{"id":9378,"date":"2025-06-29T11:51:38","date_gmt":"2025-06-29T09:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/juergenpubanz.de\/?p=9378"},"modified":"2025-06-29T11:51:38","modified_gmt":"2025-06-29T09:51:38","slug":"ein-klassiker-mit-patina-mein-hoererlebnis-mit-blues-breakers-john-mayall-with-eric-clapton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/ein-klassiker-mit-patina-mein-hoererlebnis-mit-blues-breakers-john-mayall-with-eric-clapton\/","title":{"rendered":"Ein Klassiker mit Patina \u2013 Mein H\u00f6rerlebnis mit Blues Breakers John Mayall with Eric Clapton"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Gestern habe ich einen dieser seltenen Momente erlebt, die das Herz eines jeden Vinyl-Sammlers h&ouml;herschlagen lassen: In einer Kiste gebrauchter LPs entdeckte ich die Stereo-Version des legend&auml;ren Albums <em>Blues Breakers John Mayall with Eric Clapton<\/em> &ndash; und konnte nicht widerstehen. Zuhause angekommen, legte ich die Platte erwartungsvoll auf den Teller. Doch die erste Entt&auml;uschung folgte auf dem Fu&szlig;: Der Klang wirkte dumpf, fast wie aus einem alten Grammophon. Sollte das wirklich <em>das<\/em> stilpr&auml;gende Bluesalbum der 60er sein?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst nach einer gr&uuml;ndlichen Reinigung mit meiner Plattenwaschmaschine offenbarte sich der wahre Charakter dieser fast 60 Jahre alten Pressung: pl&ouml;tzlich warm, detailreich, erstaunlich pr&auml;sent. Es war, als h&auml;tte ich eine ganz andere Platte aufgelegt. Die Gitarre klang schneidend und direkt, Mayalls Stimme kraftvoll, die Band agierte kompakt und auf den Punkt. Ein eindrucksvolles Beispiel daf&uuml;r, was in guter analoger Technik steckt &ndash; und warum wir Vinylfreunde uns die M&uuml;he des Waschens gerne machen. F&uuml;r Sammler &uuml;brigens interessant: W&auml;hrend die Mono-Version bereits 1966 in Gro&szlig;britannien ver&ouml;ffentlicht wurde, erschien die Stereo-Variante erst 1969 auf dem europ&auml;ischen Markt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von den Yardbirds zu Mayall &ndash; Claptons Suche nach dem wahren Blues<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eric Clapton war zum Zeitpunkt der Aufnahmen bereits eine gefeierte Figur der britischen Musikszene. Mit seinem Spiel bei den Yardbirds hatte er sich den Ruf eines herausragenden Gitarristen erarbeitet &ndash; und genau deswegen verlie&szlig; er die Band. Ihre Hinwendung zu einem kommerzielleren, poppigeren Sound war nicht das, was Clapton suchte. Stattdessen zog es ihn zum rohen, ungeschliffenen Blues &ndash; und John Mayall, ein etwas &auml;lterer Bluesfan und Multiinstrumentalist aus Manchester, bot ihm genau das richtige Umfeld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mayall hatte mit den Bluesbreakers eine junge, leidenschaftliche Band aufgebaut, deren Repertoire sich tief im amerikanischen Chicago-Blues verankerte. Clapton, fasziniert von Gr&ouml;&szlig;en wie Freddie King und Otis Rush, fand hier endlich den kreativen Boden, den er suchte. Die Chemie stimmte &ndash; auf der B&uuml;hne wie im Studio.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Live war das Ziel &ndash; das Studio wurde zur B&uuml;hne<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urspr&uuml;nglich hatte Decca ein Livealbum der Bluesbreakers vorgesehen. Immerhin galt die Band als mitrei&szlig;ende Live-Attraktion, ihr Sound war roh, direkt und elektrisierend. Doch logistische Schwierigkeiten und Probleme mit der Tontechnik machten das Vorhaben zunichte. Was blieb, war ein Studiotermin &ndash; doch der Livegeist sollte erhalten bleiben. Tats&auml;chlich klingen viele Passagen des Albums, als st&uuml;nde man mitten im Club, umgeben von Zigarettenrauch und schwei&szlig;getr&auml;nkten Verst&auml;rkern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sammler wissen: Einige rare Liveaufnahmen aus jener Zeit &ndash; insbesondere Radiomitschnitte oder Bootlegs &ndash; sind heute begehrte Rarit&auml;ten. Sie zeigen eine Band in Hochform, mit einem Clapton, der bereits 1966 zur Gitarre sprach, statt sie einfach nur zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der &bdquo;Beano-Sound&ldquo; &ndash; Clapton setzt Ma&szlig;st&auml;be<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Clapton war 21, als <em>Blues Breakers<\/em> aufgenommen wurde &ndash; aber sein Sound war revolution&auml;r. Mit einer 1960er Gibson Les Paul Standard, angeschlossen an einen &uuml;bersteuerten Marshall-Verst&auml;rker (JTM45), erzeugte er jenen fetten, singenden Ton, der sp&auml;ter als &bdquo;woman tone&ldquo; in die Musikgeschichte einging. Die Geschichte will es, dass er w&auml;hrend der Aufnahmen im Studio demonstrativ eine Ausgabe des Comics <em>Beano<\/em> las &ndash; weshalb das Album unter Fans oft schlicht <em>The Beano Album<\/em> genannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studiotechniker waren alles andere als begeistert von der Lautst&auml;rke und Verzerrung, mit der Clapton arbeitete. Doch er setzte sich durch &ndash; und ver&auml;nderte damit nachhaltig den Klang der Rockmusik. Sein Ton war kein Zufall, sondern das Ergebnis minuti&ouml;ser Soundvorstellungen, die sich gegen damalige Konventionen richteten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Besetzung &ndash; ein Who&rsquo;s Who des britischen Blues<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Clapton an der Gitarre und stellenweise am Mikrofon agierte John Mayall selbst an Orgel, Piano, Mundharmonika und Gesang. Am Bass: John McVie, der wenig sp&auml;ter zusammen mit Mick Fleetwood und Peter Green Fleetwood Mac gr&uuml;nden sollte. Hughie Flint sa&szlig; am Schlagzeug, ein solider, zur&uuml;ckhaltender Begleiter, der dem Gitarrensound Raum lie&szlig;. Einige Tracks wurden durch Bl&auml;serarrangements veredelt &ndash; darunter der Saxofonist Alan Skidmore und Trompeter Dennis Healey.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufnahmen fanden in den Decca Studios unter der Produktion von Mike Vernon und Gus Dudgeon statt &ndash; beide Namen sollten sp&auml;ter noch h&auml;ufiger in den Credits britischer Musikgeschichte auftauchen, etwa bei David Bowie und Elton John.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Album macht Geschichte &ndash; und einen Mythos<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ver&ouml;ffentlicht im Juli 1966, stieg das Album rasch in die britischen Charts ein und hielt sich dort 17 Wochen &ndash; ein beachtlicher Erfolg f&uuml;r ein Bluesalbum. Die Versuche, einzelne Titel als Singles zu vermarkten (etwa <em>Parchman Farm<\/em> oder <em>Ramblin&rsquo; On My Mind<\/em>), blieben allerdings kommerziell erfolglos. Doch das Album wirkte unter der Oberfl&auml;che &ndash; wie ein musikalischer Keim, der den britischen Bluesboom der sp&auml;ten 60er-Jahre entscheidend mitpr&auml;gte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">John Mayall wurde bald als &bdquo;Vater des britischen Blues&ldquo; bezeichnet &ndash; eine Rolle, die er mit Stolz und einer beeindruckenden Entdeckungsgabe ausf&uuml;llte. In den kommenden Jahren gingen Musiker wie Peter Green, Mick Taylor, Jack Bruce, Aynsley Dunbar oder sp&auml;ter Walter Trout durch seine Schule. Doch <em>Blues Breakers John Mayall with Eric Clapton<\/em> bleibt sein erstes gro&szlig;es Verm&auml;chtnis &ndash; ein Meilenstein, roh, direkt, wegweisend.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein St&uuml;ck Musikgeschichte &ndash; besser gewaschen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich jetzt die gereinigte LP auflege, klingt sie nicht nur wie eine Zeitreise zur&uuml;ck ins Jahr 1966 &ndash; sie <em>ist<\/em> ein St&uuml;ck lebendige Musikgeschichte. Das Album steht f&uuml;r eine &Auml;ra des Aufbruchs, f&uuml;r Klangexperimente, f&uuml;r Leidenschaft. Und es beweist, dass ein gut gepflegtes Originalpresswerk auf Vinyl mehr transportiert als nur Musik &ndash; es tr&auml;gt Seele.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F&uuml;r mich ist dieses Album weit mehr als nur ein Sammlerst&uuml;ck. Es ist ein Klangdenkmal, das man h&ouml;ren, sp&uuml;ren und verstehen muss. Und manchmal muss man es einfach waschen, damit es spricht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:62px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern habe ich einen dieser seltenen Momente erlebt, die das Herz eines jeden Vinyl-Sammlers h\u00f6herschlagen lassen: In einer Kiste gebrauchter LPs entdeckte ich die Stereo-Version des legend\u00e4ren Albums Blues Breakers John Mayall with Eric Clapton \u2013 und konnte nicht widerstehen. Zuhause angekommen, legte ich die Platte erwartungsvoll auf den Teller. Doch die erste Entt\u00e4uschung folgte auf dem Fu\u00df: Der Klang wirkte dumpf, fast wie aus einem alten Grammophon. Sollte das wirklich das stilpr\u00e4gende Bluesalbum der 60er sein? Erst nach einer gr\u00fcndlichen Reinigung mit meiner Plattenwaschmaschine offenbarte sich der wahre Charakter dieser fast 60 Jahre alten Pressung: pl\u00f6tzlich warm, detailreich, erstaunlich pr\u00e4sent. Es war, als h\u00e4tte ich eine ganz andere Platte aufgelegt. Die Gitarre klang schneidend und direkt, Mayalls Stimme kraftvoll, die Band agierte kompakt und auf den Punkt. Ein eindrucksvolles Beispiel daf\u00fcr, was in guter analoger Technik steckt \u2013 und warum wir Vinylfreunde uns die M\u00fche des Waschens gerne machen. F\u00fcr Sammler \u00fcbrigens interessant: W\u00e4hrend die Mono-Version bereits 1966 in Gro\u00dfbritannien ver\u00f6ffentlicht wurde, erschien die Stereo-Variante erst 1969 auf dem europ\u00e4ischen Markt. Von den Yardbirds zu Mayall \u2013 Claptons Suche nach dem wahren Blues Eric Clapton war zum Zeitpunkt der Aufnahmen bereits eine gefeierte Figur der britischen Musikszene. Mit seinem Spiel bei den Yardbirds hatte er sich den Ruf eines herausragenden Gitarristen erarbeitet \u2013 und genau deswegen verlie\u00df er die Band. Ihre Hinwendung zu einem kommerzielleren, poppigeren Sound war nicht das, was Clapton suchte. Stattdessen zog es ihn zum rohen, ungeschliffenen Blues \u2013 und John Mayall, ein etwas \u00e4lterer Bluesfan und Multiinstrumentalist aus Manchester, bot ihm genau das richtige Umfeld. Mayall hatte mit den Bluesbreakers eine junge, leidenschaftliche Band aufgebaut, deren Repertoire sich tief im amerikanischen Chicago-Blues verankerte. Clapton, fasziniert von Gr\u00f6\u00dfen wie Freddie King und Otis Rush, fand hier endlich den kreativen Boden, den er suchte. Die Chemie stimmte \u2013 auf der B\u00fchne wie im Studio. Live war das Ziel \u2013 das Studio wurde zur B\u00fchne Urspr\u00fcnglich hatte Decca ein Livealbum der Bluesbreakers vorgesehen. Immerhin galt die Band als mitrei\u00dfende Live-Attraktion, ihr Sound war roh, direkt und elektrisierend. Doch logistische Schwierigkeiten und Probleme mit der Tontechnik machten das Vorhaben zunichte. Was blieb, war ein Studiotermin \u2013 doch der Livegeist sollte erhalten bleiben. Tats\u00e4chlich klingen viele Passagen des Albums, als st\u00fcnde man mitten im Club, umgeben von Zigarettenrauch und schwei\u00dfgetr\u00e4nkten Verst\u00e4rkern. Sammler wissen: Einige rare Liveaufnahmen aus jener Zeit \u2013 insbesondere Radiomitschnitte oder Bootlegs \u2013 sind heute begehrte Rarit\u00e4ten. Sie zeigen eine Band in Hochform, mit einem Clapton, der bereits 1966 zur Gitarre sprach, statt sie einfach nur zu spielen. Der \u201eBeano-Sound\u201c \u2013 Clapton setzt Ma\u00dfst\u00e4be Clapton war 21, als Blues Breakers aufgenommen wurde \u2013 aber sein Sound war revolution\u00e4r. 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