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Daguerreotypie

Die Daguerreotypie war das erste praxistaugliche und kommerziell erfolgreiche fotografische Verfahren der Geschichte. Es wurde von Louis-Jacques-Mandé Daguerre entwickelt und am 19. August 1839 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Daguerreotypie markiert den Beginn der modernen Fotografie und gilt bis heute als einer der bedeutendsten Meilensteine der Bildgeschichte. Im Gegensatz zu späteren Verfahren erzeugte sie kein Negativ, sondern ein einzigartiges, nicht reproduzierbares Direktpositiv auf einer versilberten Kupferplatte.

Geschichte

Die Ursprünge der Daguerreotypie reichen auf die Zusammenarbeit zwischen Louis Daguerre und Nicéphore Niépce zurück. Während Niépce bereits erste lichtbeständige Bilder herstellen konnte, gelang es Daguerre nach dessen Tod, das Verfahren entscheidend weiterzuentwickeln.

Am 19. August 1839 stellte der französische Physiker François Arago das Verfahren vor der Académie des Sciences in Paris vor. Die französische Regierung erwarb die Rechte und erklärte die Erfindung zum „Geschenk an die Welt“, wodurch sich die Fotografie innerhalb weniger Monate international verbreitete. Nur in England war das Verfahren zunächst patentgeschützt.

Zwischen etwa 1840 und 1855 war die Daguerreotypie das dominierende fotografische Verfahren in Europa und Nordamerika. Besonders Porträtstudios entstanden in großer Zahl, da erstmals detailreiche Abbilder von Menschen vergleichsweise erschwinglich angefertigt werden konnten. Erst Verfahren wie die Ambrotypie, das Kollodium-Nassplattenverfahren und später Albuminpapier verdrängten die Daguerreotypie nach und nach.

Funktionsweise

Die Daguerreotypie basiert auf einer hochglanzpolierten Kupferplatte, die mit einer dünnen Silberschicht überzogen ist.

Der Ablauf lässt sich vereinfacht in mehreren Schritten beschreiben:

  • Polieren der versilberten Kupferplatte bis zur Spiegeloberfläche
  • Sensibilisierung durch Joddämpfe, wodurch lichtempfindliches Silberiodid entsteht
  • Belichtung in der Kamera
  • Entwicklung des latenten Bildes mit erhitzten Quecksilberdämpfen
  • Fixierung zunächst mit Kochsalzlösung, später meist mit Natriumthiosulfat
  • Häufig anschließende Goldtonung zur Verbesserung von Kontrast und Haltbarkeit

Das Ergebnis war ein äußerst detailreiches Bild mit außergewöhnlicher Schärfe. Je nach Betrachtungswinkel erschien das Bild positiv oder spiegelnd, weshalb Daguerreotypien meist hinter Glas geschützt und in dekorativen Etuis aufbewahrt wurden.

Eigenschaften

Die Daguerreotypie besitzt einige Merkmale, die sie deutlich von späteren fotografischen Verfahren unterscheiden.

Vorteile

  • außergewöhnlich hohe Detailauflösung
  • feine Tonwertabstufungen
  • langlebige Metalloberfläche
  • keine sichtbare Filmkörnung
  • faszinierender dreidimensional wirkender Bildeindruck

Nachteile

  • jedes Bild ist ein Unikat
  • keine Vervielfältigung möglich
  • lange Belichtungszeiten
  • empfindliche Oberfläche
  • aufwendige Herstellung
  • Verwendung gesundheitsschädlicher Chemikalien wie Quecksilber

Bedeutung für die Fotografie

Die Daguerreotypie veränderte die Welt nachhaltig. Erstmals konnten Menschen, Landschaften und Architektur dauerhaft und mit bislang unerreichter Genauigkeit festgehalten werden. Besonders in der Porträtfotografie löste sie gemalte Miniaturen zunehmend ab.

Obwohl spätere Verfahren einfacher, günstiger und reproduzierbar waren, legte die Daguerreotypie den Grundstein für nahezu alle weiteren Entwicklungen der Fotografie. Viele technische und chemische Erkenntnisse aus dieser Zeit flossen direkt in spätere Negativ-Positiv-Verfahren ein.

Daguerreotypien heute

Originale Daguerreotypien gehören heute zu den wertvollsten historischen Fotografien überhaupt. Museen, Archive und Sammler bewahren sie unter kontrollierten Bedingungen auf, da selbst kleinste Kratzer oder chemische Veränderungen das Bild dauerhaft beschädigen können.

Daneben gibt es weltweit eine kleine Zahl von Fotografen, die das Verfahren aus künstlerischem Interesse wiederbelebt haben. Mit großem handwerklichem Aufwand entstehen noch heute Daguerreotypien, die aufgrund ihrer einzigartigen Bildwirkung geschätzt werden.

Interessante Fakten

  • Die Daguerreotypie gilt als erstes weltweit erfolgreiches fotografisches Verfahren.
  • Das Verfahren wurde 1839 veröffentlicht und verbreitete sich innerhalb weniger Monate über Europa und Nordamerika.
  • Jede Daguerreotypie ist ein einzigartiges Original.
  • Die Bilder erscheinen je nach Lichteinfall unterschiedlich hell oder dunkel.
  • Viele frühe Daguerreotypien wurden in kunstvoll verzierten Klappetuis aufbewahrt.
  • Einige der ältesten erhaltenen Fotografien der Welt sind Daguerreotypien.

Die Daguerreotypie war weit mehr als nur das erste erfolgreiche fotografische Verfahren. Sie leitete den Übergang von der gezeichneten zur fotografischen Bilddokumentation ein und machte die Fotografie erstmals einem breiten Publikum zugänglich. Trotz ihrer aufwendigen Herstellung und der fehlenden Reproduzierbarkeit fasziniert sie bis heute durch ihre außergewöhnliche Detailtreue und ihre einzigartige Bildästhetik. Als Meilenstein der Fotogeschichte bildet sie den Ausgangspunkt nahezu aller späteren fotografischen Entwicklungen.