Canon A-1

Die Canon A-1, das Flaggschiff der A-Serie

Die A-1 war Teil der Canon A-Serie, einer Produktlinie, die aus Modellen wie der AE-1, AT-1, AV-1, AE-1 Program und AL-1 bestand. Diese Kameras waren alle für Einsteiger in die Fotografie konzipiert und boten hervorragende Qualität zu einem niedrigeren Preis als die Canon F-1 für den professionellen Einsatz. Das Spitzenmodell der A-Serie war die A-1.

Die Canon A-1, die 1978 auf den Markt kam, ist eine der historisch bedeutendsten Kameras der 35mm-Spiegelreflex-Ära, da sie die erste Spiegelreflexkamera war, die eine elektronisch gesteuerte, programmierte automatische Belichtung bot. Mit Hilfe eines Mikroprozessors und nicht durch die Eingabe des Fotografen ist die Kamera in der Lage, eine Verschlusszeit und eine Blendeneinstellung zu wählen, die zu einem perfekt belichteten Bild führt. Heute findet man diese Funktion in praktisch jeder Kamera, die produziert wird, aber die allererste, die sie enthielt, war die A-1.

Aber die A-1 war nicht nur auf den Programm Modus beschränkt, sondern beeindruckte auch durch ihre Fähigkeit, in jedem der heute üblichen Aufnahmemodi (Blendenpriorität, Verschlusspriorität und voll manuell) zu fotografieren. Diese Kombination von Aufnahmemodi hob die A-1 von den anderen Kameras der A-Serie ab und bot eine Fülle von Funktionen, die bei keinem Gerät der Konkurrenz zu finden waren.

Als die Verkaufszahlen in den Himmel stiegen, war sofort klar, dass Canon etwas vorhatte. Dieses neue Konzept hatte einen langen Atem. Der neue Fokus der Marke auf Technologie legte das Fundament, auf dem die gesamte Branche in den folgenden drei Jahrzehnten aufgebaut werden sollte. Mit der A-1 schuf Canon ein Marktsegment, das bis in die heutige Ära der modernen, funktionsreichen DSLR- und spiegellosen Kameras hineinreicht. Diese kleine Spiegelreflexkamera veranlasste alle Kamerahersteller, mehr Funktionen, höhere Technologie und eine immer bessere automatische Bedienung anzubieten, und wir ernten immer noch die Früchte dieser technologischen Revolution.

Es ist also eine historisch wichtige Kamera. Das ist toll, aber warum sollte das jemanden interessieren? Was bedeutet das alles für den Fotofreak von heute?

Das erste, was einen angehenden Fotografen zu einer bestimmten Kamera hinzieht, ist das Aussehen dieser Kamera. Es mag oberflächlich sein, aber wenn eine Kamera hübsch genug ist, macht es uns nichts aus, gewisse Annehmlichkeiten zu opfern und wir können sogar mit ein paar unsinnigen Ärgernissen leben. Solange die Kamera anständige Fotos macht und charmant retro aussieht, sind die meisten von uns entzückt. Aber die Canon A-1 sieht gar nicht so alt aus, und vielleicht ist das eine Erklärung für die vergleichsweise geringe Popularität der A-1.




Sie wird nur in Schwarz angeboten und gehört zu den am modernsten aussehenden Kameras, die aus den 1970er Jahren stammen. Es ist eine wunderschöne Kamera. Ein weiteres schlichtes Angebot von Canon, das so einfach gestaltet ist, wie eine Filmkamera nur sein kann. Sie hebt sich nicht von der Masse ab und strahlt eine willkommene Professionalität und Robustheit aus. Der „Action Grip“ von Canon verleiht ihr ein muskulöses Aussehen und dient dazu, das Gerät leichter handhabbar zu machen. Abgesehen vom weißen Schriftzug und ein paar bunten Schriftzügen gibt es wenig gestalterischen Kontrast, so dass die Kamera in ihrer visuellen Schlichtheit fast wie eine Silhouette wirkt.

Das Fotografieren mit der A-1 ist, abgesehen von ein paar kleinen Ärgernissen, der Inbegriff von technischer Perfektion. Sie ist die Vintage-Kamera für diejenigen, die es lieben, mit modernen Kameras zu fotografieren, und Fotografen, die noch nie etwas anderes als eine DSLR in der Hand hatten, werden sich sofort zu Hause fühlen. Als erste Kamera mit den heute üblichen Aufnahmemodi erlaubt die A-1 dem Fotografen, so zu fotografieren, wie er möchte. Du liebst die künstlerische Kontrolle der Blendenpriorität? Kein Problem! Du willst Bewegungen einfrieren oder mit der Blendenautomatik verwischen? Auch das kann sie.

Aber es geht nicht nur darum, unzählige Modi, Drehknöpfe und Tasten anzubieten. Die Ingenieure von Canon haben verstanden, dass die Aufnahme eines perfekten Bildes oft von der Schnelligkeit und der Fähigkeit der Kamera abhängt, sich wie eine Verlängerung der Hand, des Auges und des Geistes des Fotografen anfühlt. Diese Philosophie zeigt sich schon bei einem Blick auf die Oberseite der A-1. Hier ist eine erstaunliche Anzahl von Hebeln, Einstellrädern und Tasten zu sehen, die alle für die fotografische Beherrschung entscheidend sind, und während es auf den ersten Blick unübersichtlich und alptraumhaft aussieht, beginnen die Dinge sich auf magische Weise zu vereinfachen, sobald man mit dem Fotografieren beginnt. Mehr als jede andere Spiegelreflexkamera, die ich bisher getestet habe, ist die A-1 eine Kamera, die man tatsächlich mit einer Hand bedienen kann, ohne die technischen Möglichkeiten zu beeinträchtigen.

Canon A-1

Es ist möglich, mit nur einem Finger von der Blendenpriorität über die Verschlusspriorität zum Programm Modus zu wechseln, die Einstellungen in jedem dieser Modi anzupassen und ein Foto zu machen. Dieses geschieht durch die Betätigung eines Einstellrades mit einem Finger. Es wird jedem bekannt vorkommen, der in den letzten dreißig Jahren mit einer anständigen Kamera fotografiert hat, aber zum Zeitpunkt des Debüts der A-1 war dieses kleine Drehrad ziemlich revolutionär.

Durch die Einstellung der Kamera auf AV oder TV ist es möglich, mit diesem Rad nicht nur die Verschlusszeit, sondern auch die Blende einzustellen. Schiebe einfach den Blendenring eines beliebigen FD-Objektivs in den „A“-Modus und die Blende wird über das Kameragehäuse steuerbar. Drehe das Rad auf die gewünschte Blende und mache die Aufnahme. Das Fotografieren im TV-Modus funktioniert nach demselben Prinzip. Drehe das gleiche Rad auf die gewünschte Verschlusszeit und schon kann es losgehen. Zusätzlich wird die Kamera mit diesem Rad in den vollen Programm Modus versetzt.

Es scheint so einfach zu sein, mit einem einzigen Regler alle wichtigen Einstellungen einer Kamera zu bedienen, aber in einer Ära, in der mechanische Kameras alle Hebel, Zahnräder und Federn für jede einzelne Einstellung verwendeten, war dieses bescheidene Rad wirklich eine große Neuerung.

Ein weiterer Beweis für Canons Liebe zum Detail sind die zahlreichen kleinen Details, die sich überall an der Kamera befinden. Eine versenkbare Abdeckung schützt das Wählrad vor versehentlichem Verrutschen, ein Sucherverschluss verhindert, dass beim Fotografieren Licht auf den Film fällt, wenn der Sucher nicht benutzt wird, und die Doppelbelichtungfunktion erlaubt es den Fans dieses besonderen Stils, sich auszudrücken. Fügt man dieser Liste noch Belichtungskorrektur, Belichtungsspeicher, Schärfentiefevorschau und ein außergewöhnlich robustes Angebot an langen Verschlusszeiten (2, 4, 8, 15 und 30 Sek.) hinzu, wird klar, dass diese Kamera viel mehr bietet als eine typische Amateurkamera.

Aber andererseits ist nichts perfekt, und es gibt ein paar kleine Ärgernisse zu berichten. Zum einen sind einige der Bedienelemente fast zu klein für ihren jeweiliges Nutzen. Gelegentlich wird das Umschalten zwischen AV und TV aufgrund der Positionierung der Rändelrades auf dem Wahlknopf zu einer Fingerübung, die zu Arthrose führt. Das Einstellen der Belichtungskorrektur kann aufgrund des widerwilligen Arretierknopfes etwas fummelig werden, und die Verwendung des Doppelbelichtungshebel kann aufgrund seiner Position unterhalb des Filmtransporthebels etwas nervig sein.

Das sind sicherlich kleinere Probleme, aber das auffälligste Problem hat nichts mit der Ergonomie zu tun. Es ist die relativ lange maximale Verschlusszeit. Mit einer 1/1000stel Sekunde ist der Verschluss der A-1 etwas altmodisch. Selbst als sie auf den Markt kam, lag die durchschnittliche maximale Verschlusszeit der meisten Kameras in dieser Preisklasse bei 1/2000 Sekunde, was die Verwendung größerer Blenden bei hell beleuchteten Aufnahmen ermöglichte. Da Canons FD-Objektivreihe lichtstarke Prime-Objektive von ƒ/1,8, 1,4 und so weiter bietet, könnte der Verschluss der A-1 in bestimmten Aufnahmesituationen etwas einschränkend wirken. Du wirst das weniger ärgerlich finden, wenn du nicht zu dem Typ gehörst, der nach Bokeh giert, aber es ist erwähnenswert für diejenigen, die immer diese geringe Schärfentiefe lieben, selbst an einem hellen Sommertag. Ja, man kann einen ND-Filter verwenden, um dies abzumildern, aber muss man das wirklich? Nicht wirklich, wenn es schnellere Verschlüsse in ähnlich teuren klassischen Kameras gibt.




Es sollte auch erwähnt werden, dass das Fotografieren im voll manuellen Modus nicht so flüssig ist, wie es sein könnte, obwohl das Problem nur diejenigen behindern wird, die im M-Modus fotografieren wollen, ohne von einem Belichtungsmesser beeinflusst zu werden. Das Problem besteht darin, dass die Kamera beim Fotografieren im manuellen Modus nicht alle gewählten Einstellungen im Sucher anzeigt. Stattdessen zeigt sie die gewählte Verschlusszeit und die Blende an, die ihrer Meinung nach verwendet werden sollte. Dies führt dazu, dass der Fotograf immer wieder vom Sucher aufschauen muss, um die Blendeneinstellung am Objektiv zu überprüfen.

Glücklicherweise enden die Bedenken dort. Viel mehr gibt es an der A-1 nicht zu bemängeln. Der Sucher ist erfrischend übersichtlich, zeigt in jedem Aufnahmemodus verschiedene Kombinationen von Verschlusszeit und Blende an und nutzt die standardmäßige Prismenscheibe mit geteiltem Bild. Er ist groß, gut ausgeleuchtet und bietet die Möglichkeit, das leuchtende LED-Informationsfeld auszuschalten, wenn dies gewünscht wird. Das Belichtungsmesssystem arbeitet selbst in den schwierigsten Situationen hervorragend. Bei Aufnahmen direkt in die Sonne werden erstaunlich ausgewogene Belichtungen erzielt.

Vor allem im Blendenprioritätsmodus sind die Vorzüge deutlich spürbar: Die A-1 verfeinert die gewählte Verschlusszeit in stufenlosen Variationen. Um es einfach auszudrücken: Diese Kamera erzeugt in jedem Modus und mit jeder Aufnahme exakte Belichtungen. Die bereits erwähnte Belichtungskorrektur ist da, um bei der manuellen Belichtung zu helfen. Aber mal ehrlich wähle deinen Aufnahmemodus und mach einfach die Aufnahme.

Die Verarbeitungsqualität ist gut, sicherlich besser als bei jeder anderen Kamera der A-Serie. Und das ist nicht nur scheinheiliges Geschwätz, ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie einfach und simpel das Plastikgetriebe der AE-1 ist.  Das Design der A-1 zeigt zwar immer noch Canons Bewusstsein für Kostensenkungen durch die Verwendung von Kunststoffkomponenten, aber es werden wesentlich mehr metallische Innenteile verwendet, was zu einer zuverlässigen Kamera führt. Die A-1 ist stärker, schneller und besser als jede andere Kamera der A-Serie, und das spürt man, wenn man sie in der Hand hält und damit fotografiert.

Mehr als jede andere Kamera von Canon ist die A-1 mehr als die Summe ihrer Teile. Sie bietet nicht nur praktisch alles, was ein Fotograf sich wünschen kann, sie tut dies auch auf eine Art und Weise, die fließend und nahtlos ist und die Verbindung zwischen Mensch und Kamera pflegt. Okay, nichts ist perfekt. Aber was Canon-Kameras angeht, ist die A-1 so gut wie perfekt.

Daten der Canon A-1

Markteinführung:April 1978
Typ:35-mm-Schlitzverschluss-SLR-Kamera
Aufnahmegröße:24 x 36 mm
Standardobjektiv:Canon FD 55mm f/1,2 SSC, FD 50mm f/1,4 SSC
Objektiv-Anschluss:FD-Anschluss
Verschlusstyp:Vierachsiger Schlitzverschluss mit horizontalem Verfahrweg und Tuchvorhängen
Verschlußzeiten:X, B, 2, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000 sec.
Alle Geschwindigkeiten werden elektronisch gesteuert. Eingebauter Selbstauslöser (mit 2- und 10-Sek. Verzögerung und blinkender LED).
Blitzsynchronisation:X-sync automatisch schaltende Synchronkontakte mit PC-Buchse und Blitzschuh.
Sucher:Festes Pentaprisma in Augenhöhe. 0,83-fache Vergrößerung, 93,4% vertikale Abdeckung, 95,3% horizontale Abdeckung. Teilbild-Entfernungsmesser, umgeben von einem Mikroprismen-Entfernungsmesser in der Mitte der Fresnel-Mattscheibe. Okularverschluss vorhanden. Sechs austauschbare Fokussierscheiben optional (vom Servicepersonal installiert). Die Standardscheibe wurde später durch die hellere und schärfere Laser-Mattscheibe ersetzt.
Sucher-Anzeige:Information Digitale Anzeige mit roter 7-Segment-LED für Verschlusszeit, Blende, dedizierte Speedlite-Blitzbereitschaft, manuelle Einstellungen und Warnanzeigen.
Belichtungsmessung &
Belichtungssteuerung
Mittenbetont für TTL-Mittelwertmessung bei voller Blende oder TTL-Messung bei abgeblendeter Blende. Belichtungskorrektur im Bereich von 2 EV. AE-Sperre vorhanden.
AE-Betriebsarten:Fünf AE-Modi: Verschlusszeitpriorität AE, Blendenpriorität AE, Programm-AE, voreingestellte Blendenpriorität AE und Speedlite AE (mit dediziertem Speedlite). Der Modus wird mit einem Wählrad eingestellt. Messbereich bei ISO 100 und f/1,4: EV -2 – 18. Filmempfindlichkeitsbereich von ISO 6 bis 12800 in 1/3 Schritten.
Stromversorgung:Eine 4LR44-Alkalibatterie. Batteriekontrolle mit Taste und blinkender LED.
Filmeinlegen und
Filmtransport
Geschlitzte Aufwickelspule. Vorschub mit dem 120er Hub des Hebels an der Kameraoberseite (Teilhübe möglich). Bereitschaftsposition bei 30.
Bildzähler Zählt aufwärts. Setzt sich automatisch zurück, wenn das Kamerarückteil geöffnet wird. Zählt beim Rückspulen abwärts.
Filmrückspulung Kurbel oben an der Kamera
Abmessungen & Gewicht141 x 92 x 48 mm, 620 g

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