Geschichte der Fotografie

Gerda Taro – Die mutige Fotografin des Spanischen Bürgerkriegs

Gerda Taro hatte nur wenig Zeit.

Als sie im Juli 1937 im Spanischen Bürgerkrieg ums Leben kam, war sie gerade einmal 26 Jahre alt. Ihre Karriere als Fotografin hatte erst wenige Jahre zuvor begonnen. Trotzdem hinterließ sie Bilder, die heute zu den wichtigen fotografischen Dokumenten dieses Krieges gehören.

Und doch wurde ihre Geschichte lange vor allem zusammen mit einem anderen Namen erzählt: Robert Capa. Das ist zunächst verständlich. Beide waren ein Paar, arbeiteten gemeinsam und beeinflussten sich gegenseitig. Aber es greift zu kurz. Denn Gerda Taro entwickelte sich innerhalb erstaunlich kurzer Zeit von einer jungen Emigrantin in Paris zu einer eigenständig arbeitenden Fotojournalistin, die schließlich auch ohne Capa fotografische Einsätze unternahm.

Wer ihre Fotografien betrachtet, entdeckt deshalb nicht einfach einen weniger bekannten Teil der Geschichte Robert Capas. Man entdeckt Gerda Taro.

Aus Gerta Pohorylle wird Gerda Taro

Geboren wurde sie am 1. August 1910 in Stuttgart als Gerta Pohorylle. Sie stammte aus einer jüdischen Familie und lebte später in Leipzig.

Die politischen Veränderungen in Deutschland griffen unmittelbar in ihr Leben ein. Im März 1933 wurde Pohorylle in Leipzig im Zusammenhang mit antifaschistischen Aktivitäten verhaftet. Nach ihrer Freilassung verließ sie Deutschland noch im selben Jahr und ging nach Paris.

Dort begann jener Abschnitt ihres Lebens, der sie schließlich zur Fotografie führte.

1934 lernte sie den aus Ungarn stammenden Fotografen André Friedmann kennen. Auch er lebte im Exil und versuchte in Paris, als Fotograf Fuß zu fassen.

Aus der Bekanntschaft wurde eine Liebesbeziehung und zugleich eine berufliche Zusammenarbeit.

Gerda Taro 1937, von Anonym, Bild Gemeinfrei

Pohorylle kümmerte sich unter anderem um die Vermarktung und Beschriftung von Friedmanns Fotografien, während er ihr fotografische Technik vermittelte. Dabei lernte sie mehr als den Umgang mit einer Kamera. Sie lernte, wie Fotojournalismus funktionierte – wie Bilder entstanden, wie sie ausgewählt und beschriftet wurden und wie sie schließlich ihren Weg in Zeitungen und Magazine fanden.

Aus André Friedmann wird Robert Capa

Die beiden jungen Emigranten hatten in Paris ein sehr praktisches Problem: Mit Fotografie Geld zu verdienen war schwierig. Ein unbekannter ungarischer Fotograf namens André Friedmann konnte seine Bilder nicht unbedingt zu den Preisen verkaufen, die er sich erhoffte.

Also entstand eine neue Identität. Aus André Friedmann wurde Robert Capa und aus Gerta Pohorylle wurde Gerda Taro.

Hinter dem Namen Robert Capa stand zunächst die Idee eines erfolgreichen amerikanischen Fotografen, dessen Bilder entsprechend begehrt und teuer sein müssten. Es war eine bemerkenswerte Form der Selbstvermarktung – und sie funktionierte.

Doch die Geschichte entwickelte sich bald weiter. Taro arbeitete für die Fotoagentur Alliance Photo und bekam dadurch unmittelbaren Einblick in die professionelle Welt der Pressefotografie. Im Februar 1936 erhielt sie ihren ersten Presseausweis.

Der Fotograf Robert Capa während des Spanischen Bürgerkriegs, Mai 1937, Foto: Gerda Taro, Gemeinfrei

Aus der Frau, die zunächst an der Vermarktung der Fotografien ihres Partners beteiligt war, wurde zunehmend selbst eine Fotografin.

Dann kam Spanien.

Der Spanische Bürgerkrieg wird zum Wendepunkt

Im Juli 1936 begann mit dem Militärputsch gegen die spanische Republik der Spanische Bürgerkrieg. Taro und Capa gingen nach Spanien und berichteten für die internationale Presse über den Krieg. Unter anderem arbeiteten sie für das französische Magazin Vu.

Dabei waren sie keine politisch unbeteiligten Beobachter. Sie standen der republikanischen und antifaschistischen Seite nahe. Das ist wichtig, wenn wir ihre Fotografien heute betrachten. Denn dokumentarische Fotografie ist nicht automatisch neutrale Fotografie.

Schon die Entscheidung, wohin Du Deine Kamera richtest, beeinflusst die Geschichte, die ein Bild erzählt.

Taro fotografierte republikanische Soldaten und Milizionärinnen, Flüchtlinge, Verwundete, Arbeiter und Zivilisten. Ihre Kamera zeigte den Krieg häufig nicht aus sicherer Entfernung. Sie bewegte sich nahe an den Menschen und zunehmend auch nahe am unmittelbaren Kriegsgeschehen. Diese Nähe wurde zu einem auffälligen Merkmal ihrer Arbeit.

Nähe statt Überblick

Eine der bekannten Aufnahmen Taros zeigt eine republikanische Milizionärin beim Training am Strand außerhalb Barcelonas im August 1936.

Es ist kein Bild einer großen Schlacht.

Wir sehen keine gewaltige Übersicht über Truppenbewegungen und keine Inszenierung militärischer Macht. Stattdessen konzentriert sich das Bild auf einen einzelnen Menschen.

Das International Center of Photography beschreibt Taros Arbeiten unter anderem durch dynamische Kameraperspektiven sowie eine körperliche und emotionale Nähe zu ihren Motiven.

Diese Nähe verändert die Wirkung eines Bildes.

Eine zerstörte Stadt kann Dir das Ausmaß eines Krieges zeigen. Ein einzelner Mensch in dieser zerstörten Stadt kann dagegen vermitteln, was dieser Krieg für jemanden bedeutet.

Fotografie kann beides.

Republikanische Frau bei einer militärischen Übung, Barcelona 1936, Bild Gemeinfrei

Bei Taro finden wir immer wieder Bilder, in denen Menschen innerhalb eines großen historischen Ereignisses sichtbar werden: Flüchtlinge, Arbeiter, republikanische Soldaten und Milizionärinnen oder Menschen im Alltag eines vom Krieg geprägten Landes. Gerade deshalb lohnt es sich, ihre Fotografien nicht nur als historische Dokumente zu betrachten.

Achte einmal darauf, wo Taro mit ihrer Kamera steht. Wie nah ist sie an den Menschen? Wie viel Umgebung zeigt sie? Blickt sie von außen auf eine Situation oder entsteht der Eindruck, dass sie sich mitten darin befindet? Solche Fragen führen weg von der reinen Bildbeschreibung und hin zur fotografischen Entscheidung.

Dabei sollten wir vorsichtig sein, aus ihrem relativ kleinen erhaltenen Werk eine vollkommen geschlossene Stiltheorie abzuleiten. Ihre Karriere war dafür schlicht zu kurz. Was wir erkennen können, ist eine Entwicklung. Und die führt zunehmend weg von der gemeinsamen Arbeit mit Capa.

Aus dem fotografischen Paar wird eine eigenständige Fotojournalistin

1937 wird für diese Entwicklung besonders wichtig. Taro und Capa arbeiteten weiterhin gemeinsam und dokumentierten unter anderem die Situation spanischer Flüchtlinge. Doch Taro begann zunehmend eigene Wege zu gehen. Im Sommer 1937 war sie so selbstständig, dass sie fotografische Einsätze allein unternahm. Damit verändert sich auch die Art, wie wir ihre Geschichte erzählen sollten. Sie war nicht mehr lediglich Teil eines fotografischen Paares.

Sie war Fotojournalistin.

Das klingt vielleicht nur nach einem kleinen sprachlichen Unterschied. Tatsächlich ist er entscheidend. Denn solange wir Gerda Taro ausschließlich über Robert Capa erklären, betrachten wir ihre Fotografie durch die Biografie eines anderen Fotografen. Ihre Bilder verdienen einen eigenen Blick.

Das bedeutet umgekehrt nicht, Capa aus ihrer Geschichte herauszuschreiben. Die gemeinsame Arbeit war ein wichtiger Teil ihrer fotografischen Entwicklung. Interessanter ist gerade, wie sich aus dieser Zusammenarbeit zunehmend zwei fotografische Wege entwickelten.

Womit fotografierte Gerda Taro?

Bei einer Fotografin aus den 1930er-Jahren liegt natürlich auch die Frage nach der Kamera nahe. Bei Gerda Taro ist sie aus einem besonderen Grund interessant: Kameras und Negativformate spielen bis heute eine Rolle bei der Frage, welche Aufnahmen tatsächlich von ihr stammen.

Für einen Teil der frühen gemeinsamen Arbeit von Taro und Capa wurde versucht, Fotografien anhand unterschiedlicher Negativformate zuzuordnen: quadratische Aufnahmen einer Rollei Taro, rechteckige Kleinbildnegative einer Leica Capa. Das klingt zunächst nach einem praktischen fotografischen Fingerabdruck. Ganz so einfach ist es allerdings nicht.

Die Zuordnung anhand des Aufnahmeformats wird in der Forschung kritisch diskutiert. Der Fotografiehistoriker José Manuel Susperregui hat darauf hingewiesen, dass sich das verwendete Aufnahmeformat nicht zuverlässig mit der Urheberschaft gleichsetzen lässt.

Quadratisch bedeutet also nicht automatisch Taro – und rechteckig nicht automatisch Capa.

Gerade das macht die Sache fotografisch spannend. Normalerweise betrachten wir das Aufnahmeformat vor allem als gestalterische oder technische Eigenschaft. Hier wird es zusätzlich zu einem historischen Indiz – allerdings zu einem, das gemeinsam mit anderen Informationen bewertet werden muss.

Negative und Bildfolgen, Veröffentlichungen, Beschriftungen und Informationen darüber, wo sich die Fotografen zu einem bestimmten Zeitpunkt befanden, können zusammen dabei helfen, eine Aufnahme zuzuordnen. Die Kamera allein kann diese Frage nicht beantworten.

Und damit führt uns die Technik zu einer viel interessanteren Frage.

Wer hat dieses Foto eigentlich gemacht?

Taro und Capa arbeiteten zeitweise so eng zusammen, dass ihre Fotografien nicht immer sauber voneinander getrennt veröffentlicht wurden. Für die Fotografiegeschichte ergibt sich daraus ein bemerkenswertes Problem: Wenn wir heute eine Aufnahme aus dieser Zeit betrachten, ist nicht zwangsläufig auf den ersten Blick klar, wer tatsächlich hinter der Kamera stand.

Das ist keineswegs nur eine Frage für Archive. Denn die Urheberschaft beeinflusst unsere Vorstellung von einem fotografischen Werk. Wenn eine Fotografie über Jahrzehnte Robert Capa zugeschrieben wurde und spätere Forschungen zu einer anderen Zuordnung kommen, verändert sich das Bild selbst natürlich nicht. Unser Blick darauf kann sich aber sehr wohl verändern. Plötzlich wird es Teil einer anderen fotografischen Biografie.

Bei Gerda Taro ist das besonders wichtig. Denn jede belastbar zugeordnete Aufnahme hilft dabei, ihr eigenes fotografisches Werk deutlicher sichtbar zu machen. Und genau an dieser Stelle wird ein ungewöhnlicher Fund besonders interessant.

Der „Mexican Suitcase“ – 4.500 wiedergefundene Negative

Der sogenannte „Mexican Suitcase“ gehört zu den bemerkenswertesten Archivfunden der jüngeren Fotografiegeschichte. Er umfasst rund 4.500 Negative aus dem Spanischen Bürgerkrieg von Robert Capa, Gerda Taro und David „Chim“ Seymour.

Die Negative galten seit 1939 als verschollen. Jahrzehnte später tauchten sie in Mexiko wieder auf und gelangten 2007 an das International Center of Photography in New York. Der Name ist dabei etwas irreführend. Beim „Mexican Suitcase“ handelt es sich nicht um einen einzelnen Reisekoffer, sondern um drei Behältnisse mit Negativen.

Für die Fotografiegeschichte ist dieser Fund von enormem Wert. Denn Negative erzählen mehr als ein einzelner veröffentlichter Abzug. Eine Folge von Aufnahmen kann zeigen, wie fotografisch gearbeitet wurde: Welche Situationen wurden mehrfach aufgenommen? Wie veränderte sich der Standort? Welche Bilder entstanden unmittelbar nacheinander? Welche Aufnahme wurde später veröffentlicht? Im Fall von Taro, Capa und Seymour kam noch eine weitere Frage hinzu:

Wer hat welches Bild gemacht?

Die Untersuchung des Materials half dabei, die Urheberschaft zahlreicher Fotografien zu bestätigen oder neu zuzuordnen. Damit wurde aus einem wiedergefundenen Archiv gleichzeitig ein Stück fotografischer Detektivarbeit. Der Fund zeigt außerdem etwas, das wir beim Betrachten berühmter Fotografien leicht vergessen: Die Geschichte eines Bildes endet nicht mit dem Moment, in dem der Verschluss ausgelöst wird.

Negative, Archive, Bildunterschriften, Veröffentlichungen und spätere Zuschreibungen beeinflussen, was wir Jahrzehnte später über ein Foto und seinen Urheber wissen.

Die letzten Aufnahmen

Im Frühjahr und Sommer 1937 arbeitete Taro immer selbstständiger. Sie fotografierte unter anderem in Madrid, an verschiedenen Frontabschnitten und schließlich bei Brunete westlich von Madrid.

Ihre Aufnahmen zeigen, wie nahe sie inzwischen am Kriegsgeschehen arbeitete. Das sollte man nicht romantisieren. Nähe kann in der Fotografie ein starkes gestalterisches und journalistisches Mittel sein. In einem Krieg bedeutet sie zugleich reale Gefahr.

Im Juli 1937 fotografierte Taro die republikanische Offensive bei Brunete. Während des Rückzugs der republikanischen Truppen geriet sie am 25. Juli in das Chaos der Front und wurde von einem republikanischen Panzer schwer verletzt. Am folgenden Tag, dem 26. Juli 1937, starb sie an ihren Verletzungen.

Sie war 26 Jahre alt.

Der frühe Tod darf die Fotografin nicht überdecken

Es ist verführerisch, Gerda Taros Geschichte von ihrem Ende her zu erzählen. Eine junge Fotografin, der Spanische Bürgerkrieg, die Front und schließlich ein tödlicher Unfall. Das ergibt eine dramatische Geschichte. Aber es wird ihrer Fotografie nicht gerecht. Denn bemerkenswert ist nicht in erster Linie, wie Gerda Taro starb. Bemerkenswert ist, was innerhalb der wenigen Jahre davor geschah.

Sie musste Deutschland verlassen, begann in Paris ein neues Leben, fand ihren Weg in den Fotojournalismus und entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einer selbstständig arbeitenden Fotografin. Sie tat dies in einer Zeit, in der die Möglichkeiten für Frauen im professionellen Fotojournalismus erheblich eingeschränkter waren als heute.

Das International Center of Photography bezeichnet Taro als eine Pionierin des Fotojournalismus. Ihre Fotografien wurden zu Lebzeiten in der französischen Presse veröffentlicht, doch ihr Werk stand später lange im Schatten Robert Capas.

Vielleicht sollten wir deshalb nicht bei der Legende anfangen. Sondern bei ihren Bildern.

Was Gerda Taros Fotografie mit unserer eigenen zu tun hat

Mit dem Spanischen Bürgerkrieg hat die Fotografie der meisten von uns glücklicherweise wenig zu tun. Mit Gerda Taros Art hinzusehen dagegen schon. Denn ihre Bilder erinnern an etwas, das unabhängig von Kamera, Epoche und fotografischem Genre gilt:

Dein Standort ist Teil Deiner Aussage.

Stell Dir vor, Du fotografierst eine Demonstration. Du kannst Dich weit entfernt aufstellen und die gesamte Menschenmenge zeigen. Dieses Bild vermittelt Größe und Dimension.

Du kannst Dich aber auch zwischen die Menschen begeben und einzelne Personen fotografieren. Plötzlich geht es nicht mehr um Tausende Teilnehmer. Es geht um einen Menschen.

Beide Fotografien können dasselbe Ereignis zeigen. Beide können dokumentarisch sein. Und trotzdem erzählen sie unterschiedliche Geschichten.

Die Brennweite spielt dabei eine Rolle. Ebenso der Bildausschnitt. Vor allem aber hast Du entschieden, wo Du stehst und wohin Du blickst. Genau deshalb ist fotografische Nähe mehr als die Entfernung zwischen Kamera und Motiv. Nähe verändert, was wir sehen. Und häufig auch, was wir empfinden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass näher automatisch besser ist. Manchmal braucht eine Geschichte den Überblick. Manchmal braucht sie Distanz. Und manchmal entsteht das entscheidende Bild erst dadurch, dass ein Fotograf einen einzelnen Menschen aus einem großen Geschehen herauslöst.

Die interessante Frage lautet deshalb nicht: Wie nah muss ich heran? Sondern: Von welchem Standort erzähle ich die Geschichte, die ich zeigen möchte? Das ist eine Frage, die 1937 ebenso zur Fotografie gehörte wie heute.

Mein Blick auf Gerda Taro

Mich fasziniert an Gerda Taro weniger das Etikett der „mutigen Kriegsfotografin“. Natürlich brauchte es Mut, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Aber wenn wir ihre Bedeutung darauf reduzieren, entsteht schnell eine Heldengeschichte. Fotografisch interessanter finde ich ihre Entwicklung.

Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit ging sie den Weg von einer jungen Emigrantin, die zunächst an der Vermarktung der Fotografien ihres Partners beteiligt war, zu einer eigenständig arbeitenden Fotojournalistin.

Und genau deshalb lohnt es sich, ihre Bilder unabhängig von Robert Capa anzusehen. Nicht um Capa kleiner zu machen. Sondern um Taro die fotografische Eigenständigkeit zuzugestehen, die sie sich bereits zu Lebzeiten erarbeitet hatte.

Auch die Diskussion um ihre Kameras und die Zuordnung der Negative passt für mich dazu. Natürlich ist es interessant zu wissen, mit welcher Kamera eine bestimmte Aufnahme entstand. Noch interessanter ist aber, dass technische Spuren heute dabei helfen können, die Menschen hinter historischen Fotografien wieder sichtbar zu machen – solange wir diese Spuren nicht mit Gewissheiten verwechseln.

Die Kamera ist ein Werkzeug und manchmal ein historischer Hinweis. Das Bild macht am Ende immer der Mensch dahinter.

Ein kurzes fotografisches Leben

Gerda Taro konnte kein jahrzehntelanges Lebenswerk hinterlassen. Dafür starb sie viel zu früh.

Das International Center of Photography besitzt heute nach eigenen Angaben die weltweit mit Abstand größte Sammlung ihrer Arbeiten, darunter ungefähr 200 Abzüge sowie Originalnegative. Ausstellungen, Archivarbeit und die erneute Beschäftigung mit den erhaltenen Negativen haben dazu beigetragen, ihre Arbeit stärker als eigenständiges fotografisches Werk wahrzunehmen.

Damit verändert sich auch das Bild, das wir von ihr haben.

Gerda Taro war die Partnerin Robert Capas. Sie arbeitete mit ihm zusammen, und beide beeinflussten einander. Aber sie war eben nicht nur die Frau an seiner Seite. Sie war eine Fotografin, die begonnen hatte, ihren eigenen Standort zu finden – im übertragenen und manchmal erschreckend wörtlichen Sinn. Vielleicht ist das der beste Grund, ihre Bilder heute noch anzusehen. Nicht weil Gerda Taro jung starb. Sondern weil sie in ihrem kurzen Leben begonnen hatte, mit der Kamera eine eigene Stimme zu entwickeln.

Beitragsbild. Gerda Taro, Republikanische Soldaten am Navacerrada-Pass in Spanien, 1937, Bild Gemeinfrei

Überarbeiteter Beitrag, Erstveröffentlichung 26.07.2023


Quellen und weiterführende Informationen

International Center of Photography – Gerda Taro: Biografie und Archiv
Biografische Angaben, Zusammenarbeit mit Robert Capa, Spanischer Bürgerkrieg, Entwicklung zur eigenständigen Fotojournalistin und Informationen zu Taros letzten Einsätzen.

International Center of Photography – The Mexican Suitcase
Hintergrund zu den rund 4.500 wiederentdeckten Negativen von Gerda Taro, Robert Capa und David „Chim“ Seymour sowie zu deren wissenschaftlicher Aufarbeitung.

José Manuel Susperregui – „Controversias sobre el catálogo razonado de Gerda Taro“
Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Zuordnung von Fotografien Taros und Capas anhand von Kamera- und Negativformaten.

Weiterführend:
Für die Beschäftigung mit Gerda Taro lohnt sich besonders das digitale Archiv des International Center of Photography. Dort lassen sich Fotografien nicht nur betrachten, sondern teilweise auch mit Datierung, Entstehungsort und weiteren Informationen in ihren historischen Zusammenhang einordnen.

Überarbeiteter Beitrag, Erstveröffentlichung 26.07.2023

Kommentare

  • Fred

    Spannender Artikel über Gerda Taro! Ich finde es beeindruckend, wie sie als Fotografin im Spanischen Bürgerkrieg so viel Mut bewiesen hat und ihre Aufnahmen die Grausamkeiten des Krieges so eindrucksvoll dokumentieren. Gerade in einer Zeit, in der Frauen kaum als Kriegsfotografen aktiv waren, ist Taros Engagement bewundernswert und inspirierend. Ihr Werk erinnert uns daran, wie kraftvoll und wichtig Bilddokumentation für unser historisches Verständnis ist. Danke, dass du ihre Geschichte in diesem Blog teilst und auf ihre oft übersehene Rolle in der Fotografiegeschichte hinweist!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Zeige mir, dass du ein Mensch bist: