Stille Beobachter in den Dünen – meine Fototour zur Gedenkstätte der Skagerrakschlacht
Die Gedenkstätte der Skagerrakschlacht westlich von Thyborøn kannte ich bereits von früheren Besuchen. Dieses Mal bin ich jedoch ganz bewusst mit der Kamera dorthin gefahren.
Ich hatte eine fotografische Idee im Kopf: Im Mittelpunkt sollten nicht die Gedenkstätte als Ganzes oder die großen Granitsteine stehen, sondern die Betonfiguren, die an die bei der Schlacht ums Leben gekommenen Matrosen erinnern.
Einzeln und in Gruppen, deutlich im Vordergrund oder nur unscharf dahinter. Mich interessierte, welche Beziehungen allein durch Perspektive, Bildausschnitt und den gezielten Einsatz von Schärfe und Unschärfe zwischen diesen Figuren entstehen können.
Ein stiller Ort für eine gewaltige Schlacht
Am 31. Mai und 1. Juni 1916 trafen vor der Küste Jütlands die britische Grand Fleet und die deutsche Hochseeflotte aufeinander. Die Skagerrakschlacht – international meist als Battle of Jutland bezeichnet – wurde zur größten Seeschlacht des Ersten Weltkriegs.
149 britische und 101 deutsche Schiffe waren beteiligt. 25 Schiffe wurden versenkt, 8.645 deutsche und britische Seeleute verloren ihr Leben.
Die britische Flotte erlitt größere Verluste, behielt jedoch ihre strategische Vorherrschaft auf See. Die deutsche Hochseeflotte konnte die britische Seeblockade nicht entscheidend brechen.
Heute erinnert die Gedenkstätte in den Dünen von Thyborøn vor allem an die Menschen, die in dieser Schlacht starben.
25 Steine und viele namenlose Gesichter
Der 2016 zum 100. Jahrestag der Schlacht eröffnete Gedenkpark wurde vom Künstler und Bildhauer Paul M. Cederdorff gestaltet.
25 Granitsteine stehen in den Dünen – einer für jedes während der Schlacht versenkte Kriegsschiff. Ihre Anordnung orientiert sich an der Lage der Wracks auf dem Meeresboden.
Um die Steine herum stehen etwa einen Meter hohe Betonfiguren. Sie erinnern an die ums Leben gekommenen Seeleute und besitzen keine individuellen Gesichter oder ausgearbeiteten Uniformdetails.
Gerade diese Reduktion macht für mich einen wesentlichen Teil ihrer Wirkung aus.

Mein Blick auf die Figuren
Für diese Fototour wollte ich die Gedenkstätte nicht dokumentarisch vollständig erfassen. Mein Thema waren von Anfang an die Figuren.
Dabei habe ich bewusst mit Fokus und Unschärfe gearbeitet. Eine Figur steht deutlich im Vordergrund, während andere nur schemenhaft dahinter auftauchen. An anderer Stelle stehen mehrere Figuren gemeinsam im Bild.
Besonders interessant fand ich, wie schnell dabei etwas entsteht, das eigentlich gar nicht vorhanden ist: ein Blick.
Einzelne Figuren scheinen direkt in die Kamera zu schauen. Andere stehen unscharf im Hintergrund und wirken auf mich beinahe so, als würden sie beobachten.
Natürlich besitzen diese Figuren weder Augen noch einen Gesichtsausdruck. Die Wirkung entsteht allein durch ihre Haltung, meinen Standpunkt und die fotografische Gestaltung.
Genau dieser Spielraum hat mich interessiert.

Warum Schwarzweiß?
Die Aufnahmen sind ursprünglich natürlich in Farbe entstanden. Für die Galerie habe ich mich jedoch bewusst für eine Umsetzung in Schwarzweiß entschieden.
Die Farbversionen haben für mich nicht das transportiert, was ich mit dieser Serie verbinden wollte. Dünen, Himmel, Vegetation und die Farben der Umgebung rückten den Ort stärker in den Vordergrund. Meine Bilder sollten sich aber auf die Figuren und das konzentrieren, wofür sie stehen: Krieg, Zerstörung und den Tod von Menschen.
Schwarzweiß reduziert.
Formen, Strukturen, Licht und Schatten treten stärker hervor, während Farbe als zusätzliche Information verschwindet. Für mich bekommen dadurch vor allem die Figuren mehr Gewicht.
Das ist keine allgemeine Aussage darüber, dass ernste Themen in Schwarzweiß fotografiert werden sollten. Für diese Serie war es schlicht die Bildsprache, die meiner Wahrnehmung und meiner fotografischen Absicht am nächsten kam.
Die Galerie
Die folgenden Bilder sind keine vollständige Dokumentation der Gedenkstätte. Sie zeigen meinen persönlichen fotografischen Blick auf die Figuren und ihre Beziehungen zueinander.
Bewusst ohne feste Reihenfolge und ohne weitere Erklärung.
Denn was eine Figur zu sagen scheint, wer wen beobachtet oder ob Du überhaupt dasselbe darin siehst wie ich, möchte ich nicht vorgeben.
Was bleibt
Diese Fototour hat mir wieder gezeigt, dass ein bereits bekannter Ort fotografisch noch einmal ganz anders wirken kann, wenn man mit einer konkreten Idee dorthin zurückkehrt.
Diesmal waren es für mich die stillen Betonfiguren in den Dünen.
Was Du in ihnen siehst, überlasse ich Dir.


