Kodaks „neue“ Filme – oder doch nur neue Namen?
Wer sich aktuell ein wenig intensiver mit Analogfotografie beschäftigt, stolpert früher oder später über eine Meldung, die zunächst nach einer kleinen Sensation klingt: Kodak bringt mit Ektacolor Pro und Ektapan gleich zwei neue Filmlinien auf den Markt.
Sechs neue Filme – so liest man zumindest. Doch wie so oft lohnt sich ein zweiter Blick. Denn wirklich neu ist hier weniger, als es zunächst scheint.
Ein vertrauter Kern unter neuem Namen
Die neuen Bezeichnungen klingen nicht zufällig vertraut. Hinter Ektacolor Pro verbergen sich im Kern die bekannten Portra-Filme mit den Empfindlichkeiten 160, 400 und 800. Und auch bei Ektapan wird schnell klar, dass hier keine unbekannte Emulsion vorgestellt wird, sondern die T-Max-Reihe mit ISO 100, 400 und P3200 weiterlebt. Das bedeutet im Klartext: Die Eigenschaften, der Look und das Verhalten dieser Filme bleiben unverändert. Es handelt sich nicht um eine technische Weiterentwicklung, sondern um eine Umbenennung.
Oder etwas nüchterner formuliert: Neue Verpackung, bewährter Inhalt.
Der eigentliche Grund liegt woanders
Spannend wird das Ganze erst, wenn man den Blick vom Produkt selbst löst und sich den Hintergrund anschaut. Kodak ist aktuell dabei, den Vertrieb seiner Filme neu zu strukturieren. Während lange Zeit Kodak Alaris eine zentrale Rolle spielte, übernimmt Eastman Kodak zunehmend wieder selbst die Kontrolle – zumindest im amerikanischen Markt.
In diesem Kontext wirkt das Rebranding plötzlich deutlich logischer. Es geht weniger darum, Fotografen neue Optionen zu bieten, sondern vielmehr darum, die eigene Marktposition zu stärken, Preisgestaltung und Verfügbarkeit direkter zu steuern und die Marke neu zu justieren. Das ist kein ungewöhnlicher Schritt – aber eben einer, der vor allem wirtschaftlich motiviert ist.
Ein amerikanisches Phänomen – vorerst
Interessant ist dabei, dass diese neuen Namen bislang vor allem in den USA auftauchen. Hierzulande begegnet man weiterhin den vertrauten Bezeichnungen wie Portra oder T-Max. Das führt aktuell zu einer Art Parallelwelt: Während in Nordamerika bereits neue Namen im Umlauf sind, bleibt in Europa vieles beim Alten. Ob das nur eine Übergangsphase ist oder ob Kodak bewusst unterschiedliche Strategien für verschiedene Märkte verfolgt, lässt sich derzeit noch nicht eindeutig sagen.
Für uns als Anwender bedeutet das vor allem, dass man genau hinschauen muss – insbesondere, wenn Filme international bezogen werden.
Für die Praxis bleibt alles beim Alten
Am Ende stellt sich die entscheidende Frage: Ändert sich dadurch etwas an der Fotografie selbst?
Die Antwort ist recht eindeutig. Ein Film, der bisher für seine feinen Hauttöne oder seine klare Tonwertwiedergabe geschätzt wurde, wird diese Eigenschaften nicht verlieren, nur weil er einen anderen Namen trägt. Wer bisher gezielt zu einem bestimmten Material gegriffen hat, kann das auch weiterhin tun – unabhängig von der Beschriftung auf der Packung. Die eigentliche Konstante bleibt also das Bild, nicht das Branding.
Eine persönliche Einordnung
Ich gebe zu, dass mein erster Impuls durchaus von Neugier geprägt war. Neue Filmlinien wecken fast automatisch die Erwartung, dass sich auch gestalterisch etwas verändert. Nach kurzer Recherche bleibt davon allerdings wenig übrig. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass hier vor allem im Hintergrund Weichen gestellt werden.
Für mich persönlich hat das zunächst keine praktischen Auswirkungen. Die Entscheidung für einen Film treffe ich weiterhin auf Basis seiner Eigenschaften und meines gewünschten Ergebnisses – nicht aufgrund eines neuen Namens.
Kodaks „neue“ Filmlinien sind weniger eine fotografische Innovation als vielmehr ein Zeichen für die Dynamik im Analogmarkt. Die steigende Nachfrage sorgt offensichtlich dafür, dass Hersteller ihre Strategien überdenken und neu ausrichten. Das ist nachvollziehbar und wirtschaftlich sinnvoll.
Für uns als Fotografen bleibt jedoch entscheidend, dass sich am eigentlichen Werkzeug nichts geändert hat. Der Film ist derselbe geblieben. Und damit auch das, worauf es am Ende wirklich ankommt: das Bild.


