Agfacolor
Agfacolor ist die Bezeichnung für eine Reihe historischer Farbfilme und Farbfilmverfahren der deutschen Firma Agfa, die die Entwicklung der Farbphotographie maßgeblich geprägt haben. Insbesondere Agfacolor Neu aus dem Jahr 1936 gilt als Meilenstein der Fototechnik, da erstmals ein moderner Mehrschichten-Farbfilm mit bereits im Film eingelagerten Farbkupplern eingesetzt wurde – ein Prinzip, das die Grundlage nahezu aller späteren Farbnegativfilme bildete.
Die Anfänge
Die Geschichte von Agfacolor begann Anfang der 1930er Jahre. Zunächst brachte Agfa Rasterfilme für Farbaufnahmen auf den Markt, die jedoch technisch aufwendig waren und nur begrenzte Bildqualität boten.
Den entscheidenden Durchbruch erreichte Agfa 1936 mit Agfacolor Neu. Im Gegensatz zu den damaligen Kodachrome-Filmen befanden sich die Farbkuppler bereits in den einzelnen Emulsionsschichten des Films. Dadurch wurde die Entwicklung deutlich einfacher und wirtschaftlicher. Dieses technische Prinzip setzte sich langfristig weltweit durch.
Das technische Prinzip
Ein Agfacolor-Film besteht aus drei übereinanderliegenden lichtempfindlichen Schichten:
- obere Schicht für blaues Licht
- mittlere Schicht für grünes Licht
- untere Schicht für rotes Licht
Während der Entwicklung entstehen aus den in den Schichten eingebetteten Farbkupplern die drei Grundfarben:
- Gelb
- Magenta
- Cyan
Diese bilden zusammen das vollständige Farbbild.
Dieses Verfahren vereinfachte die Entwicklung erheblich und machte Farbfilme für Fotografen und Labore deutlich praktikabler als frühere Verfahren.
Agfacolor in der Fotografie
Für Fotografen bedeutete Agfacolor einen großen Schritt hin zur alltagstauglichen Farbfotografie.
Typische Einsatzgebiete waren:
- Farbdias
- Farbnegative
- Amateurfotografie
- Reisefotografie
- Familienaufnahmen
- Werbefotografie
Besonders geschätzt wurden die natürlichen Farbtöne sowie die angenehme Wiedergabe von Hautfarben und Landschaften.
Agfacolor im Kino
Nicht nur die Fotografie profitierte von Agfacolor. Auch die Filmindustrie setzte früh auf das Verfahren.
Ab Ende der 1930er Jahre entstand mit Agfacolor Negativ/Positiv eines der ersten modernen Farbfilmverfahren für Kinofilme. Im Gegensatz zu den damals verbreiteten, technisch sehr aufwendigen Technicolor-Verfahren konnten Farbkopien wesentlich einfacher hergestellt werden.
Zu den bekanntesten Spielfilmen gehören unter anderem:
- Frauen sind doch bessere Diplomaten (1941)
- Die goldene Stadt (1942)
- Münchhausen (1943)
- Kolberg (1945)
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Verfahren sowohl in Westdeutschland als auch in der DDR weiterentwickelt und fand auch international Verwendung.
Nachkriegszeit
Nach 1945 wurde die Agfa-Filmproduktion aufgeteilt.
- In Leverkusen entwickelte Agfa seine Farbfilme innerhalb der späteren Agfa-Gevaert-Gruppe weiter.
- Das Werk Wolfen lag in der DDR und produzierte zunächst weiterhin unter dem Namen Agfacolor. Ab 1964 wurden die Filme dort unter der Marke ORWO (Original Wolfen) angeboten.
Beide Entwicklungen basierten zunächst auf derselben technischen Grundlage, entwickelten sich jedoch im Laufe der Jahre unabhängig voneinander weiter.
Der typische Agfacolor-Look
Viele Fotografen und Filmschaffende sprechen bis heute vom sogenannten Agfacolor-Look.
Charakteristisch sind:
- warme, natürliche Farben
- weiche Übergänge
- angenehme Hauttöne
- harmonische Grün- und Blautöne
- eine insgesamt eher dezente Farbwiedergabe
Gerade bei historischen Farbaufnahmen lässt sich dieser Bildstil häufig erkennen und unterscheidet sich sichtbar von der kräftigeren Farbwiedergabe früher Kodak-Filme.
Bedeutung für die Fotografie
Die eigentliche Bedeutung von Agfacolor liegt weniger in den einzelnen Filmtypen als in der technischen Innovation. Das von Agfa entwickelte Mehrschichtenverfahren mit integrierten Farbkupplern wurde zum Vorbild moderner Farbfilme und beeinflusste die Entwicklung der Farbphotographie über Jahrzehnte.
Auch wenn Agfacolor heute nicht mehr produziert wird, besitzt der Name einen festen Platz in der Geschichte der analogen Fotografie. Viele Sammler, Analogfotografen und Filmhistoriker verbinden mit Agfacolor bis heute einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur modernen Farbfotografie.
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