Fixierzeit
Wie lange Film und Fotopapier im Fixierer bleiben müssen
Nach dem Entwickeln ist ein Schwarzweißfilm zwar entwickelt, aber noch nicht dauerhaft lichtbeständig. Würdest Du ihn jetzt einfach aus dem Entwicklungstank nehmen und dem Licht aussetzen, würden die noch vorhandenen lichtempfindlichen Silberhalogenide weiter reagieren.
Genau hier kommt der Fixierer ins Spiel. Und mit ihm die Fixierzeit.
Sie bestimmt, wie lange Film oder Fotopapier im Fixierbad bleiben müssen, damit die nicht entwickelten Silberhalogenide ausreichend entfernt werden. Klingt zunächst nach einem simplen Zeitwert – tatsächlich hängt die richtige Fixierzeit aber von mehreren Faktoren ab.
Definition: Was ist die Fixierzeit?
Die Fixierzeit bezeichnet in der analogen Fotografie die Zeitspanne, während der ein entwickelter Film oder ein fotografisches Papier mit einer Fixierlösung behandelt wird.
Der Fixierer entfernt die nach der Entwicklung noch vorhandenen, unbelichteten beziehungsweise nicht entwickelten Silberhalogenide aus der fotografischen Emulsion. Erst dadurch wird das fotografische Bild gegenüber normalem Licht weitgehend stabil.
Vereinfacht gesagt:
Entwickeln macht das latente Bild sichtbar – Fixieren macht es lichtbeständig.
Die notwendige Fixierzeit hängt unter anderem vom verwendeten Film oder Papier, vom Fixierer, dessen Verdünnung, Temperatur und Zustand sowie von der Bewegung während des Fixierens ab.
Eine allgemeingültige Fixierzeit für alle Materialien gibt es deshalb nicht.
Was passiert beim Fixieren?
Eine klassische Schwarzweißemulsion enthält lichtempfindliche Silberhalogenide. Bei der Belichtung entsteht zunächst ein unsichtbares, sogenanntes latentes Bild. Während der Entwicklung werden die entsprechend belichteten Silberhalogenidkristalle zu metallischem Silber reduziert. Dieses Silber bildet das sichtbare Bild.
Doch nach der Entwicklung befinden sich weiterhin nicht entwickelte Silberhalogenide in der Emulsion.
Der Fixierer sorgt dafür, dass diese aus der Emulsion herausgelöst werden können. Übliche Fixierbäder arbeiten dafür mit Thiosulfaten. Bei modernen Schnellfixierern kommt häufig Ammoniumthiosulfat zum Einsatz.
Bleiben zu viele dieser lichtempfindlichen Silberverbindungen im Material zurück, ist das Bild nicht ausreichend fixiert und kann sich später verändern. Für eine gute Haltbarkeit reicht allerdings das Fixieren allein ebenfalls nicht: Anschließend müssen Fixierer und Reaktionsprodukte durch eine geeignete Wässerung weitgehend aus dem Material entfernt werden. Rückstände können die langfristige Bildstabilität beeinträchtigen.
Wie lang ist die richtige Fixierzeit?
Darauf gibt es leider keine schöne Antwort wie „immer fünf Minuten“.
Und das ist auch gut so, denn eine solche Regel würde die Unterschiede zwischen Materialien und Fixierern ignorieren.
Ein Beispiel zeigt das recht deutlich: Für ILFORD Rapid Fixer nennt der Hersteller bei 20 °C und frischem Fixierer in der Verdünnung 1+4 für allgemeine Schwarzweißfilme etwa 2 bis 5 Minuten. Für PE-/RC-Papier werden unter denselben Grundbedingungen nur etwa 30 Sekunden, für Baryt-/FB-Papier etwa eine Minute angegeben.
Diese Werte lassen sich nicht einfach auf jeden anderen Fixierer übertragen. Entscheidend sind deshalb immer die Angaben zum konkret verwendeten Material und Fixierer.
Die Klärzeit als praktische Orientierung bei Film
Bei Schwarzweißfilm gibt es eine praktische Methode, um die benötigte Fixierzeit zu kontrollieren: die Klärzeit.
Dafür wird ein Stück unbelichteter, unentwickelter Film – beispielsweise ein geeigneter Filmschnipsel – mit dem angesetzten Fixierer behandelt. Dabei beobachtest Du, wie lange es dauert, bis die zunächst milchig wirkende Emulsion klar wird.
ILFORD beschreibt für Rapid Fixer ein Verfahren, bei dem zunächst mit einem Tropfen Fixierer eine klare Vergleichsstelle erzeugt wird. Anschließend wird der Filmschnipsel vollständig in den Fixierer gegeben und die Zeit gemessen, bis die restliche Fläche ebenso klar erscheint.
Als erforderliche Fixierzeit nennt ILFORD bei diesem Verfahren die doppelte Klärzeit. Außerdem empfiehlt der Hersteller, den Fixierer zu verwerfen, wenn sich die Klärzeit gegenüber frischem Fixierer verdoppelt hat.
Das ist praktisch, weil Du damit nicht ausschließlich nach der Uhr arbeitest. Du bekommst gleichzeitig einen Hinweis darauf, wie aktiv Dein Fixierbad noch ist.
Wichtig ist allerdings: Diese Vorgehensweise ersetzt nicht grundsätzlich die Herstellerangaben für beliebige Kombinationen aus Film und Fixierer. Sie ist eine konkrete Methode, deren Anwendung zum verwendeten Material und Prozess passen muss.
Warum verändert sich die Fixierzeit?
Ein frisch angesetztes Fixierbad arbeitet anders als ein bereits häufig verwendetes. Während der Verarbeitung nimmt der Fixierer Silberverbindungen auf und seine Leistungsfähigkeit verändert sich.
Auch die Art des Fixierers spielt eine Rolle. Schnellfixierer auf Basis von Ammoniumthiosulfat ermöglichen typischerweise kürzere Prozesszeiten als traditionelle Fixierbäder auf Natriumthiosulfatbasis.
Hinzu kommen Temperatur, Verdünnung und Bewegung des Materials im Fixierbad. Deshalb geben Hersteller ihre Zeiten normalerweise zusammen mit bestimmten Prozessbedingungen an.
Bei ILFORD Rapid Fixer beziehen sich die genannten Mindestzeiten beispielsweise auf 20 °C, frischen Fixierer und eine definierte Bewegung während der Verarbeitung.
Eine Fixierzeit ist also keine isolierte Zahl. Sie gehört immer zu einem bestimmten Verarbeitungsprozess.
Was passiert bei zu kurzer Fixierzeit?
Wird ein Film oder Fotopapier nicht ausreichend fixiert, können Silberhalogenide in der Emulsion zurückbleiben.
Das Material ist dann nicht vollständig verarbeitet und seine langfristige Stabilität kann beeinträchtigt werden. Genau deshalb ist „wird schon reichen“ beim Fixieren keine besonders gute Dunkelkammerstrategie.
Bei Film lässt sich die ausreichende Fixierung über die Klärzeit recht anschaulich kontrollieren. Für besonders hohe Anforderungen an die Haltbarkeit fotografischer Materialien existieren darüber hinaus chemische Prüfverfahren auf verbliebene Silberverbindungen beziehungsweise Fixierrückstände.
Und kann man zu lange fixieren?
Ein paar Sekunden länger bedeuten normalerweise nicht, dass ein Negativ sofort Schaden nimmt. Daraus sollte man allerdings nicht den Schluss ziehen, dass eine möglichst lange Fixierzeit grundsätzlich besser wäre.
Bei Fotopapier kann unnötig langes Fixieren sogar die anschließende Auswässerung erschweren. ILFORD weist bei seiner Verarbeitung für hohe Haltbarkeit von Barytpapieren ausdrücklich darauf hin, die Fixierzeit nicht unnötig auszudehnen.
Die bessere Strategie lautet deshalb nicht „lieber möglichst lange“, sondern:
ausreichend lange und entsprechend dem vorgesehenen Prozess fixieren.
Ein Beispiel aus der Praxis
Stell Dir vor, Du entwickelst einen Schwarzweißfilm und verwendest einen Fixierer, mit dem Du bereits mehrere Filme verarbeitet hast.
Du könntest nun einfach dieselbe Zeit verwenden wie beim letzten Mal. Aussagekräftiger ist bei einem dafür geeigneten Prozess aber ein Test der Klärzeit.
Ein Filmschnipsel braucht beispielsweise 90 Sekunden, bis die Emulsion vollständig klar erscheint. Wenn der Hersteller für diese Kombination die doppelte Klärzeit als Fixierzeit vorsieht, würdest Du den Film etwa drei Minuten fixieren.
Beim nächsten Entwicklungstag dauert die Klärung vielleicht deutlich länger.
Dann verrät Dir der Test etwas, was die Stoppuhr allein nicht zeigen kann: Dein Fixierer hat sich durch die Nutzung verändert.
Damit wird die Fixierzeit von einer bloßen Zahl zu einer kleinen Prozesskontrolle.

Fixierzeit, Klärzeit und Wässerungszeit – nicht dasselbe
Die Begriffe gehören zusammen, beschreiben aber unterschiedliche Dinge.
Die Klärzeit beschreibt bei Film die Zeit, bis die unbelichtete Emulsion im Fixierer sichtbar klar geworden ist. Sie kann zur Ermittlung beziehungsweise Kontrolle der Fixierzeit dienen.
Die Fixierzeit ist die gesamte Zeit, die das fotografische Material im Fixierbad verbleibt.
Die anschließende Wässerungszeit wiederum hat eine andere Aufgabe: Dabei sollen Fixierer und Reaktionsprodukte aus Film oder Papier entfernt werden.
Gerade Fixieren und Wässern solltest Du deshalb nicht als einen gemeinsamen Arbeitsschritt betrachten. Ein ausreichend fixiertes Negativ kann trotzdem problematisch gelagert werden, wenn es anschließend unzureichend gewässert wurde.
Die Fixierzeit ist ein wichtiger Teil der analogen Filmentwicklung und der Verarbeitung fotografischer Papiere. Sie sorgt dafür, dass die nach der Entwicklung verbliebenen lichtempfindlichen Silberhalogenide ausreichend entfernt werden.
Eine universelle Zeitangabe gibt es dabei nicht. Material, Fixierer, Verdünnung, Temperatur und Zustand des Fixierbades spielen zusammen.
Für die Praxis bedeutet das vor allem: Orientiere Dich an den Angaben für Deine konkrete Kombination aus Film beziehungsweise Papier und Fixierer. Bei Schwarzweißfilm kann die Klärzeit zusätzlich eine sehr hilfreiche Kontrolle sein.
So wird aus der Frage „Wie viele Minuten muss der Film da rein?“ die eigentlich wichtigere Frage: „Woran erkenne ich, dass mein Prozess zuverlässig funktioniert?“


