Belichtungsreihe
Mehrere Aufnahmen für schwierige Lichtsituationen
Eine Belichtungsreihe besteht aus mehreren Aufnahmen desselben Motivs mit unterschiedlichen Belichtungen. Sie ist hilfreich, wenn Du Dir bei der richtigen Belichtung unsicher bist oder der Kontrast des Motivs für eine einzelne Aufnahme zu groß ist.
Was ist eine Belichtungsreihe?
Bei einer klassischen Belichtungsreihe nimmt die Kamera beispielsweise drei Bilder auf:
- eine Aufnahme mit der normalen Belichtung,
- eine dunklere Aufnahme,
- eine hellere Aufnahme.
Eine typische Reihe kann −1 EV, 0 EV und +1 EV umfassen. Die Kamera verändert dafür je nach Modell und Aufnahmemodus die Belichtungszeit, die Blende oder die ISO-Einstellung. Die automatische Funktion wird häufig als AEB – Auto Exposure Bracketing bezeichnet.
Belichtungsreihen wurden bereits in der analogen Fotografie genutzt, um bei wichtigen oder schwierigen Motiven die Wahrscheinlichkeit einer passenden Belichtung zu erhöhen. Heute können die Aufnahmen zusätzlich zu einem Bild mit erweitertem Dynamikumfang zusammengefügt werden.
Wann ist eine Belichtungsreihe sinnvoll?
Besonders nützlich ist sie bei Motiven mit sehr hohem Kontrast. Stell Dir einen Innenraum mit einem hellen Fenster vor: Belichtest Du auf den Außenbereich, wird der Innenraum möglicherweise zu dunkel. Belichtest Du auf den Innenraum, können die hellen Bereiche ausfressen.
Eine dunklere Aufnahme bewahrt dann mehr Zeichnung in den Lichtern, während eine hellere Aufnahme zusätzliche Informationen in den Schatten liefert. Die Bilder können anschließend in geeigneter Software zu einem HDR-Bild kombiniert werden.
Die Belichtungsreihe ist dabei zunächst nur die Aufnahmetechnik. HDR bezeichnet die mögliche anschließende Verarbeitung. Nicht jede Belichtungsreihe muss also zu einem HDR-Bild führen.
Brauche ich mit RAW-Dateien noch Belichtungsreihen?
Nicht immer. Moderne RAW-Dateien bieten oft genügend Reserven, um kontrastreiche Motive aus einer einzigen Aufnahme zu entwickeln. Das ist meist einfacher und vermeidet Probleme durch Bewegungen zwischen mehreren Bildern.
Sind helle Bereiche jedoch vollständig ausgebrannt oder wichtige Schatten zu dunkel aufgezeichnet, lassen sich diese Informationen später nicht zurückholen. In solchen Fällen erweitert eine Belichtungsreihe Deine Möglichkeiten.
Beispiel aus der Praxis
Du fotografierst kurz vor Sonnenuntergang einen See. Der Himmel ist noch hell, während Ufer und Landschaft bereits im Schatten liegen. Eine einzelne Aufnahme kann möglicherweise nicht beide Bereiche zufriedenstellend erfassen.
Du stellst deshalb eine Reihe mit drei Aufnahmen ein:
−2 EV | 0 EV | +2 EV
Die dunkle Aufnahme schützt die hellen Bereiche des Himmels, die mittlere dient als Ausgangspunkt und die helle Aufnahme liefert zusätzliche Informationen in den Schatten. Später kannst Du entscheiden, ob Du eine einzelne Aufnahme verwendest oder mehrere Bilder kombinierst.

Worauf solltest Du achten?
Ein Stativ ist bei Landschaften, Architektur und Innenräumen hilfreich, weil die Aufnahmen dadurch denselben Bildausschnitt behalten. Zwingend erforderlich ist es bei kurzen Belichtungszeiten jedoch nicht immer.
Bewegte Motive können beim Zusammenfügen Probleme verursachen. Menschen, Blätter, Wellen oder Wolken können zu sogenannten Geisterbildern beziehungsweise Ghosting-Artefakten führen. Je weniger sich zwischen den Aufnahmen verändert, desto einfacher gelingt die Kombination.
Die Belichtungsabstände sollten sich am Motivkontrast orientieren. Häufig werden Reihen mit 1 EV oder 2 EV Abstand verwendet. Eine feste Vorgabe gibt es jedoch nicht. Entscheidend ist, dass die Reihe genügend Informationen in den wichtigen Lichtern und Schatten enthält.
Belichtungsreihe und Belichtungskorrektur
Mit der Belichtungskorrektur machst Du eine einzelne Aufnahme gezielt heller oder dunkler. Bei einer Belichtungsreihe entstehen dagegen mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen.
Beide Funktionen können bei manchen Kameras kombiniert werden. Die Belichtungskorrektur legt dann den Ausgangspunkt fest, um den herum die Reihe aufgenommen wird.
Belichtungsreihe und Focus Bracketing
Beim Exposure Bracketing verändert sich die Belichtung. Beim Focus Bracketing verändert die Kamera dagegen die Fokusebene zwischen mehreren Aufnahmen. Diese Bilder können anschließend beim Focus Stacking zu einer Aufnahme mit größerem Schärfebereich kombiniert werden.
Das Prinzip ist ähnlich, der Zweck jedoch unterschiedlich.
Vorteile und Nachteile
Eine Belichtungsreihe bietet zusätzliche Sicherheit und Flexibilität. Du kannst später die passendste Aufnahme auswählen oder mehrere Bilder zu einem Bild mit erweitertem Dynamikumfang kombinieren.
Nachteile sind der höhere Speicherbedarf und der zusätzliche Aufwand bei Auswahl und Bearbeitung. Bewegungen im Motiv können die Zusammenführung erschweren. Außerdem ist eine Belichtungsreihe nicht nötig, wenn eine einzelne RAW-Datei bereits genügend Informationen enthält.
Bei einer Belichtungsreihe fotografierst Du dasselbe Motiv mehrfach mit unterschiedlichen Belichtungen. Sie ist besonders bei unsicherer Belichtung oder sehr hohem Motivkontrast hilfreich.
Moderne RAW-Dateien machen die Technik zwar in vielen Situationen überflüssig. Wenn die Reserven einer einzelnen Aufnahme jedoch nicht ausreichen, kann eine Belichtungsreihe wichtige zusätzliche Bildinformationen liefern.


