-
Kreativität kann man nicht lernen? – Zum Glück stimmt das nicht ganz.
„Kreativität kann man nicht lernen.“ Kaum ein Satz hält sich in der Fotografie so hartnäckig wie dieser. Manche Menschen scheinen mit einem besonderen Blick geboren zu sein, während andere glauben, ihnen fehle einfach das Talent. Doch ist Kreativität wirklich angeboren – oder lässt sie sich entwickeln? Die gute Nachricht: Kreativität ist weit weniger ein geheimnisvolles Geschenk als vielmehr eine Fähigkeit, die wachsen kann. Herkunft des Merksatzes Der Gedanke stammt aus der Vorstellung, dass Kunst ausschließlich aus Inspiration entsteht. Große Fotografen werden oft als Genies dargestellt, deren Bilder scheinbar mühelos entstehen. Was dabei leicht übersehen wird: Hinter nahezu jedem bekannten Fotografen stehen unzählige Stunden des Beobachtens, Experimentierens und Übens. Bewertung ⚠️…
-
Film hat grundsätzlich mehr Dynamikumfang? – Ein Merksatz auf dem Prüfstand
„Film hat grundsätzlich mehr Dynamikumfang.“ Kaum ein Satz taucht in Diskussionen zwischen Analog- und Digitalfotografen häufiger auf als dieser. Oft wird behauptet, Film könne helle und dunkle Bildbereiche grundsätzlich besser gleichzeitig erfassen als ein digitaler Sensor. Doch stimmt das heute noch? Die kurze Antwort lautet: Es kommt darauf an. Herkunft Dieser Merksatz stammt aus der Zeit, als digitale Kameras noch deutlich geringere Reserven bei Lichtern und Schatten hatten. Frühe Digitalkameras neigten dazu, helle Bereiche schnell ausbrennen zu lassen, während Farbnegativfilm erstaunlich viele Details in den Lichtern bewahren konnte. Diese Erfahrung hat sich über Jahre gehalten – obwohl moderne Sensoren enorme Fortschritte gemacht haben. Bewertung 💡 Kommt darauf an Film besitzt…
-
Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera. – Stimmt’s wirklich?
„Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera.“ Kaum ein Satz wird in der Fotografie häufiger zitiert. Meist fällt er, wenn jemand glaubt, mit einer neuen Kamera automatisch bessere Bilder zu machen. Der Merksatz soll daran erinnern, dass Kreativität, Bildgestaltung und der Blick für den richtigen Moment wichtiger sind als die reine Technik. Aber ist das wirklich die ganze Wahrheit? Herkunft Der Spruch stammt aus einer Zeit, in der sich viele Hobbyfotografen stark auf Kameratechnik konzentrierten. Schon Analogfotografen betonten deshalb, dass nicht die Kamera entscheidet, sondern die Person dahinter. Mit der Digitalisierung wurde dieser Satz noch populärer, weil immer leistungsfähigere Kameras auf den Markt kamen und häufig der Eindruck entstand,…
-
Acht geben statt einfach Blende acht
„Blende 8 ist immer optimal.“ Blende 8 genießt in der Fotografie einen ausgezeichneten Ruf. Sie gilt als verlässlich, unkompliziert und angenehm unauffällig. Nicht zu weit geöffnet, nicht zu stark geschlossen – gewissermaßen die vernünftige Mitte unter den Blendenwerten. Wer Blende 8 einstellt, scheint daher wenig falsch machen zu können. Doch aus „häufig eine gute Wahl“ wurde irgendwann „immer optimal“. Und genau dort beginnt das Problem: Eine Blende kann technisch günstig sein, aber trotzdem nicht zum Motiv passen. Woher kommt der gute Ruf von Blende 8? Der Merksatz hat einen nachvollziehbaren technischen Hintergrund. Viele Objektive erreichen abgeblendet eine bessere Abbildungsleistung als bei vollständig geöffneter Blende. Bildfehler wie Randunschärfe, Vignettierung oder bestimmte…
-
JPEG-Rezepte bei Canon: So entstehen eigene Bildlooks
Wer sich mit Fujifilm-Kameras beschäftigt, begegnet früher oder später sogenannten Filmrezepten. Damit lassen sich Farben, Kontrast und Tonwerte so abstimmen, dass bereits in der Kamera ein JPEG mit einem bestimmten Charakter entsteht. Weniger bekannt ist, dass eigene JPEG-Rezepte auch bei Canon möglich sind. Canon nennt sie allerdings nicht Rezepte, sondern „Picture Styles“. Die Möglichkeiten sind etwas anders aufgebaut und teilweise eingeschränkter als bei Fujifilm. Dafür bietet Canon mit dem Picture Style Editor ein leistungsfähiges Werkzeug, mit dem sich eigene Bildlooks entwickeln, auf die Kamera übertragen und sogar als Datei weitergeben lassen. Was ist ein JPEG-Rezept? Ein JPEG-Rezept ist zunächst nichts anderes als eine festgelegte Kombination verschiedener Einstellungen für die kamerainterne…
-
Analog trifft Digital: Zwei Kameras, ein Motiv und ziemlich verschiedene Ansichten
Auf einem Tisch in einem Fotostudio stehen zwei Kameras nebeneinander. Links eine analoge Spiegelreflexkamera, solides Metallgehäuse, ein paar Gebrauchsspuren und der selbstbewusste Blick einer Kamera, die schon fotografiert hat, als „Cloud“ noch eine Wetterbeschreibung war. Rechts eine moderne Digitalkamera mit hochauflösendem Sensor, klappbarem Display und mehr Menüpunkten, als ihre Nachbarin Bilder auf einen Film bekommt. Lange schweigen sie sich an. Dann fällt der Blick der analogen Kamera auf die große Speicherkarte der Digitalen. „Wie viele Bilder passen da eigentlich drauf?“ Analoge Kamera: „Sag mal, wie viele Aufnahmen kannst du mit diesem kleinen Kärtchen machen?“ Digitale Kamera: „Ungefähr 2.000. Wenn mein Fotograf im RAW-Format arbeitet, etwas weniger.“ Analoge Kamera: „Zweitausend? Ich…
-
Arbeiterfotografie – Die Bewegung, die das Leben und die Kämpfe der Arbeiterklasse dokumentierte
Fotografie war zu Beginn des 20. Jahrhunderts längst mehr als ein technisches Experiment. Sie wurde zum Mittel der Dokumentation, der Berichterstattung und zunehmend auch der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Während viele Fotografen Landschaften, Architektur oder Porträts festhielten, entstand in den 1920er-Jahren eine Bewegung, die ihren Blick auf die Lebenswirklichkeit der arbeitenden Bevölkerung richtete: die Arbeiterfotografie. Sie wollte den Alltag der Menschen zeigen, die das wirtschaftliche Rückgrat der Gesellschaft bildeten, deren Lebensbedingungen in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch oft kaum Beachtung fanden. Fabriken, enge Wohnungen, Arbeitslosigkeit, Demonstrationen oder das Familienleben in Arbeitervierteln wurden zu ihren Motiven. Damit entstand eine Form der Fotografie, die nicht beschönigen, sondern dokumentieren wollte. Eine Bewegung in bewegten Zeiten Die…
-
Henri Le Secq – Pionier der französischen Architekturfotografie
Henri Jean-Louis Le Secq des Tournelles zählt zu den bedeutenden Pionieren der französischen Fotografie des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem durch seine Aufnahmen gotischer Kathedralen, historischer Bauwerke und des alten Paris. Dabei verstand er die Kamera nicht nur als Mittel zur sachlichen Dokumentation. Seine Bilder verbinden Genauigkeit mit einer bewussten Gestaltung und einer oft beinahe stillen, nachdenklichen Atmosphäre. Vom Künstler zum Fotografen Henri Le Secq des Tournelles wurde 1818 in Paris geboren und starb dort 1882. Zunächst beschäftigte er sich mit Bildhauerei und Malerei. Er studierte in mehreren Pariser Ateliers, darunter bei dem Maler Paul Delaroche. Dieser künstlerische Hintergrund prägte später auch seine fotografische Arbeit. Le Secq betrachtete…
-
Alfred Eisenstaedt, einer der bedeutendsten Fotojournalisten des 20. Jahrhunderts
Alfred Eisenstaedt (*6. Dezember 1898 in Dirschau, Westpreußen; †24. August 1995 in Oak Bluffs, Massachusetts, USA) war einer der bedeutendsten Fotojournalisten des 20. Jahrhunderts. Mit seinen lebendigen Reportagen und einfühlsamen Porträts prägte er den modernen Bildjournalismus entscheidend. Besonders bekannt wurde er als Fotograf des US-Magazins Life, für das er über Jahrzehnte arbeitete und mehr als 2.500 Bildreportagen sowie über 90 Titelbilder veröffentlichte. Vom Hobbyfotografen zum Weltreporter Eisenstaedt erhielt bereits als Jugendlicher seine erste Kamera und entwickelte früh eine Leidenschaft für die Fotografie. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er zunächst im Handel, fotografierte jedoch in seiner Freizeit. Ende der 1920er-Jahre gelang ihm der Durchbruch als Pressefotograf in Deutschland. 1935 emigrierte der…
-
Gustave Le Gray, seine ikonischen Landschafts- und Meeresaufnahmen gelten als Meisterwerke der Fotogeschichte
Jean-Baptiste Gustave Le Gray (*30. August 1820 in Villiers-le-Bel, Frankreich; †30. Juli 1884 in Kairo, Ägypten) gilt als einer der bedeutendsten Pioniere der Fotografie des 19. Jahrhunderts. Der französische Fotograf, Maler und Erfinder verband technisches Können mit künstlerischem Anspruch und prägte die Entwicklung der Fotografie nachhaltig. Seine Landschafts-, Architektur- und insbesondere seine berühmten Meeresaufnahmen gehören zu den bedeutendsten Werken der Frühgeschichte der Fotografie. Leben und Werdegang Le Gray absolvierte zunächst eine Ausbildung als Maler im Atelier des Historienmalers Paul Delaroche. Bereits in den 1840er-Jahren begann er sich intensiv mit der damals noch jungen Fotografie zu beschäftigen. Während viele Zeitgenossen die Fotografie vor allem als technisches Verfahren betrachteten, erkannte Le Gray…





























