1 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T V W Z

Bulb

Langzeitbelichtung ohne festgelegte Belichtungszeit

Manchmal reichen die üblichen Verschlusszeiten einer Kamera nicht aus. Vielleicht möchtest Du die Bewegung von Wolken über mehrere Minuten sichtbar machen, Lichtspuren aufnehmen oder bei Nacht so lange belichten, bis genügend Licht auf dem Sensor angekommen ist.

Genau dafür gibt es Bulb. Die Funktion gibt Dir die Kontrolle darüber, wann eine Belichtung endet – statt Dich auf eine vorher eingestellte Verschlusszeit festzulegen.

Was bedeutet Bulb und wie funktioniert es?

Bulb ist eine Einstellung für Langzeitbelichtungen, bei der Du Beginn und Ende der Belichtung selbst bestimmst. In der klassischen Funktionsweise bleibt der Verschluss geöffnet, solange Du den Auslöser betätigst.

Damit unterscheidet sich Bulb von einer normalen Verschlusszeit. Stellst Du beispielsweise 10 Sekunden ein, beendet die Kamera die Aufnahme automatisch nach genau dieser Zeit. Bei Bulb legst Du dagegen selbst fest, wann die Belichtung endet.

Das ist vor allem dann praktisch, wenn Du länger belichten möchtest, als es die regulär einstellbaren Verschlusszeiten Deiner Kamera erlauben. Für längere Aufnahmen empfiehlt sich ein Fernauslöser oder eine entsprechende Kamera-App, damit die Kamera während der Aufnahme nicht berührt werden muss.

Warum ist Bulb für die Fotografie interessant?

Bulb wird vor allem dann interessant, wenn eine Aufnahme länger belichtet werden soll, als es die regulär einstellbaren Verschlusszeiten Deiner Kamera erlauben.

Dabei geht es nicht ausschließlich darum, bei wenig Licht überhaupt noch fotografieren zu können. Lange Belichtungszeiten sind auch ein gestalterisches Werkzeug.

Bewegtes Wasser kann glatt und weich erscheinen. Vorbeiziehende Wolken hinterlassen sichtbare Bewegungsstrukturen. Fahrende Autos werden nachts zu Lichtspuren. Bei entsprechend langen Belichtungen können Sterne aufgrund der Erdrotation als Spuren am Himmel erscheinen. Auch Feuerwerk und Lightpainting sind typische Einsatzgebiete.

Die Kamera zeichnet dabei nicht nur einen einzelnen Augenblick auf. Sie sammelt Licht und Bewegung über einen längeren Zeitraum und verdichtet diesen Zeitraum zu einem einzigen Bild.

Genau darin liegt die gestalterische Besonderheit der Langzeitbelichtung.

Ein praktisches Beispiel

Stell Dir vor, Du stehst am Abend an einem See. Über dem Wasser ziehen Wolken, und Du möchtest ihre Bewegung im Bild sichtbar machen.

Mit einer Belichtungszeit von einer Sekunde verändert sich vielleicht schon die Wasseroberfläche, die Wolken wirken aber noch weitgehend statisch. Du möchtest deshalb zwei Minuten belichten.

Du befestigst die Kamera auf einem stabilen Stativ und bestimmst zunächst Blende und ISO. Ist es für eine derart lange Belichtung noch zu hell, kann ein ND-Filter die einfallende Lichtmenge reduzieren.

Anschließend startest Du die Aufnahme im Bulb-Modus und beendest sie nach zwei Minuten.

Das Ergebnis zeigt nicht einfach nur den See zwei Minuten später. Es enthält die Bewegung dieser zwei Minuten in einem einzigen Foto.

Bulb ist deshalb weniger eine besondere Art der Belichtung als vielmehr eine Möglichkeit, die Zeit selbst zum Gestaltungsmittel zu machen.

Bulb und Time – nicht ganz dasselbe

Bei manchen Kameras begegnet Dir neben Bulb auch die Einstellung Time. Beide Funktionen ermöglichen lange Belichtungen, unterscheiden sich aber in der Bedienung.

Bei Bulb wird die Belichtungsdauer unmittelbar über den Auslöser beziehungsweise einen Fernauslöser gesteuert. Beim Time-Modus startet ein Druck die Belichtung und ein weiterer beendet sie.

Für sehr lange Aufnahmen kann Time deshalb komfortabler sein. Welche Varianten Deine Kamera anbietet, hängt vom jeweiligen Modell ab.

Gibt es bei Bulb eine maximale Belichtungszeit?

Bulb bedeutet nicht automatisch, dass eine Kamera unbegrenzt lange belichten kann.

Die tatsächlich mögliche Dauer kann vom Kameramodell, der Stromversorgung oder technischen Begrenzungen abhängen. Einige moderne Kameras bieten außerdem direkt einstellbare Langzeitbelichtungen, die deutlich über die früher häufig anzutreffende Grenze von 30 Sekunden hinausgehen.

Deshalb lohnt sich bei sehr langen Belichtungen ein Blick in die Bedienungsanleitung Deiner Kamera.

Auch das Bild selbst setzt praktische Grenzen. Bei sehr langen Belichtungen können beispielsweise Bildrauschen und andere Sensoreffekte stärker sichtbar werden. Hinzu kommt der Energieverbrauch während einer langen Aufnahme.

Woher kommt der merkwürdige Name „Bulb“?

Der Begriff wirkt zunächst seltsam, denn mit einer Glühlampe hat eine moderne Digitalkamera bei der Langzeitbelichtung offensichtlich wenig zu tun.

Der Name stammt aus der Geschichte der Fotografie. Frühe pneumatische Fernauslöser arbeiteten mit einem kleinen Gummiball – auf Englisch bulb. Durch Zusammendrücken wurde über einen Luftschlauch der Verschluss betätigt. Die Bezeichnung Bulb beziehungsweise B blieb erhalten, obwohl moderne Kameras längst anders gesteuert werden.

Die Funktion ist also deutlich älter als die Digitalfotografie.

Bulb gibt Dir die Möglichkeit, die Dauer einer Langzeitbelichtung selbst zu bestimmen, anstatt eine feste Verschlusszeit vorzugeben.

Das ist besonders bei Nachtaufnahmen, Lichtspuren, Feuerwerk, Lightpainting oder Landschaftsaufnahmen mit bewusst dargestellter Bewegung interessant.

Entscheidend ist dabei weniger die Bezeichnung im Kameramenü als der fotografische Gedanke dahinter: Mit Bulb entscheidest Du selbst, wie viel Zeit in einem einzelnen Foto sichtbar werden soll.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Mit dem Absenden deines Kommentars werden die von dir angegebenen Daten zur Bearbeitung und Veröffentlichung des Kommentars verarbeitet. Weitere Informationen findest du in meiner Datenschutzinformation.

Zeige mir, dass du ein Mensch bist: