
Crop-Faktor-Rechner
Welchem Bildwinkel entspricht meine Brennweite?
Der Crop-Faktor wird häufig verwendet, um Objektive an unterschiedlichen Sensorformaten miteinander zu vergleichen. Dabei geht es allerdings nicht darum, dass sich die Brennweite eines Objektivs tatsächlich verändert.
Mit dem Crop-Faktor-Rechner kannst du Sensorformat und Brennweite auswählen beziehungsweise eingeben. Als Ergebnis erhältst du die Brennweite an einer Vollformatkamera, die ungefähr den gleichen Bildwinkel liefern würde.
So kannst du beispielsweise schnell erkennen, welchem Bildwinkel ein 35-mm-Objektiv an einer APS-C-Kamera entspricht.
Was ist der Crop-Faktor?
Der Crop-Faktor beschreibt das Größenverhältnis eines Kamerasensors zum klassischen Kleinbildformat von ungefähr 36 × 24 mm, das wir heute meist als Vollformat bezeichnen.
Vollformat dient dabei als Referenz und hat entsprechend den Crop-Faktor 1,0.
Typische Werte sind beispielsweise:
- Vollformat: 1,0×
- APS-C: ungefähr 1,5×
- Canon APS-C: ungefähr 1,6×
- Micro Four Thirds: 2,0×
- 1-Zoll-Sensor: ungefähr 2,7×
Je kleiner der Sensor gegenüber Vollformat ist, desto größer ist der Crop-Faktor.
Was berechnet der Crop-Faktor-Rechner?
Die Rechnung selbst ist einfach:
Brennweite × Crop-Faktor = kleinbildäquivalente Brennweite
Bei einem 35-mm-Objektiv an einer APS-C-Kamera mit Crop-Faktor 1,5 ergibt sich beispielsweise:
35 mm × 1,5 = 52,5 mm
Das bedeutet: 35 mm an APS-C zeigen ungefähr den gleichen Bildwinkel wie 52,5 mm an einer Vollformatkamera.
Genau diese Formulierung ist wichtig. Denn die Brennweite des Objektivs hat sich durch den kleineren Sensor nicht verändert.
Warum ist „Brennweitenverlängerung“ eigentlich falsch?
Der Begriff Brennweitenverlängerung ist zwar verbreitet, technisch aber missverständlich.
Ein 50-mm-Objektiv bleibt ein 50-mm-Objektiv – ganz gleich, ob du es vor einem Vollformat-, APS-C- oder Micro-Four-Thirds-Sensor verwendest.
Der kleinere Sensor erfasst lediglich einen kleineren Ausschnitt des vom Objektiv erzeugten Bildes.
Dadurch wirkt der Bildausschnitt enger. Um an einer Vollformatkamera einen vergleichbar engen Bildwinkel zu erhalten, müsstest du dort eine längere Brennweite verwenden.
Aus einem 50-mm-Objektiv wird an APS-C also kein 75-mm-Objektiv.
Richtig ist:
50 mm an APS-C mit Crop-Faktor 1,5 zeigen ungefähr den gleichen Bildwinkel wie 75 mm an Vollformat.
Ein Beispiel mit 35 mm
Nehmen wir ein 35-mm-Objektiv und setzen es an Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten.
An Vollformat entspricht der Vergleichswert natürlich 35 mm.
An APS-C mit Crop-Faktor 1,5 ergibt sich:
35 mm × 1,5 = 52,5 mm
Bei Canon APS-C mit 1,6:
35 mm × 1,6 = 56 mm
Und bei Micro Four Thirds mit Crop-Faktor 2:
35 mm × 2 = 70 mm
Die tatsächliche Brennweite bleibt in allen Fällen 35 mm. Was sich verändert, ist der vom Sensor erfasste Bildwinkel.
Warum ist der Vergleich mit Vollformat trotzdem sinnvoll?
Wenn sich die Brennweite gar nicht verändert, könnte man sich fragen, warum überhaupt mit einer kleinbildäquivalenten Brennweite gerechnet wird.
Der praktische Nutzen liegt in der Vergleichbarkeit.
Viele Fotografen haben eine ungefähre Vorstellung davon, welchen Bildwinkel 24 mm, 35 mm, 50 mm oder 85 mm an Vollformat liefern. Das Kleinbildäquivalent übersetzt unterschiedliche Sensorformate deshalb auf eine gemeinsame Bezugsgröße.
Wenn ein Smartphone beispielsweise eine „24-mm-äquivalente“ Hauptkamera besitzt, bedeutet das nicht, dass darin tatsächlich ein Objektiv mit 24 mm physikalischer Brennweite steckt. Gemeint ist ein Bildwinkel, der ungefähr dem eines 24-mm-Objektivs an einer Vollformatkamera entspricht.
Verändert der Crop-Faktor auch die Perspektive?
Nein.
Die Perspektive wird in erster Linie durch deine Aufnahmeposition beziehungsweise den Abstand zum Motiv bestimmt.
Fotografierst du mit derselben Brennweite vom gleichen Standort, verändert ein kleinerer Sensor zunächst nur den erfassten Bildausschnitt.
In der Praxis kommt es trotzdem häufig zu einem indirekten Unterschied: Wenn du mit verschiedenen Sensorformaten denselben Bildausschnitt erzielen möchtest, musst du entweder eine andere Brennweite verwenden oder deinen Standort verändern.
Und sobald du den Aufnahmeabstand veränderst, verändert sich auch die Perspektive.
Bedeutet ein Crop-Faktor von 2 automatisch doppelte Vergrößerung?
Auch hier ist eine genaue Formulierung hilfreich.
Bei Micro Four Thirds mit Crop-Faktor 2 zeigt ein 100-mm-Objektiv einen Bildwinkel, der ungefähr einem 200-mm-Objektiv an Vollformat entspricht.
Das Objektiv wird dadurch aber nicht zu einem 200-mm-Objektiv und seine optische Brennweite verdoppelt sich nicht.
Der kleinere Sensor nutzt lediglich einen kleineren Ausschnitt des vom Objektiv erzeugten Bildes.
Was der Crop-Faktor-Rechner bewusst nicht berechnet
Der Rechner konzentriert sich auf den vergleichbaren Bildwinkel. Das macht das Ergebnis einfach und eindeutig.
Andere Eigenschaften eines Bildes lassen sich nicht sinnvoll allein mit der Formel „Brennweite × Crop-Faktor“ beschreiben. Dazu gehören beispielsweise Schärfentiefe, Freistellung, Rauschverhalten oder die tatsächlich erreichbare Detailauflösung.
Sie hängen von weiteren Faktoren ab.
Der Crop-Faktor ist deshalb vor allem eines: eine praktische Hilfe, um den Bildwinkel verschiedener Sensorformate miteinander zu vergleichen.
Ein Satz zum Merken
Der Crop-Faktor verändert nicht die Brennweite – er hilft dir, den Bildwinkel verschiedener Sensorformate zu vergleichen.