Sadie Pfeifer – ein Kind in der Baumwollspinnerei
Als Lewis Hine am 30. November 1908 die Lancaster Cotton Mills in South Carolina besuchte, fotografierte er dort ein Mädchen bei der Arbeit. Sie hieß Sadie Pfeifer.
Auf der Aufnahme steht Sadie zwischen den Spinnmaschinen. Hine hielt zu dem Foto fest, dass sie 48 Zoll groß war, etwa 122 Zentimeter, und bereits seit einem halben Jahr in der Baumwollspinnerei arbeitete. Ihr Alter nannte er in dieser Bildnotiz nicht.
Warum Hine dort fotografierte
Hine arbeitete für das National Child Labor Committee, das gegen Kinderarbeit in den Vereinigten Staaten vorging. Er fotografierte Kinder an ihren Arbeitsplätzen und ergänzte die Bilder um Angaben, die er vor Ort ermitteln konnte. Seine Aufnahmen sollten zeigen, unter welchen Bedingungen Kinder arbeiteten.
Auch Sadies Foto gehört zu dieser Arbeit. Die Maschinen machen den Ort der Aufnahme erkennbar. Hines Notiz liefert die Angaben, die das Bild allein nicht geben kann: Sadies Namen, den Ort, das Datum und die Dauer ihrer Beschäftigung.

Mehr als ein Bild mit dem Titel „Baumwollspinnerin“
Die Aufnahme wird häufig „Baumwollspinnerin“ oder Cotton Mill Girl genannt. Diese Bezeichnungen sind verständlich, doch Hines ursprüngliche Dokumentation ist genauer. Sie nennt Sadie Pfeifer und die Lancaster Cotton Mills. Damit lässt sich das Foto einem bestimmten Kind und einem bestimmten Arbeitstag zuordnen.
Was Sadie über ihre Arbeit dachte oder wie ihr Leben später verlief, erfahren wir aus dieser Aufnahme nicht. Ihre Bedeutung braucht solche Ergänzungen auch nicht. Das Foto und Hines Aufzeichnungen belegen, dass ein Kind 1908 in dieser Spinnerei arbeitete. Sadie war eines der Kinder, deren Arbeitsalltag Hine mit seiner Kamera dokumentierte.
Heute zählt die Aufnahme zu seinen bekannten Bildern über Kinderarbeit. Ich finde, man sollte sie zuerst mit ihrem Namen vorstellen: Sadie Pfeifer.


