Aufhellblitz
Vorhandenes Licht gezielt ergänzen
Ein Blitz bei strahlendem Sonnenschein? Das klingt zunächst ein wenig widersprüchlich. Schließlich ist doch bereits mehr als genug Licht vorhanden. Genau darin liegt aber der Sinn des Aufhellblitzes: Er soll fehlendes Licht nicht ersetzen, sondern das vorhandene Licht gezielt ergänzen.
Besonders bei Porträts, Gegenlicht oder hartem Sonnenlicht kann ein dezent eingesetzter Blitz Schatten aufhellen und große Helligkeitsunterschiede abmildern. Richtig dosiert, bemerkst Du im fertigen Foto idealerweise weniger den Blitz als vielmehr eine ausgewogenere Lichtwirkung.
Definition: Was ist ein Aufhellblitz?
Als Aufhellblitz bezeichnet man den Einsatz eines Blitzgeräts, bei dem das vorhandene Umgebungslicht weiterhin die wesentliche Grundlage der Aufnahme bildet. Der Blitz liefert lediglich zusätzliches Licht, um beispielsweise dunkle Schatten aufzuhellen oder starke Helligkeitsunterschiede zwischen Motiv und Umgebung zu verringern.
Im Englischen wird dafür häufig der Begriff Fill Flash verwendet.
Der entscheidende Punkt ist die Rollenverteilung: Das vorhandene Licht bestimmt weiterhin wesentlich die Stimmung des Bildes. Der Blitz übernimmt lediglich eine unterstützende Aufgabe.
Wie funktioniert ein Aufhellblitz?
Um das Prinzip zu verstehen, hilft es, die Beleuchtung gedanklich in zwei Bestandteile zu zerlegen.
Da ist zunächst das Umgebungslicht. Das kann Sonnenlicht sein, ein bedeckter Himmel oder vorhandenes künstliches Licht. Es bestimmt unter anderem, wie hell der Hintergrund erscheint, aus welcher Richtung das natürliche Licht kommt und welche grundsätzliche Lichtstimmung das Bild besitzt.
Hinzu kommt das Blitzlicht. Es wirkt vor allem auf Motivteile innerhalb seiner Reichweite. Beim Aufhellblitzen wird seine Leistung so dosiert, dass es lediglich zusätzliches Licht in dunklere Bereiche bringt.
Das Ziel ist eine Balance zwischen beiden Lichtquellen.
Genau deshalb muss ein Aufhellblitz im fertigen Bild nicht unbedingt als Blitzlicht erkennbar sein. Ist seine Leistung passend gewählt, bleiben Richtung und Charakter des vorhandenen Lichts weitgehend erhalten. Lediglich die Schatten werden etwas heller.
Moderne Blitzsysteme können die dafür benötigte Blitzleistung automatisch ermitteln. Du kannst die Stärke des Blitzlichts aber auch manuell einstellen oder über die Blitzbelichtungskorrektur beeinflussen.
Warum ist der Aufhellblitz fotografisch interessant?
Eine typische Situation entsteht bei Gegenlicht.
Stell Dir ein Porträt vor, bei dem die tief stehende Sonne hinter der fotografierten Person steht. Der Hintergrund leuchtet wunderbar, vielleicht entsteht sogar ein schöner Lichtsaum um Haare und Schultern. Das Gesicht liegt dagegen deutlich im Schatten.
Natürlich könntest Du einfach heller belichten. Dann wird das Gesicht besser erkennbar – gleichzeitig wird jedoch auch der ohnehin helle Hintergrund heller. Im ungünstigen Fall verlieren dort helle Bereiche Zeichnung.
Der Aufhellblitz bietet einen anderen Weg.
Du kannst die Belichtung zunächst so wählen, dass der Hintergrund die gewünschte Helligkeit besitzt. Anschließend gibst Du dem Gesicht mit dem Blitz zusätzliches Licht.
Das Verhältnis zwischen Vordergrund und Hintergrund lässt sich dadurch gezielter beeinflussen.
Ähnliches gilt bei direkter Sonne. Augenhöhlen, Bereiche unter der Nase oder der Schatten eines Hutes können sehr dunkel werden. Ein Aufhellblitz kann diese Schatten abmildern.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, sämtliche Schatten zu beseitigen. Schatten geben einem Gesicht Form und einem Bild räumliche Tiefe. Der Blitz soll sie häufig lediglich so weit anheben, dass sie nicht mehr störend dominant wirken.
Ein praktisches Beispiel
Du fotografierst am späten Nachmittag eine Person im Freien. Die Sonne steht schräg hinter ihr. Diese Position ist angenehm, weil Dein Modell nicht direkt in die Sonne schauen muss und Du gleichzeitig ein schönes Gegenlicht bekommst.
Du richtest Deine Belichtung zunächst nach der gewünschten Wirkung des vorhandenen Lichts aus. Der Hintergrund gefällt Dir, das Gesicht ist allerdings etwas zu dunkel.
Jetzt kommt der Aufhellblitz ins Spiel.
Der Blitz muss die Person nicht vollständig beleuchten. Er soll lediglich genügend zusätzliches Licht liefern, um die Schatten im Gesicht etwas anzuheben.
Bei einem automatischen TTL-Blitzsystem kannst Du zunächst die automatische Blitzbelichtung ausprobieren. Ist der Blitz anschließend zu deutlich sichtbar, kannst Du seine Wirkung über die Blitzbelichtungskorrektur reduzieren.
Häufig wirkt ein zurückhaltender Blitz natürlicher als eine kräftige Aufhellung. Einen universellen Korrekturwert gibt es allerdings nicht. Motivabstand, vorhandenes Licht, gewünschte Bildwirkung und Blitzgerät spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Frage, wie stark Du die Schatten überhaupt aufhellen möchtest.
Entscheidend ist deshalb weniger ein bestimmter Zahlenwert als das Ergebnis im Bild.

Umgebungslicht und Blitzlicht getrennt denken
Beim Einstieg in die Blitzfotografie entsteht leicht die Vorstellung, der Blitz sei einfach eine weitere Möglichkeit, ein Foto heller zu machen. Für das Verständnis des Aufhellblitzes ist eine andere Denkweise hilfreicher.
Frage Dich zunächst:
Wie soll meine Aufnahme mit dem vorhandenen Licht aussehen?
Und anschließend:
Was soll der Blitz daran verändern?
Damit bekommt jede Lichtquelle eine eigene Aufgabe.
Das Umgebungslicht bestimmt beispielsweise wesentlich die Helligkeit und Stimmung des Hintergrunds. Das Blitzlicht kann dagegen gezielt Dein Hauptmotiv aufhellen.
Diese Trennung ist natürlich eine Vereinfachung. In der realen Aufnahme wirken Belichtungszeit, Blende, ISO, Blitzleistung und Abstand zusammen. Als fotografisches Denkmodell ist sie trotzdem ausgesprochen nützlich.
Denn plötzlich lautet die Frage nicht mehr: „Wie stark muss ich blitzen?“
Sondern: „Wie viel zusätzliches Licht braucht mein Motiv?“
Das ist ein kleiner Unterschied in der Formulierung, aber ein ziemlich großer beim Fotografieren.
Aufhellblitz und Verschlusszeit
Bei hellem Tageslicht stößt Du beim Aufhellblitzen schnell auf eine technische Besonderheit: die Blitzsynchronzeit.
Bei vielen Kameras mit mechanischem Schlitzverschluss gibt es eine kürzeste Verschlusszeit, bei der die Aufnahmefläche während des normalen Blitzvorgangs vollständig freigegeben ist. Bei noch kürzeren Verschlusszeiten wandert nur noch ein schmaler Schlitz über den Sensor. Ein einzelner kurzer Blitzimpuls könnte dann nicht mehr das komplette Bild gleichmäßig belichten.
Die kürzeste regulär nutzbare Synchronzeit hängt von der jeweiligen Kamera ab.
Gerade beim Aufhellblitzen in hellem Sonnenlicht kann das relevant werden.
Möchtest Du beispielsweise ein Porträt mit weit geöffneter Blende fotografieren, benötigst Du möglicherweise eine sehr kurze Verschlusszeit. Diese kann bereits oberhalb der normalen Blitzsynchronzeit liegen.
Eine mögliche Lösung ist die High-Speed-Synchronisation, kurz HSS. Dabei gibt das Blitzgerät nicht nur einen einzelnen kurzen Lichtimpuls ab, sondern sorgt während der Bewegung des Verschlusses für eine entsprechend länger andauernde beziehungsweise schnell gepulste Lichtabgabe. Dadurch sind auch Verschlusszeiten möglich, die kürzer als die normale Blitzsynchronzeit sind.
Das erweitert die gestalterischen Möglichkeiten erheblich, hat aber einen Nachteil: Die effektiv verfügbare Blitzleistung und damit die Reichweite sinken.
HSS ist deshalb ausgesprochen praktisch, aber keine kostenlose Extraportion Blitzleistung.
Aufhellblitz ist nicht gleich Hauptlicht
Blitzlicht und vorhandenes Licht lassen sich in sehr unterschiedlichen Verhältnissen miteinander kombinieren.
Beim klassischen Aufhellblitz bleibt das vorhandene Licht prägend. Der Blitz ergänzt es.
Wird der Blitz dagegen so stark eingesetzt, dass er das Motiv hauptsächlich beleuchtet und das vorhandene Licht nur noch eine Nebenrolle spielt, übernimmt der Blitz zunehmend die Funktion des Hauptlichts.
Eine messerscharfe Grenze zwischen beiden Situationen gibt es fotografisch nicht. Und eigentlich braucht es sie auch nicht.
Viel hilfreicher ist die Frage:
Welche Aufgabe soll der Blitz in meinem Bild übernehmen?
Manchmal soll er lediglich einen Schatten etwas öffnen. Manchmal soll er das Motiv deutlich vom Hintergrund abheben. Und manchmal ist er tatsächlich die wichtigste Lichtquelle der Aufnahme.
Der Aufhellblitz ist nur eine dieser Möglichkeiten.
Vorteile und Nachteile des Aufhellblitzes
Ein Aufhellblitz kann starke Kontraste reduzieren, Gesichter bei Gegenlicht aufhellen und Details in dunklen Motivbereichen besser sichtbar machen. Gleichzeitig lässt sich die vorhandene Lichtstimmung weitgehend erhalten. Besonders bei Porträts im Freien kann das sehr hilfreich sein.
Auch ein kleiner Blitz kann dabei bereits erstaunlich viel bewirken, solange das Motiv nicht zu weit entfernt ist.
Genau dort liegt allerdings eine der Grenzen. Blitzlicht verliert mit zunehmender Entfernung schnell an Wirkung. Bei großen Distanzen oder sehr hellem Umgebungslicht kann die verfügbare Blitzleistung deshalb nicht mehr ausreichen.
Auch High-Speed-Synchronisation löst dieses Problem nicht vollständig, weil dabei die effektiv nutzbare Blitzleistung sinkt.
Hinzu kommt die gestalterische Seite. Ein frontal eingesetzter und zu kräftig eingestellter Blitz kann schnell unnatürlich wirken. Schatten verschwinden, das Gesicht wirkt flacher oder der Vordergrund hebt sich sichtbar vom vorhandenen Licht ab.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Aufhellblitzen grundsätzlich möglichst schwach sein muss. Auch ein deutlich sichtbarer Blitzeinsatz kann gestalterisch gewollt sein.
Der Begriff beschreibt zunächst eine Funktion des zusätzlichen Lichts – keinen vorgeschriebenen Look.
Aufhellblitz oder Reflektor?
Nicht jede Aufhellung benötigt einen Blitz.
Bei Porträts kann beispielsweise auch ein Reflektor vorhandenes Licht zurück auf die Schattenseite des Motivs werfen. Das Ergebnis kann sehr natürlich wirken, weil dabei keine zusätzliche Lichtquelle entsteht, sondern vorhandenes Licht umgelenkt wird.
Ein Reflektor benötigt allerdings geeignetes Licht und häufig jemanden, der ihn hält oder passend positioniert. Ein Blitz ist unabhängiger von der Richtung des vorhandenen Lichts und seine Leistung lässt sich gezielt steuern.
Welche Lösung besser geeignet ist, hängt deshalb von der Situation ab.
Der fotografische Gedanke dahinter bleibt derselbe: Du versuchst nicht zwangsläufig, Schatten zu beseitigen. Du bestimmst vielmehr, wie dunkel sie im Verhältnis zu den hellen Bereichen sein sollen.
Der Aufhellblitz zeigt sehr schön, dass Blitzfotografie nicht zwangsläufig bedeutet, eine dunkle Umgebung hell zu machen. Manchmal besteht die sinnvollste Aufgabe eines Blitzes lediglich darin, dem vorhandenen Licht ein wenig unter die Arme zu greifen.
Wenn Du Umgebungslicht und Blitzlicht als zwei Bestandteile Deiner Aufnahme betrachtest, wird die Technik schnell nachvollziehbarer. Du entscheidest zunächst, wie Deine Umgebung wirken soll – und anschließend, wie viel zusätzliches Licht Dein Motiv benötigt.
Der beste Aufhellblitz ist deshalb häufig derjenige, bei dem der Betrachter gar nicht darüber nachdenkt, ob überhaupt geblitzt wurde.


