damit verbundene technische Entwicklung hat mich immer interessiert. Da lag es nahe, auch mal wieder analog zu fotografieren. Erst mit meiner damaligen Alternative und dann mit neuen alten Kameras, die ich mir zulegte und wieder aufbereitete. Die erste war natürlich die Canon AE-1 Program. Diesen Wunsch habe ich mir somit spät selbst erfüllt.

Sie übernimmt die Kontrolle

Der Programm-Modus war wohl das größte Verkaufsargument der AE-1 Program in den 80er Jahren, aber die Kamera bot noch viele weitere interessante Funktionen für den fortgeschrittenen Benutzer, was sie zu einem kommerziellen Hit unter allen Arten von Fotografie-Enthusiasten machte.

So bequem und sorgenfrei der Programm-Modus auch ist, wo die AE-1 Program wirklich glänzt, ist im voll manuellen Modus. Mit einem außergewöhnlich gut durchdachten Bedienkonzept ermöglicht es dir, jeden Aspekt der Belichtung schnell und effizient selbst zu gestalten.

Die Canon AE-1 Program bietet genau die richtige Menge an Optionen, ohne das ganze Durcheinander, das in modernen Kameras vorhanden ist. Sie hat ein Einstellrad für die Verschlusszeit, einen Filmtransporthebel, den Auslöser und das ist so ziemlich alles, was man braucht. Stell einfach die gewünschte Verschlusszeit ein, wähle die Blende am Objektiv, prüfe die korrekte Belichtung mit dem eingebauten Display im Sucher und löse aus. Das ist Einfachheit auf höchstem Niveau. Brillant.




Neben Programm- und manuellem Modus verfügt die AE-1 Program auch über einen Blendenprioritätsmodus, der durch Einstellen der Objektivblende auf „A“ am Blendenring aktiviert wird. So kannst du frei fotografieren, indem du einfach die gewünschte Verschlusszeit wählst, denn die Kamera wählt automatisch die passende Blende. Bietet das verwendete Objektiv nicht die erforderliche Blende für die gewählte Verschlusszeit, leuchtet im Sucher ein Warnhinweis auf, der dich auffordert, eine andere Verschlusszeit zu wählen.

Es gibt auch einen Bulb-Modus, mit dem du problemlos Langzeitbelichtungen aufnehmen kannst.

Design

Die AE-1 Program ist eine wirklich schöne Kamera. Ihr Design lehnt sich an die klassischen Leica-Messsucher an, nur angepasst an ein SLR-Gehäuse. Leider enden dort die Ähnlichkeiten, denn obwohl die Canon sehr gut gebaut ist, kommt sie nicht an die Verarbeitungsqualität einer klassischen Leica heran.

Die obere und untere Platte sind aus verchromtem Kunststoff gefertigt. Sie fühlen sich gut und solide an, aber es ist definitiv kein Ganzmetallgehäuse. Das muss es aber auch nicht sein, da es sich um eine Kamera für den Consumer-Bereich handelt.

Der Rest des Gehäuses besteht aus strukturiertem Kunststoff und bietet genau die richtige Menge an Grip. Die AE-1 Program liegt sehr gut in der Hand. Sie ist viel schlanker als die heutigen DSLRs, vor allem weil nicht so viel Elektronik in ihr steckt. Sie ist auch ziemlich leicht, obwohl sie, wenn man das Objektiv mit einrechnet, sicherlich ein bisschen schwerer ist als die meisten spiegellosen Kameras. Schließlich handelt es sich um eine vollwertige Spiegelreflexkamera.

Oben links befindet sich der ASA-Wahlschalter, mit dem du die Empfindlichkeit des Films einstellen kannst. Dies ist das klassische Äquivalent zum modernen ISO-Wert, der immer eingestellt werden muss, da Filme mit unterschiedlichen Empfindlichkeiten auch unterschiedliche Belichtungsparameter benötigen. Wenn du einmal die passende Empfindlichkeit gewählt hast, kannst du sie einfach vergessen, bis du auf einen anderen Filmtyp wechselst.

Die Rückseite der Kamera ist elegant und nüchtern, ohne überflüssige Elemente. Sie enthält einen Kartenhalter, in dem du als Info für den Typ des Films und die Anzahl der verfügbaren Bilder einen Teil der Filmverpackung schieben kannst.

Der Sucher

Der Sucher ist riesig und hell, und er macht es wirklich einfach, Aufnahmen mit jedem FD-Objektiv zu komponieren, selbst bei schlechten Lichtverhältnissen. Er hat auch ein eingebautes Display mit allem, was man wissen muss, um die richtigen Belichtungsparameter zu wählen.

Rechts neben dem Sucher befinden sich mehrere vertikal ausgerichtete LEDs, die die passende Blende für die gewählte Verschlusszeit anzeigen. Das ist großartig, wenn man im manuellen Modus oder mit Blendenpriorität fotografiert. Leider zeigt das Display nicht die gewählte Blende an, sondern nur die vom Messsystem der AE-1 Program vorgeschlagenen Blende. Dazu mußt du immer noch einen Blick auf das Objektiv werfen, um sicherzustellen, daß die richtige Blende gewählt ist, es sei denn, du stellst den Blendenring auf „A“, dann wählt die Kamera automatisch die richtige Blende für dich.

Es gibt natürlich keinen Autofokus in der AE-1 Program, aber das manuelle Fokussieren ist mit dem hellen Sucher und der Hilfe von Einstellscheiben ein Kinderspiel. Ich habe nur eine, aber die AE-1 Program wurde ursprünglich mit mehreren Wechselscheiben ausgeliefert, die für verschiedene Arten von Szenen optimiert sind. Ich bin jedoch sehr zufrieden mit meiner, die einen Mikroprismenring und einen geteilten Entfernungsmesser enthält.

Der Verschluß

Der Auslöser ist seidenweich und erzeugt ein wunderbares Geräusch, das ich bereits mit großartigen Bildern assoziiert habe. Die Verschlusszeit reicht bis zu 1/1.000 Sekunde, und obwohl die AE-1 Program keinen Geschwindigkeitsrekord aufstellen wird, bietet sie einen vollkommen ausreichenden Geschwindigkeitsbereich für die meisten Aufnahmegelegenheiten. Wenn es zu hell ist, lassen sich ND-Filter einsetzen, um die durch das Objektiv einfallende Lichtmenge so zu reduzieren, dass man mit der vorgegebenen maximalen Verschlusszeit arbeiten kann. Es gibt einfach keine unlösbaren Probleme mit dieser Kamera.

Das Einlegen von Film in die AE-1 Program ist schnell und einfach: Ziehe einfach den Rückspulhebel nach oben, die Rückwand springt auf und gibt das Filmhalterfach frei. Lege nun eine Rolle ein, ziehe den Film zur rechten Seite, bis er in den Filmhalter passt, schiebe den Hebel vor und fertig. Einfach den Deckel wieder schließen und schon ist die Kamera aufnahmebereit.

Wenn man vorsichtig ist und den Film beim Einlegen nur ein wenig vorschiebt, kann man bis zu 38 Aufnahmen aus einer 36er-Rolle herauszuquetschen. Dieses Ergebnis variiert je nach Filmtyp, aber im Allgemeinen bekommst du mindestens eine gute zusätzliche Aufnahme, wenn du beim Einlegen des Films vorsichtig bist.




Stromversorgung

Eine weitere Sache, die ich an der AE-1 Program einfach liebe, ist die unglaubliche Lebensdauer der Batterie. Sie verwendet eine einzige Batterie, die hinter dem Griff verborgen ist. 

Die Kamera funktioniert allerdings nicht ohne Batterie, da sie den Strom zum Auslösen des Verschlusses und für das Messsystem benötigt. Ich denke, es schadet nicht, eine Ersatzbatterie griffbereit zu haben, auch wenn es Jahre dauern wird, bis man sie tatsächlich braucht.

Abgesehen davon gibt es einige nette Details, die zur allgemeinen Benutzerfreundlichkeit der AE-1-Programms beitragen, wie z. B. die Batteriekontrolltaste, die AE-Lock-Taste und die Taste für die Schärfentiefevorschau.

Alles in allem hat die AE-1 Program ein wirklich solides und ansprechendes Design, das ebenso angenehm anzuschauen wie zu bedienen ist. Was gibt es sonst noch zu wünschen?

Natürlich die Objektive

Die AE-1 Program ist mit dem damaligen Top-Objektivanschluss Canon FD ausgestattet. Die FD-Objektive sind alle nur manuell fokussierbar, und viele der Prime-Objektive bieten eine hervorragende Bildqualität, selbst nach heutigen Maßstäben. Diese Objektive sind auf dem Gebrauchtmarkt nach wie vor sehr beliebt, weil sie dank ihrer vollmechanischen Konstruktion – einschließlich manueller Blendenringe und Entfernungsskalen – über preiswerte Adapter mit den heutigen spiegellosen Kameras verwendet werden können und High-End-Glasleistung zu lächerlichen Preisen bieten. Und da sie für eine lange Lebensdauer gebaut wurden, ist es einfach, gebrauchte Objektive zu finden, die noch genauso gut funktionieren wie im Neuzustand. Hierzu aber an anderer Stelle mehr.

Mein Eindruck

Die Canon AE-1 Program ist ein technisches Wunderwerk an Einfachheit, Ergonomie, Funktionalität und ja, auch Charme. Ich genieße es wirklich, diese Kamera zu benutzen, und obwohl sie nicht die neuesten und besten Funktionen bietet, hat sie alles, was ich brauche, um die Bilder zu machen, die ich will. Am wichtigsten ist, dass sie mir immer wieder Lust auf mehr macht und mich inspiriert, neue Dinge auszuprobieren und aus meiner Komfortzone herauszukommen. Sie ist, wie eine großartige Kamera sein sollte.

Ich habe noch eine Canon EOS 30 Film-SLR , eine der letzten Filmkameras , die Canon hergestellt hat. Natürlich bietet die EOS 30 viel mehr Funktionen und eine bessere Leistung als die AE-1 Program, aber für mich hat die AE-1 Program etwas anderes, was die EOS 30 niemals haben wird. Es ist ein erstaunliches Werkzeug mit Charakter, mit dem man die Welt auf eine ganz andere Weise sehen kann, und ich liebe es.

Keuchhusten und Deckel des Batteriefach

Bei allem Positiven möchte ich noch zwei Probleme bei gebrauchten Modellen ansprechen. Dieses sollte beim Kauf beachtet werden. Sofort sichtbar ist der defekte Verschluß des Batteriefaches, woran viele Kameras gelitten haben. Der verarbeitete Kunststoff war damals nicht der beste und neigte mit der Zeit zu brechen. So konnten viele nicht mehr geschlossen werden und mußten mit Klebeband fixiert werden. Meine Kamera ist davon bisher verschont und ich bediene die Klappe daher auch sehr vorsichtig.

Meine Canon AE-1 Program hatte aber den sogenannten Keuchhusten. Es ist ein Geräusch was beim Auslösen ertönt und vom Spiegeldämpfer erzeugt wird. Weiterhin wird auch der Spiegel selbst langsamer zurückgeklappt. Dieses lässt sich aber ohne großen Aufwand selbst reparieren. Da Kameras mit Keuchhusten oft als defekt angeboten werden, lohnt es sich danach Ausschau zu halten, denn dieser „Defekt“ lässt sich meistens mit einem Tropfen Öl an der richtigen Stelle reparieren.

Die AE-1 Program ist der Nachfolger der Canon AE-1.

Daten der Canon AE-1 Program

Markteinführung:April 1981
Typ:35-mm-Schlitzverschluss-SLR-Kamera
Aufnahmegröße:24 x 36 mm
Standardobjektiv:Canon New FD 50mm f/1.4, New FD 50mm f/1.8
Objektiv-Anschluss:FD-Anschluss
Verschlusstyp:Vierachsiger Schlitzverschluss mit horizontalem Verfahrweg und Tuchvorhängen
Verschlußzeiten:B, 2, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000 sec.
Alle Geschwindigkeiten elektronisch gesteuert. Eingebauter Selbstauslöser (mit Signalton).
Blitzsynchronisation:X-sync automatisch schaltende Synchronkontakte mit PC-Buchse und Blitzschuh.
Sucher:Festes Pentaprisma in Augenhöhe. 0,83-fache Vergrößerung und 94 % Deckung. Mikroprismen-Entfernungsmesser-umschlossener neuer Split-Prismen-Entfernungsmesser mit Doppelbeugungsprisma in der Mitte der Laser-Mattscheibe. Acht durch die Spiegelbox austauschbare Fokussierscheiben.
Sucher-Anzeige:Belichtungsmessernadel, Blendenskala, manuelle Einstellungen, Programm-AE, Blitzbereitschaftsanzeige, Blitzbestätigung, Verwacklungswarnung sowie Über- und Unterbelichtungswarnungen.
Belichtungsmessung &
Belichtungssteuerung
Mittenbetont für TTL-Mittelwertmessung bei voller Blende oder TTL-Messung bei abgeblendeter Blende. Belichtungskorrektur mit AE-Lock-Schalter.
AE-Betriebsarten:Verschlusszeitpriorität AE, Programm-AE, Blendenpriorität AE und Blitz-AE. Messbereich bei ISO 100 und f/1,4: EV 1 – 18. Filmempfindlichkeitsbereich von ISO 12 bis 3200.
Stromversorgung:Eine 4LR44-Alkalibatterie. Batteriekontrolle mit Taste und Piepser.
Filmeinlegen und
Filmtransport
Geschlitzte Aufwickelspule. Der Transport erfolgt mit dem 120er Hub des Hebels an der Kameraoberseite (Teilhübe möglich). Bereitschaftsposition bei 39.
Bildzähler Zählt aufwärts. Setzt sich automatisch zurück, wenn das Kamerarückteil geöffnet wird. Filmrückspulung über Kurbel oben an der Kamera
Abmessungen & Gewicht141 x 88 x 48 mm, 565 g

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