Fotografie-Blog

Symbolmodus, P, A, S oder M – welcher Kameramodus ist wirklich der richtige?

Du stehst vor einer Gruppe von 40 Menschen. Familienfeier, Vereinsjubiläum oder Hochzeit – und weil du die „richtige Kamera“ dabeihast, bist du kurzerhand zum Fotografen erklärt worden.

Auf dem Moduswahlrad deiner Kamera findest du vielleicht ein kleines Porträt-Symbol. Klingt passend. Schließlich fotografierst du Menschen. Also Porträtmodus wählen und auslösen?

Das kann funktionieren. Es kann aber auch schiefgehen.

Denn deine Kamera erkennt zwar möglicherweise Gesichter und inzwischen sogar erstaunlich zuverlässig Augen. Was sie trotzdem nicht sicher weiß: Wie soll dein fertiges Foto aussehen? Und genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Motivprogramm und den Belichtungsmodi P, A beziehungsweise Av, S beziehungsweise Tv und M.

Es geht nicht darum, möglichst viel manuell einzustellen. Es geht darum, der Kamera genau die Entscheidungen zu überlassen, die sie in der jeweiligen Situation besser oder schneller treffen kann – und selbst dort einzugreifen, wo es für das Bild wichtig wird.

Was macht ein Symbol- oder Szenenmodus eigentlich?

Porträt, Landschaft, Sport, Makro oder Nachtaufnahme sind keine geheimnisvollen Spezialprogramme. Dahinter stecken Kombinationen verschiedener Kameraeinstellungen, die der Hersteller für eine typische Aufnahmesituation als sinnvoll betrachtet.

Beim Porträt kann die Kamera beispielsweise versuchen, einen eher unscharfen Hintergrund zu erzeugen. Beim Sportprogramm wird sie dagegen kurze Belichtungszeiten bevorzugen. Beim Landschaftsprogramm können wiederum andere Prioritäten gelten.

Das Problem daran ist nicht, dass diese Entscheidungen grundsätzlich falsch wären. Das Problem ist das Wort typisch.

Unsere Gruppe mit 40 Personen ist zwar irgendwie ein Porträt, hat mit dem klassischen Porträt einer einzelnen Person aber wenig gemeinsam. Hier möchtest du wahrscheinlich nicht möglichst wenig, sondern ausreichend Schärfentiefe haben. Mehrere Reihen von Menschen sollen schließlich scharf erscheinen.

Die Kamera sieht ein Motiv. – Du hast eine Bildidee. – Das ist ein entscheidender Unterschied.

Sind Szenenprogramme deshalb schlecht?

Nein.

Ich würde heute nicht mehr behaupten, dass man sie grundsätzlich vermeiden sollte.

Gerade wenn du mit der Fotografie beginnst, können Szenenprogramme durchaus hilfreich sein. Du kannst dich zunächst stärker auf Motiv, Bildausschnitt und den richtigen Moment konzentrieren, während die Kamera viele technische Entscheidungen übernimmt.

Und manchmal möchtest du schlicht ein Foto machen, ohne vorher über Blende, Belichtungszeit und ISO nachzudenken. Auch daran ist nichts falsch.

Wenn du allerdings verstehen möchtest, warum ein Bild so aussieht, wie es aussieht, stößt du mit diesen Programmen irgendwann an Grenzen. Denn nun möchtest du vielleicht selbst entscheiden:

Soll Bewegung eingefroren oder sichtbar werden? Wie groß soll die Schärfentiefe sein? Welche Belichtungszeit benötige ich? Wie hoch darf die ISO-Einstellung steigen?

Genau hier kommen P, A beziehungsweise Av, S beziehungsweise Tv und M ins Spiel.

PASM bedeutet nicht „Profi gegen Anfänger“

Diese vier Buchstaben werden manchmal beinahe wie eine fotografische Rangordnung behandelt.

P für Anfänger, A für Fortgeschrittene und wer es endlich bis M geschafft hat, darf sich Fotograf nennen.

Das ist Unsinn.

Die Modi unterscheiden sich vor allem darin, welche Entscheidungen du triffst und welche Entscheidungen die Kamera übernimmt. Das macht einen Modus nicht besser oder schlechter. Entscheidend ist, ob er zur Aufnahmesituation passt.

P – die Programmautomatik ist besser als ihr Ruf

Früher hätte ich an dieser Stelle vermutlich geschrieben: Finger weg vom P-Modus. Heute sehe ich das anders.

In P wählt die Kamera zunächst Blende und Belichtungszeit automatisch. Im Unterschied zu einer Vollautomatik oder einem Szenenprogramm hast du bei vielen Kameras aber weiterhin Zugriff auf zahlreiche andere Einstellungen.

Und es kommt noch etwas hinzu: Viele Kameras erlauben einen sogenannten Programm-Shift. Dabei kannst du die von der Kamera vorgeschlagene Kombination aus Blende und Belichtungszeit verschieben, ohne die Belichtung grundsätzlich zu verändern.

Aus beispielsweise 1/125 Sekunde bei f/8 könnte dadurch 1/500 Sekunde bei f/4 werden – sofern Objektiv, Licht und Kamera dies zulassen.

Die Helligkeit bleibt vergleichbar, aber die Bildwirkung kann sich ändern.

P kann deshalb durchaus sinnvoll sein, wenn du schnell reagieren möchtest und weder Schärfentiefe noch Bewegungsdarstellung im Augenblick oberste Priorität haben.

Es ist kein Modus, den man beherrschen muss. Aber auch keiner, vor dem man Fotografen warnen müsste.

A oder Av – wenn die Blende für dein Bild wichtig ist

Die Zeitautomatik beziehungsweise Blendenpriorität gehört zu den praktischsten Belichtungsmodi. Du bestimmst die Blende, die Kamera ermittelt dazu eine passende Belichtungszeit.

Warum ist das hilfreich?

Weil die Blende nicht nur beeinflusst, wie viel Licht durch das Objektiv gelangt. Zusammen mit Brennweite, Aufnahmeabstand und weiteren Faktoren beeinflusst sie auch die Schärfentiefe. Bei einem Porträt möchtest du vielleicht die Person deutlich vom Hintergrund lösen. Bei einer Landschaft oder unserem Gruppenfoto soll dagegen ein größerer Bereich scharf erscheinen.

Du entscheidest also über einen wichtigen gestalterischen Parameter und lässt die Kamera auf wechselnde Lichtverhältnisse reagieren.Allerdings gibt es dabei einen Punkt, den du unbedingt im Auge behalten solltest: die Belichtungszeit. Wird es dunkler, verlängert die Kamera diese möglicherweise so weit, dass Bewegungs- oder Verwacklungsunschärfe entsteht.

Hier zeigt sich sehr schön, wie moderne Automatik sinnvoll eingesetzt werden kann.

Mit Auto-ISO und einer passend gewählten längsten beziehungsweise minimalen Belichtungszeit lässt sich A/Av bei vielen Kameras wesentlich flexibler einsetzen als früher. Du gibst die gewünschte Blende vor, setzt Grenzen für die ISO-Automatik und sorgst gleichzeitig dafür, dass die Belichtungszeit nicht unbemerkt in einen für dein Motiv problematischen Bereich fällt.

Automatik und fotografische Kontrolle schließen sich also keineswegs aus.

S oder Tv – keineswegs nur ein exotischer Spezialfall

Auch beim S- beziehungsweise Tv-Modus würde ich meine frühere Einschätzung heute korrigieren. Hier gibst du die Belichtungszeit vor und die Kamera wählt die passende Blende. Und das ist immer dann interessant, wenn Bewegung für dein Foto entscheidend ist.

Ein Handballspieler soll mitten im Sprung eingefroren werden? Eine Möwe fliegt auf dich zu? Ein Radfahrer fährt durch die Stadt? Oder du möchtest fließendes Wasser bewusst verwischen?

In all diesen Fällen kann die Belichtungszeit wichtiger sein als die exakte Blende.

S/Tv ist deshalb keineswegs ein Modus, den kaum jemand braucht. Er folgt lediglich einer anderen fotografischen Priorität als A/Av.

Natürlich gibt es Grenzen. Wenn du beispielsweise 1/2000 Sekunde vorgibst und das vorhandene Licht nicht ausreicht, kann die Kamera die Blende irgendwann nicht weiter öffnen. Auch hier kann Auto-ISO helfen, innerhalb vorher festgelegter Grenzen die gewünschte Belichtungszeit beizubehalten.

M – manuell heißt heute nicht unbedingt vollständig manuell

Der manuelle Modus wird häufig so beschrieben: Du stellst Blende, Belichtungszeit und ISO selbst ein.

Das kann so sein. M lässt sich bei vielen modernen Kameras aber auch hervorragend mit Auto-ISO kombinieren.Und dadurch entsteht ein ausgesprochen interessanter Belichtungsmodus.

Stell dir vor, du fotografierst Sport. Du möchtest mindestens 1/1000 Sekunde verwenden, damit Bewegungen weitgehend eingefroren werden. Gleichzeitig möchtest du mit f/4 eine bestimmte Bildwirkung beziehungsweise Schärfentiefe erreichen. Dann kannst du in M genau diese beiden Werte festlegen und die ISO-Einstellung der Kamera überlassen.

Ändert sich das Licht, bleiben die beiden für deine Bildgestaltung wichtigen Parameter erhalten. Die Kamera gleicht die Helligkeitsunterschiede über ISO aus – natürlich nur innerhalb der Grenzen, die du ihr vorgibst. Das ist technisch gesehen eine Automatik innerhalb des manuellen Belichtungsmodus.

Und es zeigt sehr schön, warum die alte Vorstellung „Automatik oder manuell“ heute kaum noch weiterhilft.

Und wann ist vollständig manuell sinnvoll?

Es gibt weiterhin Situationen, in denen M mit fest eingestellter ISO sehr praktisch ist. Zum Beispiel im Studio mit kontrollierter Beleuchtung. Oder bei Aufnahmen vom Stativ, wenn sich die Lichtverhältnisse nicht verändern.

Auch bei Panoramen kann eine konstante Belichtung über mehrere Einzelbilder hilfreich sein. Der Vorteil besteht dann weniger darin, dass du der Kamera grundsätzlich misstraust. Vielmehr möchtest du verhindern, dass die Belichtungsmessung von Aufnahme zu Aufnahme unterschiedliche Einstellungen wählt.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Manuell zu fotografieren bedeutet nicht automatisch, genauer zu fotografieren. Es bedeutet zunächst nur, dass bestimmte Werte konstant bleiben, bis du sie selbst veränderst.

Zurück zu unseren 40 Personen

Welchen Modus nehmen wir nun für das Gruppenfoto?

Darauf gibt es keine einzig richtige Antwort. A/Av wäre beispielsweise eine naheliegende Möglichkeit. Du wählst eine Blende, die für die benötigte Schärfentiefe sinnvoll ist, und kontrollierst gleichzeitig, ob die resultierende Belichtungszeit für die Situation ausreicht. ISO beziehungsweise Auto-ISO helfen dir anschließend dabei, eine vernünftige Kombination zu erreichen.

M mit Auto-ISO könnte ebenfalls funktionieren. Dann bestimmst du Blende und eine ausreichend kurze Belichtungszeit selbst und lässt die Kamera die ISO-Empfindlichkeit anpassen.

Sogar P kann funktionieren, wenn du die von der Kamera gewählten Werte kontrollierst und bei Bedarf über Programm-Shift eingreifst.

Entscheidend ist deshalb weniger der Buchstabe auf dem Moduswahlrad. Entscheidend ist, dass du weißt, welche Einstellung für dein Foto gerade wichtig ist.

Die Kamera darf ruhig mitarbeiten

Vielleicht ist das die größte Veränderung gegenüber der Art, wie wir vor einigen Jahren häufig über Kameramodi gesprochen haben. Automatik galt schnell als etwas für Anfänger, manuelle Bedienung dagegen als Zeichen fotografischer Kompetenz. Ich halte diese Trennung inzwischen für wenig hilfreich.

Moderne Kameras können Belichtung messen, ISO anpassen, Motive erkennen, Augen verfolgen und innerhalb von Sekundenbruchteilen Einstellungen verändern. Warum sollten wir diese Möglichkeiten nicht nutzen?

Fotografische Kontrolle bedeutet für mich nicht, grundsätzlich alles selbst einzustellen. Sie bedeutet, zu wissen, was ich selbst bestimmen möchte und was ich meiner Kamera überlassen kann.

Genau deshalb lohnt es sich weiterhin, Blende, Belichtungszeit und ISO zu verstehen. Nicht damit du anschließend zwangsläufig im manuellen Modus fotografierst, sondern damit du entscheiden kannst, welche Automatik dich bei deinem Bild unterstützt.

Nicht der Modus macht das Foto

Symbolprogramme können praktisch sein. P ist kein verbotener Modus. A/Av ist hervorragend, wenn die Blende Priorität hat. S/Tv ist sinnvoll, wenn die Belichtungszeit entscheidend ist. Und M bietet dir Kontrolle, ohne dass du deshalb zwangsläufig auf jede Automatik verzichten musst.

Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht: „Welchen Modus benutzen gute Fotografen?“

Sondern: „Welche Einstellung ist für das Bild wichtig, das ich gerade machen möchte?“

Wenn du darauf eine Antwort hast, ist die Wahl des Kameramodus plötzlich gar nicht mehr so kompliziert.

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