Micro Four Thirds
MFT – kompakt gedacht, aber nicht nur klein
Micro Four Thirds gehört zu den Kamerasystemen, bei denen die Sensorgröße von Anfang an Teil eines größeren Konzepts war. Es ging nicht einfach darum, einen kleineren Bildsensor in eine Kamera einzubauen. Sensor, Objektivanschluss und spiegellose Bauweise sollten gemeinsam ein vergleichsweise kompaktes System mit Wechselobjektiven ermöglichen.
Das macht Micro Four Thirds bis heute interessant. Denn die bildsensorgröße beeinflusst nicht nur die Bildqualität, sondern auch Bildwinkel, Schärfentiefe und letztlich die Größe der Objektive. Wer MFT versteht, versteht deshalb auch ein gutes Stück davon, warum unterschiedliche Kamerasysteme so unterschiedlich aufgebaut sind.
Was bedeutet Micro Four Thirds?
Micro Four Thirds, häufig als MFT oder Micro 4/3 abgekürzt, ist ein Standard für spiegellose Kameras mit Wechselobjektiven. Er wurde 2008 von Olympus und Panasonic vorgestellt und basiert auf dem älteren Four-Thirds-System.
Typische MFT-Sensoren besitzen eine Bildfläche von etwa 17,3 × 13,0 Millimetern. Damit sind sie deutlich kleiner als ein Kleinbild- beziehungsweise Vollformatsensor mit ungefähr 36 × 24 Millimetern.
Der Name „Four Thirds“ sollte dabei nicht als direkte Angabe der Sensorbreite oder -höhe verstanden werden. Die Größenbezeichnung geht auf eine ältere, historisch gewachsene Art der Formatangabe zurück.
Charakteristisch ist außerdem das native Seitenverhältnis von 4:3 – daher wirkt ein unbearbeitetes MFT-Foto etwas weniger breit als das bei vielen APS-C- und Vollformatkameras übliche 3:2-Format.
Micro Four Thirds bezeichnet allerdings mehr als die Sensorgröße. Zum Systemstandard gehört auch ein gemeinsamer Objektivanschluss. Dadurch können grundsätzlich MFT-Objektive verschiedener Hersteller an MFT-Kameras verwendet werden. Bestimmte herstellerspezifische Funktionen können sich dennoch unterscheiden, denn der Standard vereinheitlicht nicht jede einzelne Funktion eines Kamera-Objektiv-Gespanns.

Was steckt technisch dahinter?
Der entscheidende Gedanke hinter Micro Four Thirds ist das Zusammenspiel aus vergleichsweise kleinem Sensor und spiegelloser Konstruktion.
Beim vorherigen Four-Thirds-System kamen noch digitale Spiegelreflexkameras zum Einsatz. Für Micro Four Thirds fiel der Spiegelkasten weg. Dadurch ließ sich der Abstand zwischen Objektivanschluss und Sensor gegenüber Four Thirds erheblich reduzieren. Panasonic beschreibt für die Entwicklung des Systems eine Verringerung auf ungefähr 20 Millimeter.
Das eröffnete neue Möglichkeiten bei der Konstruktion kompakter Kameras und Objektive.
Dabei ist wichtig: MFT bedeutet nicht automatisch, dass jede Kamera und jedes Objektiv besonders klein sein muss. Gerade lichtstarke Objektive, lange Telebrennweiten oder auf professionelle Videoanwendungen ausgelegte Kameragehäuse können durchaus stattlich ausfallen. Der Standard schafft lediglich günstigere Voraussetzungen für kompakte Konstruktionen.
Der Cropfaktor von Micro Four Thirds
Besonders häufig begegnet Dir bei MFT der sogenannte Cropfaktor.
Die Diagonale eines Micro-Four-Thirds-Sensors ist ungefähr halb so groß wie die eines Kleinbildsensors. Daraus ergibt sich gegenüber Kleinbild ein Cropfaktor von ungefähr 2. Die offizielle MFT-Dokumentation beschreibt entsprechend, dass für einen vergleichbaren Bildwinkel ungefähr die doppelte Kleinbild-Brennweite anzusetzen ist.
Ein 25-mm-Objektiv an MFT liefert also ungefähr den Bildwinkel, den ein 50-mm-Objektiv an Kleinbild zeigt.
Ein 12-mm-Objektiv entspricht hinsichtlich des Bildwinkels ungefähr 24 mm an Kleinbild, ein 150-mm-Tele ungefähr 300 mm.
Wichtig ist die Formulierung: Die Brennweite selbst verändert sich nicht. Ein 25-mm-Objektiv bleibt optisch ein 25-mm-Objektiv. Der kleinere Sensor erfasst lediglich einen kleineren Ausschnitt des vom Objektiv erzeugten Bildkreises. Dadurch entsteht der engere Bildwinkel.
Gerade bei langen Brennweiten ist das praktisch. Für Natur-, Tier- und Sportfotografie lässt sich mit vergleichsweise kurzen realen Brennweiten ein Bildwinkel erreichen, für den an Kleinbild längere Brennweiten erforderlich wären.

Und was passiert mit der Schärfentiefe?
Hier wird der Cropfaktor gerne etwas zu großzügig eingesetzt.
Die Blendenzahl eines Objektivs verändert sich durch die Sensorgröße zunächst nicht. Ein Objektiv mit 25 mm f/1,4 bleibt ein 25 mm f/1,4. Auch seine Lichtstärke wird nicht plötzlich zu f/2,8.
Wenn Du allerdings mit unterschiedlichen Sensorformaten denselben Bildwinkel, denselben Bildausschnitt und vergleichbare Aufnahmebedingungen herstellen möchtest, ergeben sich Unterschiede bei der Schärfentiefe.
Vereinfacht kannst Du für solche Vergleiche auch hier mit dem Faktor 2 rechnen: Ein 25 mm f/1,4 an MFT liefert hinsichtlich Bildwinkel und Schärfentiefe ungefähr eine Bildwirkung, für die Du bei Kleinbild 50 mm und etwa f/2,8 verwenden würdest.
Das bedeutet nicht, dass aus f/1,4 technisch f/2,8 wird. Es ist lediglich eine hilfreiche Äquivalenzbetrachtung, wenn Du die gestalterische Wirkung verschiedener Sensorformate vergleichen möchtest.
Für die Praxis kann die größere Schärfentiefe durchaus ein Vorteil sein. Bei Makro-, Natur-, Reise- oder Landschaftsfotografie möchtest Du schließlich nicht zwangsläufig möglichst wenig, sondern häufig möglichst viel vom Motiv scharf abbilden.
Was bedeutet MFT in der fotografischen Praxis?
Stell Dir vor, Du möchtest auf einer Wanderung Tiere fotografieren. Ein weiter entfernter Vogel verlangt nach einem engen Bildwinkel.
Mit einem 300-mm-Objektiv an einer MFT-Kamera erhältst Du ungefähr den Bildwinkel, den ein 600-mm-Objektiv an Kleinbild liefern würde. Gerade im Telebereich kann daraus ein mobiles System entstehen, das für Naturfotografen interessant ist.
Am anderen Ende steht beispielsweise die Porträtfotografie. Ein 42,5-mm-Objektiv liefert an MFT ungefähr den Bildwinkel eines 85-mm-Objektivs an Kleinbild – eine klassische Porträtperspektive, sofern auch der Aufnahmeabstand entsprechend gewählt wird. Möchtest Du gleichzeitig eine sehr geringe Schärfentiefe erreichen, spielt die kleinere Sensorfläche jedoch gegen Dich: Für eine vergleichbare Freistellung benötigst Du bei MFT eine größere relative Öffnung.
Genau daran zeigt sich, dass Sensorformate nicht sinnvoll mit einem einfachen „besser“ oder „schlechter“ bewertet werden können. Eine Eigenschaft, die in einer Aufnahmesituation nachteilig ist, kann in einer anderen ausgesprochen nützlich sein.
Micro Four Thirds und Four Thirds sind nicht dasselbe
Die ähnlichen Namen sorgen gelegentlich für Verwirrung.
Four Thirds war ein für digitale Spiegelreflexkameras entwickeltes System. Micro Four Thirds übernahm das grundlegende Sensorformat, verzichtete jedoch auf den Spiegelkasten und führte einen dafür angepassten Objektivanschluss ein.
Four-Thirds-Objektive lassen sich deshalb nicht einfach direkt an eine MFT-Kamera setzen. Sie können jedoch mit einem entsprechenden Bajonettadapter verwendet werden.
Wenn heute von MFT gesprochen wird, ist normalerweise das spiegellose Micro-Four-Thirds-System gemeint.
Ein kurzer Blick zurück
Micro Four Thirds wurde am 5. August 2008 gemeinsam von Olympus und Panasonic angekündigt. Das Ziel war eine digitale Systemkamera, die kleiner und leichter konstruiert werden konnte als die damaligen Spiegelreflexsysteme. Bereits im September 2008 folgte mit der Panasonic Lumix DMC-G1 die erste Kamera des neuen Systems.
Dieser Schritt war fotografisch durchaus bedeutsam. Heute sind spiegellose Systemkameras selbstverständlich. 2008 war eine Kamera mit elektronischem Sucher, Wechselobjektiven und ohne Spiegelkasten dagegen noch ein ungewöhnliches Konzept.
Micro Four Thirds gehört damit zu den Systemen, die früh gezeigt haben, dass eine hochwertige Systemkamera nicht zwangsläufig nach dem klassischen Spiegelreflexprinzip aufgebaut sein muss.
Vorteile und Nachteile von Micro Four Thirds
Zu den Stärken von MFT gehört vor allem die Möglichkeit, ein vergleichsweise kompaktes Gesamtsystem aufzubauen. Besonders bei Teleobjektiven kann das interessant sein. Der Cropfaktor von ungefähr 2 sorgt zudem dafür, dass bereits moderate reale Brennweiten einen engen Bildwinkel liefern.
Auch die größere Schärfentiefe bei vergleichbarem Bildwinkel kann praktisch sein – etwa bei Makro-, Landschafts- oder Reisefotografie.
Der kleinere Bildsensor bringt allerdings ebenfalls Grenzen mit sich. Bei vergleichbarem technischen Entwicklungsstand hat ein größerer Sensor grundsätzlich mehr Fläche zur Verfügung, um Licht zu erfassen. Das kann sich insbesondere bei wenig Licht und hohen ISO-Werten bemerkbar machen. Wie groß der Unterschied tatsächlich ausfällt, hängt jedoch stark von Sensorgeneration, Auflösung, Belichtung und Bildverarbeitung ab.
Auch sehr geringe Schärfentiefe lässt sich mit größeren Sensorformaten bei vergleichbarem Bildwinkel leichter erreichen. Wer möglichst starke Freistellung als wesentliches Gestaltungsmittel nutzt, findet bei Vollformat daher günstigere Voraussetzungen.
MFT spielt seine Stärken eher dort aus, wo Mobilität, Reichweite, Schärfentiefe und Systemgröße wichtiger sind als maximale Freistellung oder die größtmögliche Sensorfläche.
Micro Four Thirds ist weit mehr als die Kurzform für einen kleinen Bildsensor. Es ist ein komplettes spiegelloses Kamerasystem, bei dem Sensorformat, Objektivanschluss und Konstruktion aufeinander abgestimmt wurden.
Der Cropfaktor von ungefähr 2 macht lange Bildwinkel mit vergleichsweise moderaten Brennweiten möglich und kann dadurch besonders für Reise-, Natur-, Makro- und Telefotografie interessant sein. Gleichzeitig bedeutet die kleinere Sensorfläche Kompromisse, beispielsweise bei extremer Freistellung und unter schwierigen Lichtbedingungen.
Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, ob MFT besser oder schlechter als APS-C oder Vollformat ist. Interessanter ist die Frage, welches Verhältnis aus Bildqualität, Objektivgröße, Gewicht und fotografischen Möglichkeiten zu Deiner Art zu fotografieren passt.


