Zoomobjektiv
Flexibel zwischen Weitwinkel und Tele
Ein Schritt zurück, ein paar Schritte nach vorn – oft ist das die beste Methode, um den Bildausschnitt zu verändern. Nur funktioniert das nicht immer. Manchmal endet der Weg an einer Mauer, am Rand einer Aussichtsplattform oder schlicht dort, wo man einem scheuen Tier besser nicht näherkommen sollte.
Genau hier zeigt das Zoomobjektiv seine Stärke: Es bietet nicht nur eine einzelne Brennweite, sondern einen ganzen Brennweitenbereich. Dadurch kannst Du den Bildwinkel verändern, ohne das Objektiv wechseln zu müssen.
Definition: Was ist ein Zoomobjektiv?
Ein Zoomobjektiv ist ein Objektiv mit veränderlicher Brennweite. Im Gegensatz zu einer Festbrennweite bist Du also nicht auf beispielsweise 35, 50 oder 85 Millimeter festgelegt, sondern kannst innerhalb eines bestimmten Bereichs unterschiedliche Brennweiten einstellen. Nikon definiert das Zoomobjektiv entsprechend als Objektiv, dessen optischer Aufbau eine Veränderung von Brennweite und damit Bildwinkel ermöglicht.
Typische Brennweitenbereiche sind beispielsweise:
- 16–35 mm
- 24–70 mm
- 24–105 mm
- 70–200 mm
- 100–400 mm
Die beiden Zahlen auf dem Objektiv bezeichnen die kürzeste und längste einstellbare Brennweite.
Ein 24–70-mm-Zoom kann also auf 24 mm, 35 mm, 50 mm oder 70 mm eingestellt werden – ebenso auf die Brennweiten dazwischen.
Wie funktioniert ein Zoomobjektiv?
Bei einem Zoomobjektiv werden beim Drehen des Zoomrings beziehungsweise beim Betätigen eines motorischen Zooms Linsengruppen innerhalb des Objektivs gegeneinander verschoben. Dadurch verändert sich die optische Brennweite.
Und genau diese Brennweite bestimmt wesentlich, wie groß der Bildwinkel ist: Eine kurze Brennweite erfasst einen größeren Ausschnitt der Szene, eine lange Brennweite einen kleineren.
Das kannst Du Dir bei einem 24–70-mm-Objektiv leicht vorstellen. Bei 24 mm bekommst Du vergleichsweise viel von Deiner Umgebung ins Bild. Drehst Du auf 70 mm, wird der erfasste Bildwinkel enger und ein Motiv innerhalb des Bildes entsprechend größer dargestellt.
Technisch ist das anspruchsvoller als bei einer Festbrennweite. Das Objektiv soll schließlich nicht nur bei einer einzigen Brennweite gute Abbildungsleistungen liefern, sondern über einen ganzen Bereich hinweg.
Dabei gibt es Zoomobjektive mit konstanter maximaler Blendenöffnung und solche mit variabler maximaler Blendenöffnung. Ein 24–70 mm F2,8 kann beispielsweise über seinen gesamten Zoombereich eine maximale Blendenöffnung von F2,8 anbieten. Bei einem Objektiv mit der Angabe 24–105 mm F4–7,1 wird die größte verfügbare Blendenöffnung dagegen beim Zoomen in Richtung der längeren Brennweite kleiner.
Warum ist das Zoomobjektiv in der Fotografie so praktisch?
Der eigentliche Vorteil liegt weniger darin, dass Du Dir ein paar Schritte ersparst. Viel wichtiger ist, dass Du Deinen Bildausschnitt schnell an eine Situation anpassen kannst.
Das ist beispielsweise bei Veranstaltungen hilfreich. Personen bewegen sich, Abstände ändern sich und manchmal bleibt nur wenig Zeit für ein Bild. Statt zwischen verschiedenen Festbrennweiten zu wechseln, kannst Du mit einem Zoomobjektiv unmittelbar reagieren.
Ähnliches gilt für Reise-, Sport- und Tierfotografie. Gerade bei Motiven, deren Abstand Du nicht frei bestimmen kannst, ist ein variabler Brennweitenbereich ausgesprochen praktisch. Hinzu kommt, dass weniger Objektivwechsel nötig sind.
Ein Zoomobjektiv kann deshalb mehrere Festbrennweiten im Fotorucksack funktional ersetzen – zumindest was die verfügbaren Brennweiten betrifft.

Zoomen ist nicht dasselbe wie den Standort verändern
Hier steckt ein wichtiger fotografischer Unterschied.
Mit dem Zoomring veränderst Du in erster Linie Brennweite und Bildwinkel. Deinen Kamerastandpunkt veränderst Du dagegen nicht.
Gehst Du stattdessen näher an Dein Motiv heran, verändert sich Dein Standort und damit die räumliche Beziehung zwischen Vordergrund, Motiv und Hintergrund. Für die Perspektive ist der Aufnahmestandpunkt entscheidend.
Deshalb ist der oft gehörte Satz, eine Festbrennweite zwinge einen dazu, „mit den Füßen zu zoomen“, zwar anschaulich, optisch aber etwas irreführend. Vor- oder Zurückgehen ist kein Ersatz für eine Brennweitenänderung. Beide Möglichkeiten können zu einem ähnlichen Bildausschnitt führen, aber nicht zwangsläufig zum gleichen Bild.
Gerade darin steckt viel gestalterisches Potenzial: Du kannst zuerst bewusst Deinen Standort und damit die Perspektive wählen und anschließend mit dem Zoom den gewünschten Bildausschnitt bestimmen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Stell Dir vor, Du fotografierst auf einer Reise in einer Altstadt und hast ein 24–105-mm-Zoom dabei.
In einer engen Gasse möchtest Du die Umgebung zeigen. Dafür stellst Du beispielsweise 24 mm ein. Wenige Minuten später entdeckst Du auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein interessantes Detail an einer Fassade. Du kannst nicht einfach näher herangehen, möchtest es aber deutlich größer im Bild zeigen.
Jetzt drehst Du in Richtung 105 mm.
Später fotografierst Du eine Person und entscheidest Dich vielleicht für eine mittlere Brennweite.
Du hast nicht dreimal das Objektiv gewechselt. Trotzdem konntest Du sehr unterschiedliche Bildausschnitte gestalten.
Das ist die eigentliche Stärke eines Zoomobjektivs: Flexibilität in Situationen, die sich verändern.
Zoomobjektiv und Festbrennweite – wo liegt der Unterschied?
Eine Festbrennweite besitzt nur eine Brennweite, ein Zoomobjektiv einen veränderlichen Brennweitenbereich.
Daraus ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte.
Zoomobjektive bieten viel Flexibilität und können die Zahl der notwendigen Objektivwechsel reduzieren. Festbrennweiten können dagegen einfacher und kompakter konstruiert sein und werden häufig mit besonders großen maximalen Blendenöffnungen angeboten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Festbrennweiten grundsätzlich besser abbilden oder Zoomobjektive grundsätzlich lichtschwach sind. Moderne hochwertige Zoomobjektive können eine sehr hohe Abbildungsleistung erreichen, und es gibt professionelle Zooms mit einer durchgängigen maximalen Blendenöffnung von beispielsweise F2,8.
Die sinnvollere Frage lautet deshalb nicht: Was ist besser?
Sondern: Was passt besser zu Deiner Art zu fotografieren?
Optischer Zoom und digitaler Zoom sind nicht dasselbe
Der Begriff „Zoom“ taucht auch bei Smartphones und Kompaktkameras auf. Dabei sollte man zwischen optischem und digitalem Zoom unterscheiden.
Beim optischen Zoom wird tatsächlich die Brennweite des Objektivs verändert. Das geschieht durch die Optik.
Beim digitalen Zoom wird dagegen im Prinzip ein kleinerer Ausschnitt des vorhandenen Bildes verwendet und vergrößert. Dadurch stehen nicht automatisch mehr optische Details zur Verfügung. Canon weist beispielsweise in seinen Kameradokumentationen darauf hin, dass mit zunehmendem Digitalzoom die Bildqualität gröber werden kann.
Bei Smartphones kann die Sache noch komplizierter werden, weil mehrere Kameramodule, unterschiedliche Festbrennweiten, Sensorausschnitte und rechnerische Bildverarbeitung miteinander kombiniert werden können. Eine Anzeige wie „5ד bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass dahinter ein klassisches optisches Zoomobjektiv arbeitet.
Vor- und Nachteile eines Zoomobjektivs
Vorteile
- mehrere Brennweiten in einem Objektiv
- schnelle Anpassung des Bildausschnitts
- weniger Objektivwechsel
- praktisch auf Reisen und bei wechselnden Motiven
- besonders hilfreich, wenn der eigene Standort eingeschränkt ist
Mögliche Nachteile
- konstruktiv aufwendiger als eine Festbrennweite
- je nach Modell größer und schwerer
- besonders lichtstarke Zoomobjektive können groß und schwer werden
- bei vielen Modellen verändert sich die maximale Blendenöffnung mit der Brennweite
Wie stark diese Punkte ins Gewicht fallen, hängt allerdings sehr vom konkreten Objektiv ab. Die Bezeichnung „Zoomobjektiv“ allein sagt noch wenig über Größe, Gewicht, Lichtstärke oder Abbildungsleistung aus.
Ein Zoomobjektiv vereint mehrere Brennweiten in einem Objektiv und ermöglicht Dir dadurch, den Bildwinkel schnell an unterschiedliche Motive und Situationen anzupassen.
Seine große Stärke ist Flexibilität. Das macht es besonders interessant für Reise-, Reportage-, Sport-, Natur- und Alltagsfotografie – eigentlich überall dort, wo Du nicht genau vorhersehen kannst, welche Brennweite Du im nächsten Moment benötigen wirst.
Dabei sollte der Zoomring nicht dazu verführen, einfach nur so lange zu drehen, bis das Motiv irgendwie ins Bild passt. Interessanter wird es, wenn Du zuerst über Standort und Perspektive nachdenkst und die Brennweite anschließend bewusst für Deinen Bildausschnitt einsetzt.
Dann ist das Zoomobjektiv nicht einfach nur bequem. Es wird zu einem echten Werkzeug für die Bildgestaltung.


