Typische Fehler beim Fotografieren – und wie du sie rechtzeitig bemerkst
Du hebst die Kamera ans Auge, siehst ein interessantes Motiv und drückst auf den Auslöser. Doch irgendetwas stimmt nicht. Die Kamera fokussiert nicht so, wie du es erwartest. Die Belichtungszeit ist plötzlich erstaunlich lang. Oder nach dem Druck auf den Auslöser passiert erst einmal – nichts.
Ist die Kamera kaputt?
Wahrscheinlich nicht.
Oft tut sie einfach genau das, was du ihr irgendwann einmal gesagt hast. Das Problem ist nur: Das war gestern.
Solche Fehler passieren nicht nur Anfängern. Je besser du deine Kamera kennst und je häufiger du spezielle Funktionen benutzt, desto größer wird sogar die Zahl der Einstellungen, die du anschließend wieder vergessen kannst. Belichtungsreihen, manueller Fokus, Selbstauslöser, Belichtungskorrektur, ISO-Einstellungen oder ein ND-Filter vor dem Objektiv sind ausgesprochen nützlich – solange du daran denkst, dass sie noch aktiv sind.
Mir geht es deshalb gar nicht darum, jeden Fehler beim Fotografieren zu vermeiden. Das wäre vermutlich nicht nur unmöglich, sondern auch ziemlich langweilig. Viel wichtiger ist, typische Fehler schnell zu erkennen und zu verstehen, warum die Kamera gerade etwas anderes macht, als du erwartest.
Der unangenehmste Fehler ist der, den du nicht bemerkst
Ein falsch eingestellter Weißabgleich lässt sich bei einer RAW-Datei meist noch recht bequem korrigieren. Eine etwas ungünstige Belichtung bietet ebenfalls häufig Reserven.
Schwieriger wird es, wenn du erst zu Hause feststellst, dass die entscheidende Aufnahme verwackelt oder der Fokus deutlich danebenliegt.
Genau hier besitzt die Digitalfotografie einen gewaltigen Vorteil: Wir können unsere Aufnahmen sofort kontrollieren.
Manchmal wird das etwas spöttisch als ständiges „Chimping“ bezeichnet. Ich sehe das entspannter. Natürlich muss ich nicht nach jedem Foto minutenlang auf das Display starren. Aber wenn mir eine Aufnahme wichtig ist oder die Aufnahmesituation technisch schwierig war, kontrolliere ich lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.
Dabei geht es nicht darum, das Foto auf dem kleinen Display abschließend zu beurteilen. Interessanter sind konkrete Fragen: Sitzt die Schärfe dort, wo sie sitzen soll? Gibt es ausgefressene Lichter? Ist die Belichtung plausibel? Habe ich überhaupt die Einstellungen verwendet, die ich verwenden wollte?
Eine kurze Kontrolle vor Ort kann eine ganze Serie retten.
Unscharf ist nicht gleich unscharf
Wenn ein Bild nicht scharf geworden ist, lautet die erste Frage oft: „Warum hat der Autofokus nicht funktioniert?“
Dabei muss der Autofokus überhaupt nicht schuld sein.
Ein unscharfes Bild kann mehrere völlig unterschiedliche Ursachen haben. Der Fokus kann tatsächlich an der falschen Stelle liegen. Die Belichtungszeit kann zu lang gewesen sein und die Kamera wurde während der Aufnahme bewegt. Vielleicht hat sich das Motiv bewegt. Oder die Schärfentiefe war schlicht zu gering.
Diese Ursachen sehen ähnlich aus, verlangen aber unterschiedliche Lösungen.
Wenn beispielsweise bei einem Porträt die Ohren scharf sind, die Augen aber nicht, liegt das Problem wahrscheinlich beim Fokus. Ist dagegen das gesamte Bild leicht verwischt, solltest du auch an Verwacklung denken. Bei einem laufenden Tier kann die Kamera vollkommen ruhig gehalten worden sein und trotzdem entsteht Bewegungsunschärfe, wenn die Belichtungszeit für die Bewegung des Tieres zu lang war.
Genau deshalb hilft es wenig, sich lediglich eine Regel wie „Nimm eine kürzere Belichtungszeit“ zu merken. Interessanter ist die Frage, welche Bewegung eigentlich eingefroren werden muss – deine eigene oder die des Motivs.
Und was ist mit der Kehrwertregel?
Als grobe Orientierung kennst du vielleicht die Empfehlung, beim Fotografieren aus der Hand ungefähr den Kehrwert der Brennweite als längste Belichtungszeit zu verwenden. Bei 50 mm wäre das beispielsweise etwa 1/50 Sekunde.
Als Ausgangspunkt ist dieser Gedanke weiterhin brauchbar. Als feste Grenze taugt er jedoch nicht.
Bildstabilisierung, Sensorauflösung, Aufnahmetechnik, Ausgabegröße und nicht zuletzt deine persönliche Fähigkeit, eine Kamera ruhig zu halten, beeinflussen das Ergebnis. Und sobald sich das Motiv bewegt, hilft dir die Kehrwertregel ohnehin nur begrenzt.
Die bessere Frage lautet daher nicht: „Welche Belichtungszeit ist laut Regel erlaubt?“, sondern: „Welche Belichtungszeit brauche ich für dieses Bild?“
Wenn der Fokus dort sitzt, wo du ihn gestern gebraucht hast
Eine andere Variante kenne ich nur zu gut: Für eine Landschaftsaufnahme fokussiere ich sehr sorgfältig manuell. Vielleicht nutze ich dafür die Sucher- oder Displayvergrößerung und kontrolliere den Fokus ganz genau.
Prima.
Danach kommt ein anderes Motiv. Kamera hoch, auslösen – und irgendwann fällt auf: Der Autofokus ist immer noch ausgeschaltet.
Ähnliche Überraschungen gibt es mit AF-Feldern und AF-Modi. Moderne Kameras bieten teilweise sehr leistungsfähige Motiv-, Augen- und Tiererkennung. Das bedeutet aber nicht, dass die Kamera immer wissen kann, was du zum Hauptmotiv erklärt hast.
Wenn die Schärfe an der falschen Stelle sitzt, lohnt deshalb zuerst ein Blick auf die aktiven Fokus-Einstellungen, bevor du an einen Defekt der Kamera denkst.
Auch die Blende gehört dazu. Bei weit geöffneter Blende kann die Schärfentiefe so gering werden, dass bereits kleine Entfernungsunterschiede sichtbar sind. Das ist kein Fehler des Objektivs, sondern eine Folge der gewählten Aufnahmeparameter – und kann gestalterisch genau richtig oder vollkommen unerwünscht sein.
Kann Software ein unscharfes Foto retten?
Diese Frage lässt sich heute etwas anders beantworten als noch vor einigen Jahren.
Moderne Programme können erstaunlich gut nachschärfen, Verwacklungen teilweise reduzieren und mithilfe von KI Strukturen rekonstruieren. Ein Bild, das früher sofort im Papierkorb gelandet wäre, kann dadurch unter Umständen noch brauchbar werden.
Trotzdem sollte man daraus keine Wunderheilung ableiten.
Wenn entscheidende Bildinformationen durch deutliche Fehlfokussierung oder starke Bewegungsunschärfe gar nicht aufgezeichnet wurden, kann eine Software sie nicht einfach aus der Aufnahme zurückholen. Sie kann Strukturen rekonstruieren oder plausibel ergänzen – aber das ist etwas anderes als tatsächlich vorhandene Details wiederherzustellen.
Die beste Schärfung bleibt deshalb weiterhin die, die du gar nicht brauchst.
Kamera auf dem Stativ – Bildstabilisator aus?
Hier begegnet uns eine dieser fotografischen Regeln, die früher ziemlich einfach klangen:
Kamera auf dem Stativ? Bildstabilisator ausschalten.
Ganz so pauschal würde ich das heute nicht mehr formulieren.
Je nach Kamera, Objektiv und Stabilisierungssystem gelten unterschiedliche Empfehlungen. Manche Systeme erkennen eine weitgehend ruhig stehende Kamera, andere Hersteller empfehlen für bestimmte Kombinationen weiterhin, die Stabilisierung auf dem Stativ auszuschalten.
Deshalb gibt es hier keine universelle Schalterstellung für jede Kamera.
Wenn du regelmäßig vom Stativ fotografierst, lohnt sich ein Blick in die Anleitung deiner Kamera beziehungsweise des Objektivs. Das klingt weniger elegant als eine einfache Fotografenregel, ist aber zuverlässiger.
Wenn die Belichtung plötzlich macht, was sie will
Du fotografierst eine Szene, die eigentlich gar nicht besonders schwierig aussieht, und trotzdem sind die Ergebnisse ständig zu hell oder zu dunkel.
Bevor du an der Kamera zweifelst, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Einstellungen.
Ein Klassiker ist die Belichtungskorrektur. Für eine vorherige Aufnahme waren vielleicht +1,3 EV genau richtig. Eine Stunde später hast du längst vergessen, dass die Korrektur noch aktiv ist.
Auch eine spezielle Belichtungsmessung kann eine Rolle spielen. Spotmessung ist beispielsweise ausgesprochen nützlich, wenn du ganz gezielt einen kleinen Bildbereich messen möchtest. Wenn sie aber noch von einer früheren Aufnahme eingestellt ist und du gedanklich mit einer Mehrfeld- oder Matrixmessung arbeitest, können überraschende Ergebnisse entstehen.
Das Interessante daran: Die Kamera macht nichts falsch. Sie folgt nur einer Anweisung, an die du dich nicht mehr erinnerst.
Warum braucht die Kamera plötzlich so lange?
Auch dieses Erlebnis kann irritieren: Du machst eine Langzeitbelichtung, das Foto ist beendet – aber die Kamera scheint anschließend noch einmal ungefähr genauso lange beschäftigt zu sein.
Möglicherweise ist die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung aktiviert.
Dabei erstellt die Kamera zusätzlich eine Dunkelaufnahme, einen sogenannten Dark Frame. Aus dieser kann sie bestimmte Störungen erkennen und bei der Verarbeitung berücksichtigen. Bei einer Belichtung von beispielsweise zwei Minuten kann dadurch noch einmal ungefähr dieselbe Wartezeit entstehen.
Das ist kein Fehler. Es wird nur dann zum Problem, wenn du nicht damit gerechnet hast.
Ob du diese Funktion verwendest, hängt von deiner Aufnahmesituation und Arbeitsweise ab. Entscheidend ist wieder einmal, zu wissen, was die Kamera gerade tut und warum.
Zwei Sekunden warten – und dann kommen fünf Bilder
Auch Selbstauslöser und Belichtungsreihen gehören zu den Funktionen, die im richtigen Moment wunderbar und fünf Minuten später ausgesprochen verwirrend sein können.
Vielleicht hast du für eine Aufnahme vom Stativ einen Zwei-Sekunden-Selbstauslöser mit einer Belichtungsreihe kombiniert. Später möchtest du spontan ein einzelnes Foto machen, drückst auf den Auslöser – und die Kamera beginnt gemütlich herunterzuzählen, bevor sie mehrere Aufnahmen produziert.
Spätestens dann erinnerst du dich wieder.
Das Problem ist nicht die Funktion. Das Problem ist die vergessene Funktion.
Und damit kommen wir zu einem Prinzip, das viele dieser kleinen Fotografenfehler verhindert.
Die Einstellung von gestern fotografiert heute mit
Für spezielle Aufnahmen verstelle ich meine Kamera ganz bewusst. Das gehört dazu. Problematisch wird es erst, wenn diese speziellen Einstellungen anschließend unbemerkt zum Ausgangspunkt für die nächste Situation werden.
Deshalb finde ich es sinnvoll, eine persönliche Grundeinstellung zu haben.
Das ist keine allgemeingültige Konfiguration, die für jeden Fotografen gleich aussehen muss. Es ist vielmehr ein Zustand, in dem deine Kamera für typische Situationen schnell einsatzbereit ist.
Bei dem einen könnte das Zeitautomatik beziehungsweise A/Av, Auto-ISO, automatischer Weißabgleich und ein universeller AF-Modus sein. Ein anderer arbeitet lieber mit manueller Belichtung und Auto-ISO. Beides kann sinnvoll sein.
Wichtig ist nicht, welche Grundeinstellung du wählst.
Wichtig ist, dass du deine kennst.
Wenn du nach einer speziellen Aufnahmesituation wieder dorthin zurückkehrst, sinkt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass dich beim nächsten Motiv noch die Einstellungen des Vortages begrüßen.
Viele Kameras bieten außerdem benutzerdefinierte Speicherplätze. Dort lassen sich komplette Konfigurationen für bestimmte Situationen hinterlegen. Das kann sehr praktisch sein – beispielsweise für Action, Stativaufnahmen oder Belichtungsreihen.
RAW fotografieren wollen und JPEG bekommen
Auch das gehört zu den Fehlern, die du auf dem Kameradisplay kaum bemerkst.
Vielleicht hast du für einen bestimmten Zweck bewusst JPEG eingestellt. Tage später fotografierst du eine wichtige Serie und stellst am Rechner fest: Es gibt keine RAW-Dateien.
JPEG ist deshalb natürlich nicht plötzlich ein schlechtes Dateiformat. Aber wenn du mit der größeren Flexibilität einer RAW-Datei bei Weißabgleich, Tonwerten und Entwicklung gerechnet hast, fehlt dir etwas.
Deshalb gehört auch das Dateiformat zu den Einstellungen, die ich vor einer wichtigen Fototour kontrollieren würde.
Nicht, weil RAW grundsätzlich „richtiger“ wäre – sondern weil das gespeicherte Format zu deiner geplanten Weiterverarbeitung passen sollte.
Der ND-Filter, der einfach bleiben wollte
Einen meiner eigenen Fehler muss ich hier behalten, denn er zeigt wunderbar, wie lange man nach einem technischen Problem suchen kann, obwohl die Ursache direkt vor der Nase sitzt.
Ich hatte tagsüber mit einem ND-Filter fotografiert. Später wurde das Licht schwächer. Meine Belichtungszeiten wurden länger und länger, also erhöhte ich den ISO-Wert.
Irgendetwas kam mir merkwürdig vor. Aber statt die Ursache zu suchen, fotografierte ich weiter.
Erst als ich die Kamera schließlich wegpackte, sah ich es:
Der ND-Filter war immer noch auf dem Objektiv.
Ich hatte die ganze Zeit freiwillig auf Licht verzichtet und anschließend mit anderen Einstellungen versucht, genau dieses Problem wieder auszugleichen.
Solche Fehler sind ärgerlich. Gleichzeitig sind es oft die, die man sich besonders gut merkt.
Seitdem gehört der Blick auf das Objektiv für mich zur Fehlersuche dazu.
Speicherkarten: lieber vorbereitet als unterwegs löschen
Eine volle Speicherkarte gehört zu den Problemen, die sich besonders einfach vermeiden lassen.
Nach einer Fototour sichere ich die Aufnahmen und bereite die Karte anschließend wieder für den nächsten Einsatz vor. Wenn eine Karte neu geleert werden soll, ist das Formatieren in der Kamera eine sinnvolle Vorgehensweise. Wichtig ist natürlich, vorher sicherzustellen, dass alle Aufnahmen tatsächlich gesichert sind.
Unterwegs einzelne Bilder zu löschen, nur um wieder etwas Platz zu gewinnen, ist dagegen keine besonders angenehme Arbeitsweise. Abgesehen von Fragen der Kartenverwaltung besteht dabei immer die Gefahr, in Eile genau das falsche Bild zu erwischen.
Noch einfacher ist deshalb: genügend freien Speicher mitnehmen.
Eine Ersatzkarte wiegt fast nichts. Eine verpasste Fotoserie dagegen erstaunlich schwer.
Zehn Sekunden, die eine Fototour retten können
Vor einer wichtigen Aufnahme braucht es keine lange Checkliste. Ich finde eine kurze Kontrolle hilfreicher.
Ein Blick auf die Kamera beantwortet bereits die wichtigsten Fragen:
- Akku ausreichend geladen?
- Speicherkarte eingesetzt und genügend Platz vorhanden?
- RAW, JPEG oder RAW+JPEG wie gewünscht?
- ISO beziehungsweise Auto-ISO plausibel?
- Belichtungszeit und Blende passend zur Situation?
- Belichtungskorrektur aktiv?
- Richtiger AF-Modus und sinnvolles AF-Feld?
- Einzelbild, Serie, Selbstauslöser oder Belichtungsreihe?
- Filter vor dem Objektiv?
- Bei Stativaufnahmen: Stabilisierung passend zur verwendeten Kamera-/Objektivkombination?
Das klingt nach viel. Wenn du deine Kamera kennst, dauert die Kontrolle kaum länger als ein paar Sekunden.
Vor allem geht es nicht darum, jedes Mal sämtliche Menüs durchzugehen. Du entwickelst mit der Zeit einen Blick für die Einstellungen, die du häufig veränderst – und deshalb auch am häufigsten vergisst.
Kenne deine Kamera, nicht nur ihre technischen Daten
Eine kleine Übung aus der ursprünglichen Fassung dieses Artikels gefällt mir nach wie vor.
Wenn du einen Fotofreund hast, gib ihm deine Kamera und drehe dich um. Er verändert eine Einstellung – AF-Modus, Belichtungskorrektur, Selbstauslöser, ISO, Messmethode oder etwas Ähnliches.
Danach bekommst du die Kamera zurück und versuchst herauszufinden, was nicht stimmt.
Das klingt zunächst wie ein Spiel. Tatsächlich lernst du dabei etwas sehr Praktisches: Du erkennst Zusammenhänge zwischen dem Verhalten der Kamera und ihren Einstellungen.
Und genau das ist viel wertvoller, als sämtliche Menüpunkte auswendig zu kennen.
Wenn die Kamera plötzlich etwas Unerwartetes macht, solltest du nicht denken: „Welche von 83 Einstellungen könnte falsch sein?“
Mit etwas Erfahrung denkst du eher: „Die Kamera wartet vor dem Auslösen – also schaue ich zuerst bei Selbstauslöser und Aufnahmeart nach.“
Du lernst nicht das Menü auswendig. Du lernst die Sprache deiner Kamera.
Bevor du losgehst
Manche Fehler entstehen nicht beim Fotografieren, sondern schon zu Hause.
Ein leerer Akku lässt sich mit fotografischem Können ebenso wenig kompensieren wie eine vergessene Speicherkarte. Deshalb lohnt sich vor einer längeren Tour ein kurzer Blick auf die Ausrüstung.
Akkus laden, Speicherkarten kontrollieren, Objektive und gegebenenfalls Filter einpacken. Wenn ein Stativ mitkommt, gehört auch die passende Schnellwechselplatte dazu – ein erstaunlich kleines Teil mit bemerkenswertem Potenzial, einen Ausflug zu ruinieren.
Bei Bedarf kommen Regenschutz, Reinigungstuch und ein Blick auf den Sensor hinzu. Und je nach Tour sind Wasser, Sonnenschutz oder Handschuhe mindestens genauso wichtig wie das dritte Objektiv.
Denn Fotografie findet nicht im Kameramenü statt. Sie findet draußen statt – und dort hilft es, wenn Fotograf und Ausrüstung gleichermaßen einsatzbereit sind.

Fehler vermeiden – aber bitte nicht alle
Nach all diesen Tipps könnte der Eindruck entstehen, gute Fotografie bestehe darin, möglichst keine Fehler zu machen.
Das wäre die falsche Schlussfolgerung.
Ich würde zwischen zwei Arten von Fehlern unterscheiden.
Da sind zunächst die vermeidbaren Bedienfehler: falsches Dateiformat, vergessene Belichtungskorrektur, leerer Akku, falscher AF-Modus oder der ND-Filter, der noch immer auf dem Objektiv sitzt. Aus ihnen können wir lernen und Routinen entwickeln.
Und dann gibt es die fotografischen Fehler, die entstehen, weil wir etwas ausprobieren.
Eine ungewöhnlich lange Belichtungszeit. Eine offene Blende, obwohl man „eigentlich“ abblenden müsste. Absichtliche Bewegungsunschärfe. Ein Motiv gegen das Licht. Eine Belichtung, die technisch nicht neutral, für das Bild aber genau richtig ist.
Diese Fehler würde ich nicht verhindern wollen.
Denn wer immer nur Einstellungen verwendet, von denen er bereits weiß, dass sie funktionieren, bekommt wahrscheinlich technisch zuverlässige Bilder. Aber er entdeckt möglicherweise auch weniger Neues.
Nicht fehlerfrei, sondern aufmerksam fotografieren
Es wird vermutlich keine Fototour geben, bei der immer alles perfekt läuft. Irgendeine Einstellung bleibt irgendwann stehen, ein Akku ist leerer als gedacht oder der Autofokus entscheidet sich im entscheidenden Moment für etwas, das du überhaupt nicht interessant fandest.
Das gehört zur Fotografie.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie schnell du bemerkst, dass etwas nicht stimmt – und ob du verstehst, wo du nach der Ursache suchen musst.
Deshalb ist meine wichtigste Routine heute keine bestimmte Kameraeinstellung.
Es ist der kurze Moment vor und während des Fotografierens, in dem ich mich frage:
Macht die Kamera gerade wirklich das, was ich für dieses Bild brauche?
Wenn die Antwort Ja lautet, kannst du das Menü wieder vergessen.
Und dich um das kümmern, weshalb du die Kamera überhaupt mitgenommen hast: das Bild.
Überarbeiteter Beitrag, Erstveröffentlichung 21.12.2019


