Joe Bonamassa: BB King’s Blues Summit 100 (180g) – Wenn der Blues Generationen verbindet
Frisch aufgelegt: Ein Blues-Gipfeltreffen auf drei Platten
Es gibt diese Momente im Vinyl-Alltag. Das Paket kommt an, man weiß genau, was drin ist – und trotzdem steigt die Spannung beim Öffnen. Als ich „BB King’s Blues Summit 100“ aus der Hülle zog, war sofort klar: Das ist kein gewöhnliches Album. 180 Gramm, sauber verarbeitet, wertige Haptik – und vor allem: drei LPs. Allein dieser Umfang macht deutlich, dass es sich hier nicht um eine kleine Geste handelt, sondern um ein ambitioniertes Projekt. Drei Platten bedeuten Raum. Raum für unterschiedliche Künstler, Interpretationen und Facetten des Blues.
Noch bevor die Nadel die Rille berührte, hatte dieses Set bereits Gewicht – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein Projekt mit Haltung – nicht mit Ego
Initiiert wurde dieses Album von Joe Bonamassa. Er hat Musiker zusammengebracht und einen Rahmen geschaffen, in dem das Vermächtnis von B.B. King gewürdigt wird. Doch bemerkenswert ist: Bonamassa stellt sich nicht in den Vordergrund.
Er agiert eher als Kurator, als musikalischer Gastgeber. Trotz seiner technischen Klasse drängt er sich nicht auf. Er lässt Raum, gibt anderen Musikern Platz zur Entfaltung und sorgt so dafür, dass dieses Album als echtes Gemeinschaftsprojekt funktioniert. Gerade bei einem Dreifach-Album wäre es leicht gewesen, sich selbst dominant zu inszenieren. Stattdessen steht der Gedanke des gemeinsamen Musizierens im Mittelpunkt.
Viele Stimmen – verteilt auf drei LPs
Das Konzept profitiert enorm vom Umfang. Die drei Platten ermöglichen eine Vielfalt, die auf einem einzelnen Album kaum realisierbar wäre. Mit dabei sind unter anderem:
- Kenny Wayne Shepherd
- Kirk Fletcher
- Josh Smith
- Christone ‘Kingfish’ Ingram
- Susan Tedeschi
Jeder bringt seine eigene Klangfarbe mit. Unterschiedliche Spielweisen, unterschiedliche Dynamik, unterschiedliche Interpretationen. Durch die Aufteilung auf drei LPs wirkt nichts gedrängt. Die Songs bekommen Luft. Man kann sich Zeit nehmen – und genau das passt zum Blues.
Musikalisch – bewusst einfach betrachtet
Was mir auffällt:
- Die Gitarren klingen individuell und charakterstark.
- Die Songs atmen – nichts wirkt gehetzt.
- Die Emotion steht klar über der Virtuosität.
Es geht nicht darum, technische Höchstleistungen zu demonstrieren. Es geht um Ausdruck. Um Haltung. Um Respekt vor dem Erbe von B.B. King. Und gerade durch die Vielzahl an Beteiligten entsteht eine spannende Mischung, die über die drei Platten hinweg nie monoton wird.
Das Cover – fast ein kleines Archiv
Was dieses Set zusätzlich aufwertet, ist das außergewöhnlich schön gestaltete Cover. Als Dreifach-Vinyl bietet es viel Fläche – und die wird genutzt. Zahlreiche Fotos zeigen Stationen aus dem Leben und Wirken von B.B. King. Ergänzt wird das durch informative Texte zu seinem musikalischen Weg sowie Hinweise auf die beteiligten Künstler dieses Projekts. Das Ganze wirkt fast wie ein kleines Begleitbuch: historische Fotografien, Hintergrundinformationen, die Würdigung seiner Wegbegleiter und ein sichtbarer Brückenschlag zur heutigen Blues-Szene.
Man blättert, liest, betrachtet – und legt dann bewusst die nächste Platte auf.
Die 180g-Pressung – klanglich überzeugend
Auch klanglich überzeugt das Set. Sehr ruhiger Hintergrund, klare Mitten, plastische Gitarrenabbildung und Stimmen, die greifbar im Raum stehen. Gerade bei drei LPs ist eine saubere Pressqualität entscheidend – und hier passt das Gesamtbild. Die Dynamik bleibt erhalten, die unterschiedlichen Künstler sind differenziert hörbar. Der Klang wirkt organisch und nicht überproduziert. Genau so sollte moderner Blues auf Vinyl klingen.
„BB King’s Blues Summit 100“ ist kein gewöhnliches Album. Es ist ein von Joe Bonamassa initiiertes Gemeinschaftsprojekt, eine respektvolle Würdigung von B.B. King, ein Treffen aktueller Blues-Größen und ein hochwertiges Dreifach-Vinyl auf 180g. Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke: Nicht ein einzelner Künstler steht im Mittelpunkt – sondern der Blues selbst.



