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Weiches Licht

Weiches Licht gehört zu den Begriffen, die in der Fotografie ständig auftauchen. Porträtfotografen schwärmen davon, bei bedecktem Himmel entsteht es scheinbar ganz von selbst und im Studio werden große Softboxen eingesetzt, um es gezielt zu erzeugen.

Aber was macht Licht eigentlich „weich“?

Mit seiner Helligkeit hat das zunächst erstaunlich wenig zu tun. Auch sehr helles Licht kann weich sein. Entscheidend ist vielmehr, wie das Licht auf das Motiv trifft und wie die Übergänge zwischen Licht und Schatten aussehen.

Definition: Was ist weiches Licht?

Als weiches Licht bezeichnet man in der Fotografie Licht, das Schatten mit vergleichsweise sanften Übergängen erzeugt. Die Grenze zwischen beleuchteten und beschatteten Bereichen ist also nicht scharf gezeichnet, sondern erstreckt sich über einen mehr oder weniger breiten Übergangsbereich.

Besonders gut lässt sich das an einem Porträt erkennen. Bei hartem Licht kann beispielsweise die Nase einen klar begrenzten Schatten auf die Wange werfen. Bei weichem Licht läuft dieser Schatten dagegen allmählich aus.

Dabei bedeutet weich nicht automatisch schattenlos. Auch weiches Licht kann deutlich aus einer Richtung kommen und ein Gesicht modellieren. Seine Schatten besitzen lediglich weichere Kanten.

Warum wird Licht weich?

Der entscheidende Faktor ist die scheinbare Größe der Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv.

Je größer eine Lichtquelle aus Sicht des Motivs erscheint, desto weicher werden in der Regel die Schatten. Eine kleine beziehungsweise scheinbar kleine Lichtquelle erzeugt dagegen härtere Schatten.

Warum?

Bei einer sehr kleinen Lichtquelle erreicht das Licht einen Punkt des Motivs aus einem relativ eng begrenzten Winkelbereich. Wird dieser Lichtweg beispielsweise durch die Nase eines Menschen unterbrochen, entsteht dahinter eine vergleichsweise klar abgegrenzte Schattenzone.

Bei einer großen Lichtquelle kommt Licht dagegen aus vielen leicht unterschiedlichen Richtungen. Ein Bereich, der von einem Teil der Lichtquelle bereits abgeschattet wird, kann von einem anderen Teil noch Licht erhalten. Zwischen vollständig beleuchteten und vollständig beschatteten Bereichen entsteht dadurch ein breiterer Halbschatten.

Genau dieser Übergang lässt die Schatten weich erscheinen.

Nicht nur die Größe zählt – auch der Abstand

Eine große Lichtquelle ist nicht automatisch weich und eine kleine nicht unter allen Umständen hart. Entscheidend ist ihre scheinbare Größe vom Motiv aus betrachtet.

Deshalb spielt der Abstand eine wichtige Rolle.

Eine Softbox, die dicht neben einem Gesicht steht, erscheint aus Sicht der fotografierten Person sehr groß. Stellst Du dieselbe Softbox mehrere Meter entfernt auf, wird ihre scheinbare Größe kleiner – und das Licht tendenziell härter.

Das ist auch der Grund, warum die Sonne trotz ihres gewaltigen tatsächlichen Durchmessers an einem klaren Tag ausgesprochen harte Schatten erzeugen kann: Sie ist extrem weit entfernt und erscheint uns am Himmel nur als relativ kleine Scheibe.

Eine große Lichtquelle nahe am Motiv erzeugt dagegen typischerweise weichere Schatten. Dieses Prinzip wird bei Studioaufnahmen ganz bewusst genutzt. Profoto beschreibt beispielsweise für weiches Porträtlicht große Softboxen in geringer Entfernung zum Modell; auch Nikon zeigt, wie ein großer Diffusor eine ursprünglich kleine Blitzlichtquelle effektiv vergrößern kann.

Warum Wolken das Sonnenlicht weicher machen

Ein bedeckter Himmel ist ein klassisches Beispiel für weiches natürliches Licht.

Dabei wird die Sonne natürlich nicht größer. Stattdessen wird ihr Licht durch die Wolkendecke gestreut. Aus fotografischer Sicht kommt das Licht dadurch nicht mehr nur aus Richtung der kleinen Sonnenscheibe. Ein großer Bereich des Himmels wird zur wirksamen Lichtquelle.

Deshalb verschwinden die scharf abgegrenzten Schatten eines wolkenlosen Sonnentages oder werden deutlich weicher. Nikon beschreibt einen bewölkten Himmel entsprechend als sehr große, weiche Lichtquelle.

Ähnliches kannst Du an einem Fenster beobachten. Direktes Sonnenlicht, das durch ein Fenster fällt, kann ausgesprochen hart sein. Wird der Himmel von Wolken bedeckt oder hängt ein lichtdurchlässiger Vorhang vor dem Fenster, verändert sich der Charakter des Lichts deutlich.

Welche Bedeutung hat weiches Licht für die Fotografie?

Weiches Licht wird besonders häufig mit Porträtfotografie verbunden. Das hat einen praktischen Grund: Sanfte Schattenübergänge lassen Hautstrukturen häufig weniger dominant erscheinen und können Gesichtszüge zurückhaltender modellieren.

Aber weiches Licht ist keineswegs nur für Menschen interessant.

Bei Produkt-, Food-, Makro- und Stilllebenfotografie kann es helfen, starke Helligkeitssprünge zu vermeiden und Formen gleichmäßig sichtbar zu machen. Nikon empfiehlt beispielsweise für Food-Fotografie weiches, gefiltertes Fensterlicht; Reflektoren können zusätzlich genutzt werden, um Schatten aufzuhellen.

Gleichzeitig sollte daraus keine Regel werden, nach der weiches Licht grundsätzlich „besser“ wäre.

Harte Schatten können Struktur, Spannung und Räumlichkeit erzeugen.

Die Frage lautet deshalb nicht: Ist weiches Licht besser?

Sondern: Passt dieser Lichtcharakter zu dem Bild, das Du machen möchtest?

Ein praktisches Beispiel

Stell Dir vor, Du möchtest zu Hause ein Porträt fotografieren.

Du stellst die Person einen Meter von einem großen Fenster entfernt auf. Draußen ist der Himmel bedeckt. Das Fenster wird damit aus Sicht der Person zu einer ziemlich großen Lichtfläche.

Das Gesicht wird von einer Seite beleuchtet. Auf der gegenüberliegenden Gesichtshälfte entstehen weiterhin Schatten, aber der Übergang von hell zu dunkel ist sanft. Das Gesicht wirkt dadurch plastisch, ohne dass sich harte Schattenkanten bilden.

Nun stell Dir dieselbe Situation nachts vor. Statt des Fensters verwendest Du einen kleinen Blitz, der mehrere Meter entfernt direkt auf die Person gerichtet ist.

Die Lichtquelle erscheint aus Sicht des Motivs wesentlich kleiner. Entsprechend deutlich werden Schattenkanten sichtbar.

Du könntest den Blitz nun gegen eine große weiße Wand richten oder ihn durch einen ausreichend großen Diffusor beziehungsweise eine Softbox schicken. Dadurch wird die wirksame Lichtquelle größer. Beim indirekten Blitzen über Wände oder Decken verändert sich zusätzlich die Lichtrichtung; Nikon zeigt dieses Prinzip beim Bouncen eines Blitzgeräts.

Damit wird aus demselben Blitzgerät ein Licht mit völlig anderem Charakter.

Weiches Licht und diffuses Licht – ist das dasselbe?

Die Begriffe werden im fotografischen Alltag häufig ähnlich verwendet, beschreiben aber nicht exakt dasselbe.

Weich beschreibt vor allem den Charakter der Schatten beziehungsweise ihrer Übergänge. Diffus beschreibt zunächst die Streuung des Lichts.

Diffusion kann allerdings dazu genutzt werden, eine größere wirksame Lichtfläche zu erzeugen – und damit weicheres Licht. Ein großes Diffusionstuch zwischen Blitz und Motiv ist dafür ein typisches Beispiel. Nikon demonstriert genau dieses Prinzip mit einem großen Diffusor, der aus einer kleinen Blitzquelle eine wesentlich größere wirksame Lichtquelle macht.

Deshalb hängen beide Begriffe eng miteinander zusammen, sollten aber nicht einfach als Synonyme behandelt werden.

Weiches Licht bedeutet nicht automatisch flaches Licht

Auch das ist eine wichtige Unterscheidung.

Weiches Licht kann durchaus gerichtet sein. Eine große Softbox seitlich neben einem Gesicht erzeugt beispielsweise eine deutlich erkennbare Licht- und Schattenseite. Die Übergänge sind weich, trotzdem bleibt das Gesicht plastisch.

Flaches Licht entsteht dagegen, wenn die Beleuchtung wenig modellierende Schatten beziehungsweise geringe Richtungswirkung besitzt.

Ein Bild kann deshalb gleichzeitig weich beleuchtet und dennoch räumlich wirken.

Das ist fotografisch wichtig, denn gerade die Kombination aus weichen Schattenübergängen und einer bewussten Lichtrichtung kann sehr wirkungsvoll sein.

Vorteile und Grenzen von weichem Licht

Weiches Licht kann sanfte Schattenübergänge erzeugen, starke Kontraste abmildern und bei Porträts oder Produkten eine ruhige Bildwirkung unterstützen. Es lässt sich sowohl mit natürlichem Licht als auch mit Blitz- oder Dauerlicht erzeugen.

Seine vermeintliche Stärke kann aber auch zur Schwäche werden. Wird eine Szene sehr gleichmäßig ausgeleuchtet, können markante Schatten, Oberflächenstrukturen und räumliche Wirkung zurücktreten. Außerdem ist eine große Lichtquelle allein noch keine Garantie für interessantes Licht – Richtung, Abstand, Hintergrund und Verhältnis zum Umgebungslicht bleiben wichtige gestalterische Faktoren.

Weiches Licht ist deshalb kein Qualitätsmerkmal an sich, sondern eine gestalterische Entscheidung.

Weiches Licht erkennst Du vor allem an seinen sanften Schattenübergängen. Wie weich diese ausfallen, hängt wesentlich davon ab, wie groß die wirksame Lichtquelle aus Sicht des Motivs erscheint.

Damit wird auch verständlich, warum ein bewölkter Himmel, ein großes Fenster, eine nahe Softbox oder ein großes Diffusionstuch weiches Licht erzeugen können.

Der praktische Gedanke dahinter ist wichtiger als jede feste Lichtregel: Möchtest Du das Licht weicher machen, solltest Du nicht zuerst an Kameraeinstellungen denken. Schau Dir die Lichtquelle an – und überlege, wie groß sie aus Sicht Deines Motivs erscheint.

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