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Autochromverfahren

Das Autochromverfahren war das erste praxistaugliche und kommerziell erfolgreiche Verfahren, mit dem sich farbige Fotografien in nur einer Aufnahme herstellen ließen. Es wurde von den französischen Brüdern Auguste und Louis Lumière entwickelt und 1907 auf den Markt gebracht. Die Bilder entstanden als transparente Farbpositive auf Glas und mussten im Durchlicht oder mithilfe eines Projektors betrachtet werden.

Die Anfänge der Farbfotografie

Bereits im 19. Jahrhundert gab es verschiedene Versuche, die Farben eines Motivs fotografisch festzuhalten. Viele frühe Verfahren waren jedoch kompliziert und erforderten mehrere getrennte Aufnahmen durch unterschiedliche Farbfilter. Bewegte Motive ließen sich damit kaum wiedergeben.

Die Brüder Lumière suchten deshalb nach einer Möglichkeit, alle benötigten Farbinformationen mit einer einzigen Belichtung aufzuzeichnen. Ihr 1904 patentiertes und ab 1907 angebotenes Autochromverfahren machte die Farbfotografie erstmals für einen größeren Kreis von Fotografen zugänglich. Die beschichteten Glasplatten konnten mit gewöhnlichen Plattenkameras verwendet werden, sofern sie richtig in die Kassette eingelegt wurden.

Wie das Autochromverfahren funktioniert

Das Verfahren beruht auf der additiven Farbmischung. Auf einer Glasplatte befand sich eine sehr feine Schicht aus mikroskopisch kleinen Kartoffelstärkekörnchen. Diese waren orange-rot, grün und blau-violett eingefärbt und zufällig über die Oberfläche verteilt. Die Zwischenräume wurden mit Rußpartikeln abgedunkelt, damit möglichst kein ungefiltertes Licht hindurchgelangen konnte.

Über diesem Farbraster lag eine lichtempfindliche Schwarzweiß-Silbergelatine-Emulsion. Bei der Aufnahme wurde die Platte so in die Kamera eingesetzt, dass das einfallende Licht zunächst durch die Glasplatte und die gefärbten Stärkekörnchen fiel. Jedes Korn wirkte dabei wie ein winziger Farbfilter.

Nach der Belichtung wurde die Platte in einem Umkehrverfahren entwickelt. Es entstand kein Negativ, sondern ein direktes transparentes Positiv. Bei der späteren Betrachtung fiel Licht erneut durch das farbige Stärkeraster und die entwickelte Silberschicht. Aus den vielen einzelnen Farbpunkten setzte sich für das Auge ein vollständiges Farbbild zusammen.

Fotografieren mit Autochromplatten

Autochromplatten waren deutlich weniger lichtempfindlich als die damaligen Schwarzweißplatten. Das Farbraster schluckte einen erheblichen Teil des einfallenden Lichts. Zusätzlich wurde bei der Aufnahme gewöhnlich ein gelblicher Korrekturfilter eingesetzt. Dadurch konnten selbst bei Tageslicht Belichtungszeiten von mehreren Sekunden erforderlich sein.

Die Kamera musste deshalb meist auf einem Stativ stehen. Ruhige Landschaften, Stillleben, Gärten und sorgfältig arrangierte Porträts eigneten sich besonders gut für das Verfahren. Bewegte Szenen waren dagegen nur eingeschränkt möglich. Bei Porträtaufnahmen mussten die dargestellten Personen während der Belichtung möglichst stillhalten.

Da jedes Autochrom ein direktes Positiv war, entstand ein fotografisches Unikat. Eine einfache Vervielfältigung wie bei einem Negativ-Positiv-Verfahren war nicht möglich.

Die besondere Bildwirkung

Autochrome besitzen eine charakteristische, häufig als weich und malerisch empfundene Farbwirkung. Das unregelmäßige Raster aus Stärkekörnchen bleibt bei genauer Betrachtung als feine farbige Struktur erkennbar. Es erinnert entfernt an die Körnung eines Gemäldes oder an moderne Rasterbilder, ohne jedoch aus regelmäßig angeordneten Bildpunkten zu bestehen.

Die Farbwiedergabe ist meist zurückhaltend und leicht gedämpft. Besonders Grün-, Blau- und Rottöne können eine hohe Leuchtkraft entwickeln, wenn das Bild im Durchlicht betrachtet wird. Diese Wirkung erklärt, weshalb digitale Reproduktionen den Eindruck eines originalen Autochroms nur eingeschränkt vermitteln können.

Bedeutung für die Fotografiegeschichte

Das Autochromverfahren veränderte den Blick auf die Fotografie. Zum ersten Mal konnten Fotografen Landschaften, Kleidung, Innenräume und Alltagsszenen vergleichsweise einfach in ihren natürlichen Farben festhalten. Bekannte Fotografen wie Alfred Stieglitz und Edward Steichen beschäftigten sich zeitweise mit dem Verfahren. Zugleich entstanden umfangreiche dokumentarische Sammlungen, die heute wertvolle farbige Einblicke in das frühe 20. Jahrhundert ermöglichen.

In den 1930er-Jahren wurde das Autochromverfahren zunehmend von moderneren Farbfilmen verdrängt. Diese waren lichtempfindlicher, leichter zu handhaben und verwendeten flexible Filmträger anstelle schwerer Glasplatten. Die Herstellung der klassischen Autochromplatten endete Mitte der 1930er-Jahre.

Erhaltung historischer Autochrome

Erhaltene Autochrome sind empfindliche fotografische Objekte. Ihre Farbstoffe können durch Licht ausbleichen, während Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen die verschiedenen Schichten beschädigen können. Auch der gläserne Bildträger ist bruchgefährdet. Museen und Archive bewahren Autochrome deshalb möglichst dunkel und unter kontrollierten klimatischen Bedingungen auf.

Heute gilt das Autochromverfahren als wichtiger Meilenstein der Farbfotografie. Es verband eine technisch ungewöhnliche Konstruktion mit einer unverwechselbaren Bildästhetik und machte Farbe erstmals zu einem praktisch nutzbaren Bestandteil der fotografischen Aufnahme.

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