Focus Bracketing

Focus Bracketing ist eine Aufnahmetechnik, bei der die Kamera mehrere Bilder desselben Motivs mit schrittweise veränderter Fokuseinstellung aufnimmt. Dadurch entsteht eine Serie, in der jeweils andere Bereiche des Motivs scharf abgebildet werden. Die Einzelbilder können anschließend durch Focus Stacking zu einem Bild mit vergrößerter Schärfentiefe zusammengesetzt werden.

Warum Focus Bracketing eingesetzt wird

Die Schärfentiefe einer einzelnen Aufnahme ist begrenzt. Besonders in der Makrofotografie kann der scharf wiedergegebene Bereich selbst bei stärker geschlossener Blende nur wenige Millimeter oder noch weniger umfassen. Ein Insekt, eine Blüte oder ein kleines Produkt lässt sich deshalb häufig nicht vollständig scharf abbilden.

Ein sehr starkes Abblenden vergrößert zwar die Schärfentiefe, kann aber durch Beugung die Detailauflösung verringern. Focus Bracketing ermöglicht es, mit einer günstigeren Blendeneinstellung zu arbeiten und die benötigte Schärfentiefe auf mehrere Einzelbilder zu verteilen.

Wie Focus Bracketing funktioniert

Zu Beginn wird auf den vordersten oder einen anderen festgelegten Bereich des Motivs fokussiert. Nach der ersten Aufnahme verändert die Kamera die Fokusentfernung in kleinen Schritten und belichtet weitere Bilder. Die Schärfeebene wandert dabei nach und nach durch das Motiv.

Bei vielen Kameras lassen sich die Anzahl der Aufnahmen und die Größe der Fokusschritte einstellen. Kleine Schritte erzeugen eine stärkere Überlappung der scharfen Bereiche, benötigen aber mehr Einzelbilder. Größere Schritte erfassen die räumliche Tiefe schneller, können jedoch Lücken zwischen den Schärfeebenen hinterlassen.

Wie die Fokusreihe genau abläuft, hängt vom Kameramodell ab. Einige Kameras beginnen am gewählten Fokuspunkt und verlagern die Schärfe schrittweise in Richtung Hintergrund. Andere beziehen auch Bereiche vor dem ursprünglichen Fokuspunkt ein. Die jeweilige Kamerafunktion kann außerdem als „Focus Bracketing“, „Focus Shift“, „Fokusverlagerung“ oder „Fokusreihe“ bezeichnet werden.

Focus Bracketing und Focus Stacking

Focus Bracketing und Focus Stacking sind eng miteinander verbunden, aber nicht identisch. Focus Bracketing bezeichnet die Aufnahme der einzelnen Bilder mit unterschiedlichen Schärfeebenen. Focus Stacking ist die anschließende Zusammenführung dieser Bilder.

Die Kamera kann also eine Fokusreihe aufnehmen, ohne daraus selbst ein fertiges Bild zu erstellen. Die Einzelaufnahmen werden dann in einer Bildbearbeitungssoftware ausgerichtet und miteinander verrechnet. Dabei übernimmt das Programm aus jeder Aufnahme die jeweils schärfsten Bildbereiche.

Einige Kameras bieten zusätzlich eine interne Stacking-Funktion. Sie nehmen zunächst die Fokusreihe auf und erzeugen anschließend automatisch ein zusammengesetztes Bild. Bei anderen Modellen bleibt die Zusammenführung dem Fotografen überlassen. Canon beschreibt Focus Bracketing entsprechend als automatisierte Aufnahmeserie, während Focus Stacking beziehungsweise die Tiefenkombination den getrennten Verarbeitungsschritt bezeichnet.

Focus Bracketing in der Praxis

Für eine zuverlässige Fokusreihe sollten Kamera und Motiv möglichst unbeweglich bleiben. Ein Stativ sorgt dafür, dass sich der Bildausschnitt zwischen den Aufnahmen nicht verändert. Bei kurzen Aufnahmeabständen und einer schnellen Serienfunktion können manche Reihen auch aus der Hand gelingen, dennoch steigt dabei das Risiko von Verschiebungen.

Belichtung, Weißabgleich und Bildausschnitt sollten während der gesamten Serie gleich bleiben. Veränderungen der Helligkeit oder des Umgebungslichts können die spätere Zusammenführung erschweren. Bei Aufnahmen mit Blitz muss außerdem genügend Zeit zum Nachladen bleiben.

Die Reihe sollte etwas vor dem ersten gewünschten scharfen Bereich beginnen und erst hinter dem letzten wichtigen Detail enden. Im Zweifelsfall sind zusätzliche Aufnahmen sinnvoller als eine zu knapp bemessene Serie. Fehlende Schärfeebenen lassen sich bei der späteren Bearbeitung nicht nachträglich ergänzen.

Typische Einsatzgebiete

Focus Bracketing wird vor allem in der Makro- und Nahfotografie eingesetzt. Kleine Pflanzen, Insekten, Mineralien, Schmuckstücke oder technische Bauteile können damit über ihre gesamte räumliche Ausdehnung erfasst werden. Auch in der Produktfotografie ist die Technik hilfreich, wenn ein Gegenstand vollständig scharf erscheinen soll.

In der Landschaftsfotografie kann eine Fokusreihe eingesetzt werden, wenn ein sehr naher Vordergrund ebenso scharf wiedergegeben werden soll wie der weit entfernte Hintergrund. Hier werden meist weniger Einzelbilder benötigt als bei hohen Abbildungsmaßstäben. Canon und OM System nennen deshalb sowohl Makro- als auch Landschaftsaufnahmen als typische Anwendungsbereiche.

Grenzen der Aufnahmetechnik

Bewegungen innerhalb des Motivs gehören zu den größten Schwierigkeiten. Wind, sich bewegende Tiere, fließendes Wasser oder wechselnde Lichtverhältnisse können dazu führen, dass die Einzelbilder nicht mehr genau zueinanderpassen. In der späteren Kombination entstehen dann möglicherweise Doppelkonturen, Lücken oder unsaubere Übergänge.

Auch das sogenannte Focus Breathing kann Probleme verursachen. Dabei verändert sich beim Fokussieren geringfügig der Bildwinkel des Objektivs. Das Motiv erscheint in den einzelnen Aufnahmen unterschiedlich groß. Stacking-Programme gleichen solche Abweichungen teilweise aus, benötigen dafür jedoch etwas Randreserve. Das fertige Bild muss deshalb häufig leicht beschnitten werden.

Focus Bracketing ist somit noch kein fertiges Bildverfahren, sondern eine vorbereitende Aufnahmetechnik. Sein Vorteil liegt darin, eine kontrollierte und möglichst vollständige Folge unterschiedlicher Schärfeebenen bereitzustellen.

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