Vinyl-Lexikon

Welle

Eine Schallplatte sollte möglichst plan auf dem Plattenteller liegen. In der Praxis sieht das manchmal anders aus: Beim Abspielen hebt und senkt sich die Platte sichtbar. Umgangssprachlich spricht man dann von einer Welle in der Schallplatte oder einer verwellten Platte.

Eine leichte Welle ist nicht automatisch ein Problem. Wird die Verformung jedoch stärker, kann sie die Abtastung erschweren und im ungünstigen Fall sogar dazu führen, dass eine Platte nicht mehr vernünftig abgespielt werden kann.

Definition

Als Welle bezeichnet man bei einer Schallplatte eine Verformung, durch die das Vinyl nicht mehr vollständig plan ist.

Legst Du die Platte auf den Plattenteller und lässt sie drehen, bewegt sich ihre Oberfläche an bestimmten Stellen nach oben und unten. Der Tonabnehmer muss dieser Bewegung folgen.

Dabei können unterschiedliche Formen auftreten. Manche Platten sind beispielsweise am Rand hochgezogen, andere zeigen eine eher großflächige Verformung über die gesamte Platte.

Wie entsteht eine Welle?

Vinyl ist ein thermoplastischer Kunststoff. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Unter Wärmeeinwirkung kann sich das Material verformen.

Deshalb gehören Wärme und falsche Lagerung zu den wichtigsten Ursachen verwellter Schallplatten.

Problematisch kann es beispielsweise werden, wenn eine Platte längere Zeit direkter Sonneneinstrahlung oder hohen Temperaturen ausgesetzt ist. Auch eine ungünstige Lagerung kann Verformungen begünstigen.

Schallplatten sollten deshalb möglichst senkrecht und ohne starke Schräglage gelagert werden. Stehen sie über längere Zeit schief und werden dabei zusätzlich belastet oder erwärmt, kann sich das Vinyl verformen.

Eine Welle muss allerdings nicht erst beim Besitzer entstehen. Auch neue Schallplatten können bereits mit einer Verformung aus der Produktion oder durch Transport und Lagerung beim Händler ankommen.

Was passiert beim Abspielen?

Eine verwellte Schallplatte stellt vor allem den Tonabnehmer vor zusätzliche Arbeit.

Normalerweise bewegt sich die Nadel durch die Plattenrille und folgt dabei den sehr kleinen Modulationen, in denen das Musiksignal gespeichert ist. Bei einer Welle kommt eine weitere Bewegung hinzu: Der gesamte Tonarm muss sich während einer Plattenumdrehung sichtbar heben und senken.

Bei einer kleinen, sanften Welle kann ein korrekt eingestellter Tonarm dieser Bewegung normalerweise folgen.

Je stärker und steiler die Verformung wird, desto schwieriger wird die Abtastung. Im Extremfall kann der Tonabnehmer stark auf- und abbewegt werden oder die Nadel den sicheren Kontakt zur Rille verlieren.

Auch sehr tieffrequente Bewegungen der Lautsprechermembranen können auftreten. Dabei handelt es sich nicht unbedingt um Musik, sondern um tieffrequente Störungen, die durch die Bewegung des Tonabnehmers angeregt werden.

Wann ist eine Welle problematisch?

Nicht jede Platte, die sich beim Drehen etwas bewegt, muss aussortiert werden.

Entscheidend ist weniger die optische Perfektion als die Frage, wie gut sich die Platte abspielen lässt.

Eine leichte Welle ist häufig unkritisch, wenn der Tonabnehmer ihr problemlos folgt und die Wiedergabe nicht hörbar beeinträchtigt wird.

Problematisch wird es dagegen, wenn der Tonarm sehr starke vertikale Bewegungen ausführen muss, die Nadel nicht mehr zuverlässig in der Rille bleibt oder deutliche Störungen bei der Wiedergabe auftreten.

Bei neu gekauften Schallplatten ist außerdem eine andere Frage berechtigt: Selbst wenn eine deutlich verwellte Platte noch abspielbar ist, musst Du einen solchen Zustand nicht zwangsläufig akzeptieren.

Praxis: So beurteilst Du eine verwellte Platte

Lege die Schallplatte auf den Plattenteller und beobachte sie zunächst bei laufendem Plattenspieler von der Seite.

Eine kleine, gleichmäßige Bewegung wirkt häufig dramatischer, als sie für die Abtastung tatsächlich ist. Interessanter ist deshalb der Tonarm.

Bewegt er sich nur langsam und leicht nach oben und unten, während die Musik sauber wiedergegeben wird, besteht meist kein unmittelbarer Grund zur Sorge.

Muss der Tonabnehmer dagegen regelrecht über eine Erhebung „klettern“, solltest Du genauer hinsehen.

Wichtig ist dabei auch die korrekte Einstellung des Plattenspielers. Auflagekraft, Tonabnehmer und Tonarm sollten richtig eingestellt sein. Eine stark verwellte Platte ist allerdings kein sinnvoller Anlass, die Auflagekraft einfach deutlich zu erhöhen. Damit wird die Ursache – die Verformung der Platte – nicht beseitigt.

Kann man eine Welle entfernen?

Grundsätzlich lässt sich Vinyl durch Wärme und kontrollierten Druck wieder verformen. Genau darin liegt allerdings auch das Risiko.

Improvisierte Methoden mit Backofen, Glasplatten, Büchern oder direkter Sonneneinstrahlung können eine Schallplatte dauerhaft beschädigen. Temperatur, Druck und Zeit müssen ausreichend kontrolliert werden.

Für diesen Zweck gibt es spezielle Geräte und Verfahren zum Glätten verwellter Schallplatten. Doch auch damit lässt sich nicht garantieren, dass jede Platte anschließend vollkommen plan ist.

Bei einer wertvollen oder seltenen Pressung sollte deshalb besonders vorsichtig vorgegangen werden.

Bei einer neuen, deutlich verwellten Schallplatte ist ein Umtausch häufig die vernünftigere Lösung als ein eigener Reparaturversuch.

Vor- und Nachteile

Eine Welle selbst hat natürlich keinen Vorteil. Entscheidend ist vielmehr, dass eine leichte Welle nicht zwangsläufig einen klanglichen Nachteil bedeuten muss.

Leichte Welle

Vorteile beziehungsweise unkritische Aspekte:

  • Platte kann weiterhin problemlos abspielbar sein
  • nicht jede sichtbare Bewegung beeinflusst den Klang
  • ein gut eingestellter Tonarm kann sanften Höhenänderungen folgen

Nachteile:

  • zusätzliche Bewegung des Tonarms
  • mögliche tieffrequente Störungen
  • optischer Mangel

Starke Welle

Nachteile:

  • erschwerte Abtastung
  • starke vertikale Tonarmbewegungen
  • mögliche hörbare Störungen
  • im Extremfall Verlust des sicheren Kontakts zwischen Nadel und Rille

Eine Welle in der Schallplatte bedeutet zunächst nur, dass die Platte nicht vollkommen plan ist. Wie problematisch das tatsächlich ist, hängt vom Ausmaß und von der Form der Verformung ab.

Eine leichte, gleichmäßige Welle kann beim Abspielen praktisch unauffällig bleiben. Bei stärkeren Verformungen muss der Tonabnehmer dagegen erhebliche Höhenunterschiede ausgleichen. Dann kann die sichere Abtastung beeinträchtigt werden.

Für die Praxis gilt deshalb: Schau nicht nur darauf, ob sich die Platte bewegt. Beobachte, was Tonarm und Tonabnehmer daraus machen.

Und vor allem solltest Du Schallplatten möglichst senkrecht, ohne starke Schräglage und geschützt vor großer Wärme lagern. Denn bei einer Welle gilt wie so oft beim Vinyl: Vorbeugen ist einfacher als späteres Reparieren.

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