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Louis-Désiré Blanquart-Évrard, Fotograf, Chemiker und Erfinder des Albuminpapiers

Louis-Désiré Blanquart-Évrard zählt zu den bedeutendsten Pionieren der frühen Fotografie. Der französische Chemiker, Fotograf und Verleger revolutionierte Mitte des 19. Jahrhunderts die Herstellung fotografischer Papierabzüge und legte damit den Grundstein für die industrielle Verbreitung von Fotografien. Besonders bekannt wurde er durch die Entwicklung des Albuminpapier-Verfahrens, das über Jahrzehnte das wichtigste Fotopapier der Welt war.

Leben

Louis-Désiré Blanquart-Évrard wurde am 2. August 1802 in Lille, Frankreich, geboren. Ursprünglich arbeitete er als Tuchhändler und beschäftigte sich intensiv mit Chemie. Nachdem Louis Daguerre 1839 die Daguerreotypie vorgestellt hatte, wandte sich Blanquart-Évrard der noch jungen Fotografie zu.

Er studierte das von William Henry Fox Talbot entwickelte Kalotypie-Verfahren und erkannte schnell dessen Schwächen. Durch seine chemischen Kenntnisse gelang es ihm, den Herstellungsprozess der Papiernegative erheblich zu verbessern und gleichmäßigere, empfindlichere Materialien zu entwickeln. Seine Forschungsergebnisse stellte er bereits 1847 der französischen Akademie der Wissenschaften vor.

Die Erfindung des Albuminpapiers

Seinen größten Beitrag zur Fotografie leistete Blanquart-Évrard im Jahr 1850 mit der Entwicklung des Albuminpapiers.

Bei diesem Verfahren wurde Papier mit einer Mischung aus Eiweiß (Albumin) und Kochsalz beschichtet. Anschließend wurde es mit Silbernitrat lichtempfindlich gemacht. Das Ergebnis waren Fotografien mit:

  • außergewöhnlich hoher Detailzeichnung
  • feinen Tonwerten
  • glatter, leicht glänzender Oberfläche
  • deutlich besserer Haltbarkeit als frühere Papierverfahren

Albuminpapier setzte sich innerhalb weniger Jahre weltweit durch und blieb bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts das wichtigste fotografische Positivpapier. Millionen historischer Fotografien wurden auf diesem Material hergestellt.

Die erste fotografische Druckerei

1851 gründete Blanquart-Évrard gemeinsam mit Hippolyte Fockedey in Lille die Imprimerie Photographique, die als erste industrielle fotografische Druckerei gilt.

Hier arbeiteten rund 40 Mitarbeiter an der Herstellung fotografischer Abzüge. Die Werkstatt produzierte täglich mehrere hundert hochwertige Papierabzüge und veröffentlichte zahlreiche Bildbände mit Fotografien anderer bekannter Fotografen wie:

  • Maxime Du Camp
  • Auguste Salzmann
  • Louis De Clercq
  • John Beasley Greene

Die Druckerei gilt heute als Vorläufer moderner Fotobuch- und Bildverlage. Obwohl das Unternehmen bereits 1855 aufgrund hoher Produktionskosten schließen musste, zeigte es erstmals, dass Fotografien industriell vervielfältigt und verbreitet werden konnten.

Bedeutung für die Fotografie

Blanquart-Évrard war nicht nur ein technischer Erfinder, sondern auch einer der ersten, der die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Fotografie erkannte.

Seine Innovationen machten:

  • hochwertigere Papiernegative möglich,
  • fotografische Abzüge reproduzierbar,
  • Fotobücher wirtschaftlich herstellbar,
  • Fotografien einer größeren Öffentlichkeit zugänglich.

Damit trug er wesentlich dazu bei, dass sich die Fotografie von einem experimentellen Verfahren zu einem verbreiteten Medium entwickelte.

Vermächtnis

Louis-Désiré Blanquart-Évrard starb am 28. April 1872 in Lille.

Seine Entwicklungen beeinflussten die Fotografie über mehrere Jahrzehnte. Besonders das Albuminpapier dominierte nahezu die gesamte zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist bis heute in Archiven und Museen weltweit erhalten. Seine Arbeiten markieren den Übergang von der experimentellen Frühzeit der Fotografie hin zu einer industriellen Bildproduktion.