Fotografie-Blog

Filmtipp: „Die Fotografin“ – Kate Winslet als Kriegsreporterin Lee Miller

Es gibt Filme, die unterhalten. Und es gibt Filme, die lange nach dem Abspann noch beschäftigen. „Die Fotografin“ gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.

Eigentlich hatte ich den Film vor allem wegen seines fotografischen Themas auf dem Schirm. Schließlich erzählt er die Geschichte von Lee Miller, einer der bekanntesten Kriegsfotografinnen des Zweiten Weltkriegs. Doch schnell wurde mir klar: Dieser Film handelt nicht von Kameras oder berühmten Bildern. Er erzählt von einer Frau, die mit ihrer Kamera Geschichte dokumentierte – und dafür einen hohen persönlichen Preis zahlte.

Wenn Du Dich für Fotografie interessierst, solltest Du Dir diesen Film nicht entgehen lassen.

Kurz zum Film

  • Titel: Die Fotografin (Originaltitel: Lee)
  • Regie: Ellen Kuras
  • Hauptdarstellerin: Kate Winslet
  • Genre: Filmbiografie / Drama
  • Laufzeit: 116 Minuten
  • FSK: 12 Jahre

Der Film basiert auf dem Leben der amerikanischen Fotografin Lee Miller, konzentriert sich jedoch auf die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht ihre Arbeit als Kriegsreporterin und die Frage, wie Bilder Geschichte dokumentieren können.

Worum geht es?

Lee Miller arbeitet zunächst als Fotografin für die britische Vogue. Während viele Modefotografen weiterhin elegante Aufnahmen erstellen, zieht es sie dorthin, wo Geschichte geschrieben wird.

Sie setzt sich gegen zahlreiche Widerstände durch und begleitet schließlich gemeinsam mit dem LIFE-Fotografen David E. Scherman die alliierten Truppen durch Europa.

Sie dokumentiert die Befreiung Frankreichs, fotografiert die Folgen des Krieges und gehört zu den ersten Fotografen, die die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald betreten.

Dabei erzählt der Film nicht nur historische Ereignisse. Er zeigt auch die psychischen Belastungen eines Menschen, der gezwungen ist, das Unvorstellbare mit der Kamera festzuhalten.

Spoiler möchte ich an dieser Stelle bewusst vermeiden. Gerade deshalb funktioniert der Film so gut – er lässt dem Zuschauer Raum, die Geschichte selbst zu entdecken.

Wer war Lee Miller?

Lee Miller wurde 1907 in New York geboren und begann ihre Karriere zunächst als erfolgreiches Model.

Später zog sie nach Paris, arbeitete mit dem Surrealisten Man Ray zusammen und entwickelte sich zu einer eigenständigen Fotografin. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich ihr Leben grundlegend. Aus der Modefotografin wurde eine Kriegsreporterin, deren Bilder heute zu den bedeutendsten fotografischen Dokumenten dieser Zeit zählen.

Der Film zeigt dabei nur einen Ausschnitt ihres außergewöhnlichen Lebens. Wer sich anschließend näher mit Lee Miller beschäftigt, entdeckt eine Persönlichkeit, deren fotografisches Werk weit über ihre Kriegsberichterstattung hinausreicht.

Mehr entdecken im Lee Miller Archives
Wenn Dich die Geschichte und die Fotografien von Lee Miller neugierig gemacht haben, lohnt sich ein Besuch der offiziellen Lee Miller Archives. Das privat geführte Archiv bewahrt ihren fotografischen Nachlass mit über 60.000 Bildern und Dokumenten, darunter Kriegsreportagen, Modefotografie, surrealistische Arbeiten sowie persönliche Manuskripte und Kameras. Über die Online-Bilddatenbank lassen sich zahlreiche Werke entdecken und Informationen zu Ausstellungen, Büchern und der Nutzung von Fotografien finden.

Das berühmteste Bild des Films – und die Geschichte dahinter

Vielleicht hattest Du den Namen Lee Miller bisher noch nie gehört. Eines der berühmtesten Fotos des 20. Jahrhunderts kennst Du aber möglicherweise trotzdem.

Es zeigt Lee Miller in der Badewanne von Adolf Hitlers Münchner Wohnung. Fotografiert wurde sie nicht von ihr selbst, sondern von ihrem Kollegen David E. Scherman vom LIFE Magazine.

Die Aufnahme entstand am 30. April 1945 – ausgerechnet an dem Tag, an dem Hitler in Berlin Suizid beging. Wenige Stunden zuvor hatten Lee Miller und David E. Scherman das gerade befreite Konzentrationslager Dachau besucht. Ihre schmutzigen Armeestiefel stellte Lee Miller bewusst vor die Badewanne. Ein kleines Detail mit großer Aussagekraft: Die Spuren der nationalsozialistischen Verbrechen treffen auf einen Ort, der einst für Macht und Luxus stand.

Das Foto gilt heute als eine der ikonischsten Aufnahmen des Zweiten Weltkriegs. Der Film greift diesen Moment auf und macht deutlich, wie eng Fotografie und Zeitgeschichte miteinander verbunden sein können.

Manchmal entsteht das berühmteste Bild eines Fotografen übrigens nicht dadurch, dass er selbst auf den Auslöser drückt – sondern indem er vor der Kamera steht.

Warum der Film für Fotografen interessant ist

Mich hat der Film vor allem deshalb beeindruckt, weil er Fotografie nicht als Technikthema behandelt. Es geht nicht um Kameramodelle. Nicht um Objektive. Nicht um die perfekte Belichtung. Es geht um die Verantwortung, die Fotografen tragen können. Fotografien dokumentieren nicht nur Ereignisse. Sie bewahren Erinnerungen. Sie können Beweise sein. Sie können aufrütteln. Und manchmal sorgen sie dafür, dass Geschichte nicht vergessen wird.

Gerade in einer Zeit, in der täglich Milliarden Bilder entstehen und künstliche Intelligenz täuschend echte Motive erzeugen kann, erinnert „Die Fotografin“ daran, warum authentische Fotografie bis heute eine so große Bedeutung besitzt.

Mein persönlicher Eindruck

Ich schreibe diesen Beitrag bewusst nicht als Filmkritiker. Mich interessiert vielmehr die Frage, was ein Film über Fotografie erzählen kann. Kate Winslet spielt Lee Miller beeindruckend glaubwürdig. Sie zeigt keine unnahbare Heldin, sondern einen Menschen, der mit jedem Einsatz ein Stück mehr von dem verliert, was vorher selbstverständlich war. Auch Regisseurin Ellen Kuras verzichtet auf spektakuläre Effekte und übertriebene Dramatik. Stattdessen lässt sie die Bilder wirken. Genau das macht den Film für mich so sehenswert.

„Die Fotografin“ ist keine klassische Kriegsverfilmung und auch keine typische Künstlerbiografie. Für mich ist es ein Film über den Wert der Fotografie. Über Bilder, die Geschichte dokumentieren. Über Mut. Über Verantwortung. Und über eine außergewöhnliche Frau, deren Arbeit bis heute nachwirkt.

Wenn Du Dich für Fotografie interessierst oder einfach einen bewegenden Film sehen möchtest, kann ich Dir „Die Fotografin“ uneingeschränkt empfehlen.

Den Film ansehen

Der Film wurde im Rahmen des ARD SommerKinos ausgestrahlt und ist derzeit noch in der ARD Mediathek verfügbar. Die Verfügbarkeit ist zeitlich begrenzt – es lohnt sich also, nicht zu lange zu warten.

ARD Mediathek: https://www.ardmediathek.de/

Offizielle Filmseite: https://www.diefotografin-film.de/

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