Vinyl-Lexikon

Matrixnummer

Wer eine Schallplatte aus der Hülle nimmt und genauer betrachtet, entdeckt zwischen dem Ende der Musik und dem Label häufig kleine Zahlen, Buchstaben, Symbole oder handschriftlich wirkende Zeichen.

Diese Angaben befinden sich im sogenannten Auslaufbereich oder Runout. Ein wichtiger Bestandteil davon kann die Matrixnummer sein.

Für das Abspielen der Platte spielt sie keine Rolle. Für Sammler kann sie dagegen ausgesprochen interessant sein. Denn sie hilft dabei, unterschiedliche Pressungen einer Schallplatte voneinander zu unterscheiden und manchmal sogar Hinweise auf deren Herstellung zu finden.

Definition: Was ist eine Matrixnummer?

Die Matrixnummer ist eine Kennzeichnung, die im Herstellungsprozess eines Tonträgers verwendet wird. Bei Schallplatten findest Du sie normalerweise im Auslaufbereich zwischen der letzten Rille und dem Label.

Sie besteht meist aus einer Kombination von Zahlen und Buchstaben. Häufig gibt es dabei unterschiedliche Kennzeichnungen für Seite A und Seite B.

Wichtig ist: Nicht alles, was im Auslaufbereich steht, gehört automatisch zur Matrixnummer.

Dort können sich zusätzlich Kürzel, Symbole oder andere Kennzeichnungen befinden, die beispielsweise Hinweise auf das Mastering, ein Presswerk oder bestimmte Produktionsschritte geben.

Warum gibt es Matrixnummern?

Eine Schallplatte wird nicht direkt von der fertigen Musikaufnahme in tausenden Exemplaren hergestellt.

Zwischen dem fertigen Master und der Platte auf Deinem Plattenteller liegen mehrere Produktionsschritte. Dabei müssen beispielsweise die beiden Plattenseiten und die für die Herstellung verwendeten Werkzeuge eindeutig zugeordnet werden können.

Genau hier kommen Matrixnummern und weitere Produktionskennzeichnungen ins Spiel.

Sie dienen zunächst einmal nicht dem Sammler, sondern der Organisation und Identifikation während der Herstellung.

Dass diese Informationen heute dabei helfen können, unterschiedliche Pressungen zu bestimmen, ist gewissermaßen ein angenehmer Nebeneffekt.

Wo finde ich die Matrixnummer?

Nimm eine Schallplatte unter eine helle Lampe und halte den Auslaufbereich leicht schräg ins Licht.

Zwischen dem Ende der eigentlichen Tonrille und dem Label solltest Du verschiedene eingeritzte oder gestempelte Zeichen erkennen können. Dort befindet sich auch die Matrixnummer.

Dieser Bereich wird häufig als Runout, Dead Wax oder Auslaufbereich bezeichnet.

In der Regel findest Du auf beiden Plattenseiten entsprechende Kennzeichnungen.

Matrixnummer und Katalognummer – nicht dasselbe

Eine häufige Verwechslung betrifft Matrix- und Katalognummer.

Die Katalognummer dient vor allem dazu, eine Veröffentlichung innerhalb des Katalogsystems eines Labels zu identifizieren. Du findest sie häufig auf dem Cover, dem Plattenlabel oder dem Rücken der Hülle.

Die Matrixnummer gehört dagegen zum Herstellungsprozess und befindet sich normalerweise im Auslaufbereich der Schallplatte.

Beide Nummern können miteinander verwandt sein, müssen es aber nicht.

Für die Praxis reicht deshalb eine einfache Unterscheidung:

Katalognummer = Kennzeichnung der Veröffentlichung

Matrixnummer = Kennzeichnung aus der Herstellung der Schallplatte

Warum ist die Matrixnummer für Sammler interessant?

Besonders spannend wird die Sache, wenn ein Album über viele Jahre hinweg mehrfach gepresst wurde.

Cover und Label zweier Exemplare können auf den ersten Blick nahezu identisch aussehen. Trotzdem müssen die Platten nicht aus derselben Produktion stammen.

Hier kann der Blick in den Auslaufbereich weiterhelfen.

Die dort vorhandenen Angaben können beispielsweise Hinweise auf unterschiedliche Pressungen, Presswerke, Masterings oder andere Produktionsvarianten liefern.

Gerade bei Veröffentlichungen mit vielen verschiedenen Ausgaben kann der Runout deshalb ein wichtiges Puzzleteil bei der Identifikation einer konkreten Platte sein.

Bedeutet eine andere Matrixnummer automatisch eine andere Pressung?

Nein.

Das ist ein wichtiger Punkt.

Unterschiedliche Matrix- oder Runout-Angaben bedeuten nicht automatisch, dass es sich um eine eigenständige Veröffentlichung oder Neuauflage handelt.

Auch innerhalb derselben Auflage können beispielsweise unterschiedliche Werkzeuge für die Herstellung verwendet worden sein. Dadurch können Varianten der Kennzeichnungen entstehen, obwohl die Platten weiterhin zur gleichen Veröffentlichung gehören.

Deshalb solltest Du eine Schallplatte niemals ausschließlich anhand einer einzelnen Nummer bestimmen.

Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Merkmale:

Matrix und Runout, Label, Katalognummer, Cover, Herstellungsland und weitere Kennzeichnungen.

Je mehr Merkmale übereinstimmen, desto zuverlässiger lässt sich eine Pressung einordnen.

Was bedeuten zusätzliche Zeichen im Runout?

Jetzt beginnt für viele Vinylsammler der eigentlich spannende Teil.

Neben der eigentlichen Matrixnummer können sich im Auslaufbereich weitere Angaben befinden. Dazu gehören beispielsweise Kürzel oder Kennzeichnungen von Mastering-Ingenieuren, Mastering-Studios, Herstellern oder Presswerken.

Solche Zeichen sind allerdings nicht universell.

Ein bestimmter Buchstabe oder ein Symbol kann bei einem Hersteller etwas völlig anderes bedeuten als bei einem anderen. Auch der Zeitraum und das jeweilige Presswerk können eine Rolle spielen.

Deshalb solltest Du Runout-Zeichen immer im Zusammenhang mit der konkreten Veröffentlichung betrachten und nicht versuchen, jedes Kürzel nach einer allgemeinen Formel zu entschlüsseln.

Praxis: So hilft die Matrixnummer bei der Bestimmung einer Pressung

Angenommen, Du besitzt ein Album, das über viele Jahre hinweg in zahlreichen Varianten erschienen ist.

Auf dem Cover findest Du eine bestimmte Katalognummer. Bei der Suche danach stellst Du jedoch fest, dass mehrere äußerlich ähnliche Pressungen existieren.

Dann lohnt sich der Blick auf die Platte selbst.

Notiere möglichst genau die komplette Zeichenfolge im Auslaufbereich von Seite A und Seite B. Achte dabei auch darauf, ob einzelne Angaben gestempelt oder von Hand eingeritzt wurden.

Anschließend kannst Du diese Informationen beispielsweise mit Einträgen in einer Vinyl-Datenbank wie Discogs vergleichen.

Gerade die Kombination aus Katalognummer und Runout-Angaben kann helfen, die Auswahl möglicher Versionen deutlich einzugrenzen.

Vorteile der Matrixnummer

Für Sammler bietet die Beschäftigung mit Matrixnummern einige Vorteile.

Du kannst äußerlich sehr ähnliche Pressungen besser unterscheiden und erhältst zusätzliche Hinweise auf die Herstellung einer Platte.

Beim Kauf gebrauchter Schallplatten können die Angaben im Runout außerdem dabei helfen zu überprüfen, ob tatsächlich die angebotene Pressung vorliegt.

Besonders bei seltenen oder gesuchten Ausgaben kann das wichtig sein.

Nachteile und Grenzen

Matrixnummern sind leider kein universeller Geheimcode, den Du nur einmal lernen musst.

Die verwendeten Systeme unterscheiden sich je nach Label, Hersteller, Presswerk, Land und Zeitraum. Außerdem stehen im Runout häufig mehrere Informationen nebeneinander, von denen nicht jede zur eigentlichen Matrixnummer gehört.

Hinzu kommt, dass unterschiedliche Matrixvarianten nicht zwangsläufig unterschiedliche Veröffentlichungen bedeuten.

Eine Matrixnummer ist deshalb am besten als Indiz innerhalb einer ganzen Reihe von Merkmalen zu verstehen.

Die Matrixnummer gehört zu den unscheinbaren Details einer Schallplatte, die erst interessant werden, wenn Du genauer hinschaust.

Ursprünglich ist sie vor allem eine Kennzeichnung aus dem Herstellungsprozess. Für Vinylsammler hat sie jedoch einen zusätzlichen Nutzen: Zusammen mit den übrigen Angaben im Auslaufbereich kann sie dabei helfen, verschiedene Pressungen und Produktionsvarianten voneinander zu unterscheiden.

Dabei solltest Du Dich nicht von komplizierten Zahlen- und Buchstabenkombinationen abschrecken lassen. Du musst diese Kennzeichnungen nicht auswendig lernen.

Wichtiger ist, das Prinzip dahinter zu verstehen.

Wenn zwei Schallplatten auf den ersten Blick vollkommen identisch aussehen, lohnt sich deshalb ein Blick zwischen die letzte Rille und das Label.

Dort steht manchmal mehr über die Geschichte einer Platte, als auf ihrem Cover zu erkennen ist.

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