Vinyl-Lexikon

Emil Berliner

Der Mann, der die Schallplatte auf den Weg brachte

Wer heute eine Schallplatte aus ihrer Hülle nimmt, sie auf den Plattenteller legt und die Nadel in die Rille senkt, benutzt ein Prinzip, dessen Geschichte weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Einer der entscheidenden Namen dabei ist Emil Berliner. Seine Idee der flachen Schallplatte und die Entwicklung des Grammophons trugen wesentlich dazu bei, dass aus der Tonaufzeichnung schließlich ein Medium für viele Menschen werden konnte.

Wer war Emil Berliner?

Emil Berliner, in den USA meist Emile Berliner genannt, war ein deutsch-amerikanischer Erfinder und Unternehmer. Er wurde am 20. Mai 1851 in Hannover geboren und starb am 3. August 1929 in Washington, D.C.

Für die Geschichte der Tonaufzeichnung ist er vor allem mit dem Grammophon und der flachen Schallplatte verbunden. Entscheidend war dabei nicht allein, dass sich Schall aufzeichnen und wiedergeben ließ. Berliners Ansatz eröffnete auch einen praktikablen Weg, Aufnahmen zu vervielfältigen und damit in größeren Stückzahlen zu verbreiten.

Genau das sollte für die weitere Entwicklung der Schallplatte und der entstehenden Musikindustrie von großer Bedeutung werden.

Von Hannover nach Amerika

Berliners Lebensweg begann zunächst wenig spektakulär. Seine formale Schulbildung endete bereits 1865. Im Jahr 1870 wanderte er in die USA aus und arbeitete zunächst unter anderem in einem Textilwarengeschäft in Washington.

Sein Interesse an technischen Experimenten führte ihn schließlich zur Telefontechnik. Bereits 1876 entwickelte er einen sogenannten Loose-Contact-Transmitter für das Telefon. Später arbeitete er für die American Bell Telephone Company.

Doch für Vinylfreunde ist vor allem interessant, was danach geschah.

1886 begann Berliner mit der Arbeit an seinem Grammophon. Am 8. November 1887 wurde ihm ein entsprechendes US-Patent erteilt.

Was war am Grammophon neu?

Tonaufzeichnung gab es zu diesem Zeitpunkt bereits. Thomas Edison hatte 1877 seinen Phonographen vorgestellt. Das entscheidende Speichermedium war dort jedoch keine flache Platte, wie wir sie heute kennen, sondern zunächst ein Zylinder.

Berliner verfolgte einen anderen Ansatz.

Bei seinem Grammophon wurde der Ton auf einer flachen Scheibe aufgezeichnet. Die Rille verlief dabei seitlich – die Nadel bewegte sich also entsprechend den Schallschwingungen seitwärts. Dieses Prinzip wird als Seitenschrift bezeichnet. Berliners Patent von 1887 beschreibt genau diese seitliche Bewegung des Aufzeichnungsstifts.

Das war nicht einfach nur eine andere Bauform.

Die flache Scheibe hatte einen entscheidenden Vorteil: Sie ließ sich wesentlich besser vervielfältigen.

Und genau hier beginnt die eigentliche Geschichte der Schallplatte.

Warum die flache Platte so wichtig wurde

Ein Tonträger ist für einen Massenmarkt nur dann wirklich interessant, wenn sich eine Aufnahme möglichst einfach vervielfältigen lässt.

Bei Berliners Verfahren konnte aus einer Aufnahme eine Vorlage entstehen, von der weitere Exemplare hergestellt wurden. Damit musste ein Musikstück nicht für jedes einzelne Exemplar erneut aufgenommen werden.

Das klingt heute selbstverständlich. Ende des 19. Jahrhunderts war es ein entscheidender Schritt.

Die Library of Congress beschreibt Berliners flache Tonträger deshalb als eine der frühen erfolgreichen Möglichkeiten, populäre Tonaufnahmen in größerem Maßstab kommerziell zu verbreiten. Schließlich setzte sich die flache Schallplatte gegenüber den vergleichsweise unhandlichen Zylindern als bevorzugtes Tonträgerformat durch.

Damit veränderte sich auch die Bedeutung einer Tonaufnahme.

Musik war nicht mehr ausschließlich an den Augenblick einer Aufführung gebunden. Eine Aufnahme konnte produziert, vervielfältigt, verkauft und zu Hause immer wieder gehört werden.

Von der Berliner-Platte zur modernen Schallplatte

Eine frühe Berliner-Platte darfst Du natürlich nicht mit einer heutigen Vinyl-LP gleichsetzen.

Material, Aufnahmeverfahren, Drehzahlen, Spieldauer und Herstellung entwickelten sich über viele Jahrzehnte weiter. Frühe Berliner-Scheiben bestanden beispielsweise nicht aus dem PVC, das wir mit modernen Vinylplatten verbinden.

Trotzdem ist die Verwandtschaft unverkennbar.

Eine runde, flache Scheibe dreht sich auf einem Plattenteller. Eine Nadel folgt einer spiralförmigen Rille. Die darin gespeicherten mechanischen Bewegungen werden wieder in Schall umgewandelt.

Wenn Du heute einen Plattenspieler benutzt, steckt in diesem grundlegenden Prinzip noch immer erstaunlich viel Technikgeschichte aus dem 19. Jahrhundert.

Was hat Emil Berliner mit Deiner Schallplatte zu tun?

Nimm einmal eine LP aus dem Regal und betrachte sie ohne Gedanken an Tonabnehmer, Phonovorverstärker oder HiFi-Anlage.

Was bleibt?

Eine flache Scheibe mit einer spiralförmigen Rille.

Genau darin liegt Berliners große Bedeutung. Er war nicht der Erfinder der Tonaufnahme an sich. Aber seine Arbeit half dabei, die flache Schallplatte zu einem praktisch vervielfältigbaren Tonträger zu machen.

Die heutige LP ist das Ergebnis vieler weiterer Entwicklungen. Doch die grundsätzliche Idee des scheibenförmigen Tonträgers führt unmittelbar zurück in die Pionierzeit des Grammophons.

Berliner war mehr als der Erfinder des Grammophons

Interessanterweise beschränkte sich Berliner keineswegs auf die Tonaufzeichnung.

Er beschäftigte sich unter anderem mit Mikrofontechnik, Akustik und später sogar mit der Entwicklung von Hubschraubern. Darüber hinaus engagierte er sich für Fragen der öffentlichen Gesundheit und Hygiene.

Seine größte historische Wirkung entfaltete jedoch die Tonaufzeichnung.

Denn Berliners Entwicklungen schufen nicht einfach ein neues technisches Gerät. Sie halfen dabei, eine völlig neue Form des Musikkonsums entstehen zu lassen.

Vor- und Nachteile von Berliners Prinzip

Aus heutiger Sicht liegen die Vorteile der flachen Schallplatte auf der Hand. Sie ließ sich vergleichsweise gut vervielfältigen, platzsparend lagern und einfach vertreiben. Damit eignete sie sich erheblich besser für einen entstehenden Massenmarkt.

Die frühen Systeme hatten allerdings noch wenig mit dem späteren HiFi-Gedanken zu tun. Klangqualität, Gleichlauf, Abtastung und Material befanden sich technisch noch am Anfang ihrer Entwicklung. Auch die Spielzeit war begrenzt.

Berliners Leistung bestand deshalb nicht darin, bereits die perfekte Schallplatte geschaffen zu haben.

Entscheidend war das Prinzip.

Emil Berliner gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Schallplatte.

Er erfand die Tonaufzeichnung nicht. Seine entscheidende Leistung war vielmehr die Weiterentwicklung zu einem System aus Grammophon und flacher Schallplatte, das sich für die Vervielfältigung und kommerzielle Verbreitung von Aufnahmen eignete. Sein erstes Grammophon-Patent erhielt er 1887.

Für Vinylfreunde ist Berliner deshalb mehr als eine historische Randfigur.

Zwischen einer frühen Grammophonplatte aus dem 19. Jahrhundert und einer heutigen LP liegen enorme technische Fortschritte. Das Grundprinzip ist aber erstaunlich vertraut geblieben:

Eine Scheibe dreht sich. Eine Nadel folgt einer Rille. Und aus einer winzigen mechanischen Bewegung wird wieder Musik.

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