{"id":3088,"date":"2023-02-21T06:26:00","date_gmt":"2023-02-21T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/juergenpubanz.de\/?p=3088"},"modified":"2026-07-27T20:43:41","modified_gmt":"2026-07-27T18:43:41","slug":"nassplattenfotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/nassplattenfotografie\/","title":{"rendered":"Nassplattenfotografie, eine kurze Anleitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Stell dir vor, du wanderst mit Freunden auf den Gipfel eines nahe gelegenen Berges oder H\u00fcgels und m\u00f6chtest den Ausflug auf Film festhalten. Heutzutage brauchst du nur eine kleine Kamera mitzunehmen und w\u00fcrdest danach den Film zum Entwickeln einsenden. Wenige Tage sp\u00e4ter erh\u00e4ltst du per Post die Negative und erste Abz\u00fcge zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wenn du mehr als 140 Jahre zur\u00fcckgehen w\u00fcrdest &#8211; sagen wir, ins Jahr 1880 oder so &#8211; w\u00e4re die Geschichte ganz anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum einen h\u00e4ttest du es mit schweren Glasplatten zu tun. Die Kamera w\u00e4re schwer und unhandlich. Und wahrscheinlich w\u00fcrdest du mit Nasskollodiumplatten arbeiten, was bedeuten w\u00fcrde, dass du neben deiner Kamera und den Glasplatten auch eine komplette Dunkelkammer mit all ihren Chemikalien und ein ziemlich umfassendes chemisches Wissen mit dir herumtragen m\u00fcsstest.<\/p>\n\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit nicht genug: Jedes Mal, wenn du ein Foto machen wolltest, musstest du dein Dunkelkammerzelt aufstellen, eine Glasplatte vorbereiten, sie belichten und entwickeln, solange sie noch feucht war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine ausf\u00fchrliche Beschreibung, wie man Bilder mit dem Nassplattenverfahren macht, findest du in der folgenden Schritt-f\u00fcr-Schritt-Anleitung. Danach wei\u00dft du, was bei der Herstellung eines Kollodiumnegativs zu beachten ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:22px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schritt 1: Beschichtung mit Kollodium<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Schritt bei der Herstellung eines Kollodiumnegativs beginnt mit einer L\u00f6sung, die &#8211; wenig \u00fcberraschend &#8211; Kollodium genannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fotografisches Kollodium ist eine Mischung aus Rohbaumwolle (die mit Salpeter- und Schwefels\u00e4ure behandelt wurde), die in Ether und Alkohol gel\u00f6st ist und der ein wenig Jodid und Bromid beigemischt ist. Woraus es genau besteht, ist eigentlich nicht so wichtig &#8211; 1880 kann man es bereits gemischt kaufen. Wichtig ist nur, dass diese L\u00f6sung durchsichtig ist und an fast allem haftet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gie\u00dfe das Kollodium auf eine Glasplatte und kippe dann die Platte, bis die gesamte Oberfl\u00e4che mit der L\u00f6sung bedeckt ist. Gie\u00dfe dann das \u00fcbersch\u00fcssige Kollodium zur\u00fcck in seine Flasche.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:22px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schritt 2: Eintauchen in Silbernitrat<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt ist es an der Zeit, in die Dunkelkammer (oder, wenn du im Freien bist, ins Dunkelzelt) zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tauche die noch feuchte Platte in eine L\u00f6sung, die Silbernitrat enth\u00e4lt. Das Silbernitrat verbindet sich mit dem Jodid und Bromid zu einer lichtempfindlichen Silberhalogenidschicht.<br>Wische nun die Silbernitratl\u00f6sung mit einem sauberen Tuch von der R\u00fcckseite der Platte ab.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schritt 3: Platte in die Kamera<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Setze die Platte noch in der Dunkelkammer in einen lichtdichten Halter ein, der so konstruiert ist, dass er in deine Kamera passt. Bring den Halter zur Kamera und setze ihn ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Silbernitratl\u00f6sung wird aus dem Halter tropfen, auch wenn er in der Kamera ist. Das ist normal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Halterung befindet sich ein Objekttr\u00e4ger, der die Glasplatte abdeckt. Nimm den Objekttr\u00e4ger heraus. Die Kollodiumplatte ist nun bereit f\u00fcr die Belichtung.<\/p>\n\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schritt 4: Belichten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Belichte die Platte, indem du den Objektivdeckel abnimmst. So kann das Licht in die Kamera eindringen und auf das lichtempfindliche Kollodium treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Belichte die Platte 20 Sekunden bis 5 Minuten lang (die Belichtungszeit h\u00e4ngt davon ab, wie schnell die Silberhalogenide auf Licht reagieren, wie viel Licht durch das Objektiv einf\u00e4llt und wie viel Licht auf das Motiv trifft). Beende die Belichtung, indem du den Objektivdeckel wieder anbringst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Setze den Schieber des Halters wieder ein. Der Halter kann nun sicher von der Kamera abgenommen und zur\u00fcck in die Dunkelkammer oder das Dunkelzelt gebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:21px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schritt 5: Gie\u00dfe den Entwickler auf<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nimm die Glasplatte aus dem Halter. Halte die Platte \u00fcber eine Schale und gie\u00dfe den Entwickler \u00fcber die Platte. Der Entwickler ist eine L\u00f6sung aus Eisensulfat und Essigs\u00e4ure. Er verwandelt die vom Licht getroffenen Silberhalogenidk\u00f6rner in ein metallisches Silber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00fcle die Glasplatte mit Wasser ab, um den Entwickler zu entfernen. Nun kannst du die Platte aus der Dunkelkammer nehmen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:21px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schritt 6: Fixieren der Platte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00f6rner des metallischen Silbers befinden sich noch auf der Platte, ebenso wie die nicht belichteten Silberhalogenidk\u00f6rner. Entferne das unbelichtete Silberhalogenid, indem du die Platte in eine Schale mit Natriumthiosulfat legst, das als Fixiermittel dient.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schritt 7: Waschen und Lackieren<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wasche die Platte ein letztes Mal in Wasser, um das Fixiermittel zu entfernen, und trockne sie dann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um das empfindliche Bild zu sch\u00fctzen, trage eine Lackschicht auf die Platte auf. Das Auftragen erfolgt auf die gleiche Weise wie das Auftragen des Kollodiums auf die Platte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst erhitzt du die Flasche, die den Lack enth\u00e4lt, \u00fcber einer Flamme. Erhitze auch die Glasplatte \u00fcber einer Flamme. Wenn beide blutwarm sind, gie\u00dft du den Lack auf die Emulsionsseite der Platte, kippst die Platte, bis sie vollst\u00e4ndig bedeckt ist, und gie\u00dft dann den \u00dcberschuss zur\u00fcck in die Flasche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Glasplatte ist ein Negativbild sichtbar. An den Stellen, an denen das Licht auf die Platte getroffen ist, befindet sich eine dunkle Silberschicht; an den Stellen, die nicht belichtet wurden, ist die Platte klar.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schritt 8: Einen Abzug machen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um einen Albuminabzug von einem Kollodiumnegativ zu machen, lege ein Blatt Papier auf eine L\u00f6sung von Albumin (Eiwei\u00df), die ein Clorid enth\u00e4lt. Dann bitte trocknen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lege das Papier auf eine L\u00f6sung von Silbernitrat. Dadurch entsteht eine Silberchloridschicht. Erneut trocknen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richte das Negativ in einem Druckrahmen \u00fcber dem Papier aus und lege beide in das direkte Sonnenlicht. Die Sonne wird das Bild abdrucken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wasche den Abzug mit Wasser und tone ihn dann mit Goldchlorid. Erneut waschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fixiere den Abzug in Natriumthiosulfat, dann wasche ihn ein letztes Mal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Abzug ist nun fertig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich mu\u00df sagen, da gef\u00e4llt mir der \u201cmoderne\u201d Negativfilm in der Handhabung doch viel besser.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Beitragsbild: Mario Kuss, Eigenes Werk &#8211; <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/\">CC BY-SA 4.0<\/a><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:36px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stell dir vor, du wanderst mit Freunden auf den Gipfel eines nahe gelegenen Berges oder H\u00fcgels und m\u00f6chtest den Ausflug auf Film festhalten. 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Eine ausf\u00fchrliche Beschreibung, wie man Bilder mit dem Nassplattenverfahren macht, findest du in der folgenden Schritt-f\u00fcr-Schritt-Anleitung. Danach wei\u00dft du, was bei der Herstellung eines Kollodiumnegativs zu beachten ist. Schritt 1: Beschichtung mit Kollodium Der erste Schritt bei der Herstellung eines Kollodiumnegativs beginnt mit einer L\u00f6sung, die &#8211; wenig \u00fcberraschend &#8211; Kollodium genannt wird. Fotografisches Kollodium ist eine Mischung aus Rohbaumwolle (die mit Salpeter- und Schwefels\u00e4ure behandelt wurde), die in Ether und Alkohol gel\u00f6st ist und der ein wenig Jodid und Bromid beigemischt ist. Woraus es genau besteht, ist eigentlich nicht so wichtig &#8211; 1880 kann man es bereits gemischt kaufen. Wichtig ist nur, dass diese L\u00f6sung durchsichtig ist und an fast allem haftet. Gie\u00dfe das Kollodium auf eine Glasplatte und kippe dann die Platte, bis die gesamte Oberfl\u00e4che mit der L\u00f6sung bedeckt ist. Gie\u00dfe dann das \u00fcbersch\u00fcssige Kollodium zur\u00fcck in seine Flasche. Schritt 2: Eintauchen in Silbernitrat Jetzt ist es an der Zeit, in die Dunkelkammer (oder, wenn du im Freien bist, ins Dunkelzelt) zu gehen. Tauche die noch feuchte Platte in eine L\u00f6sung, die Silbernitrat enth\u00e4lt. Das Silbernitrat verbindet sich mit dem Jodid und Bromid zu einer lichtempfindlichen Silberhalogenidschicht.Wische nun die Silbernitratl\u00f6sung mit einem sauberen Tuch von der R\u00fcckseite der Platte ab. Schritt 3: Platte in die Kamera Setze die Platte noch in der Dunkelkammer in einen lichtdichten Halter ein, der so konstruiert ist, dass er in deine Kamera passt. Bring den Halter zur Kamera und setze ihn ein. Die Silbernitratl\u00f6sung wird aus dem Halter tropfen, auch wenn er in der Kamera ist. Das ist normal. In der Halterung befindet sich ein Objekttr\u00e4ger, der die Glasplatte abdeckt. Nimm den Objekttr\u00e4ger heraus. Die Kollodiumplatte ist nun bereit f\u00fcr die Belichtung. Schritt 4: Belichten Belichte die Platte, indem du den Objektivdeckel abnimmst. So kann das Licht in die Kamera eindringen und auf das lichtempfindliche Kollodium treffen. Belichte die Platte 20 Sekunden bis 5 Minuten lang (die Belichtungszeit h\u00e4ngt davon ab, wie schnell die Silberhalogenide auf Licht reagieren, wie viel Licht durch das Objektiv einf\u00e4llt und wie viel Licht auf das Motiv trifft). Beende die Belichtung, indem du den Objektivdeckel wieder anbringst. Setze den Schieber des Halters wieder ein. Der Halter kann nun sicher von der Kamera abgenommen und zur\u00fcck in die Dunkelkammer oder das Dunkelzelt gebracht werden. Schritt 5: Gie\u00dfe den Entwickler auf Nimm die Glasplatte aus dem Halter. Halte die Platte \u00fcber eine Schale und gie\u00dfe den Entwickler \u00fcber die Platte. Der Entwickler ist eine L\u00f6sung aus Eisensulfat und Essigs\u00e4ure. 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Wenn beide blutwarm sind, gie\u00dft du den Lack auf die Emulsionsseite der Platte, kippst die Platte, bis sie vollst\u00e4ndig bedeckt ist, und gie\u00dft dann den \u00dcberschuss zur\u00fcck in die Flasche. Auf der Glasplatte ist ein Negativbild sichtbar. An den Stellen, an denen das Licht auf die Platte getroffen ist, befindet sich eine dunkle Silberschicht; an den Stellen, die nicht belichtet wurden, ist die Platte klar. Schritt 8: Einen Abzug machen Um einen Albuminabzug von einem Kollodiumnegativ zu machen, lege ein Blatt Papier auf eine L\u00f6sung von Albumin (Eiwei\u00df), die ein Clorid enth\u00e4lt. Dann bitte trocknen. Lege das Papier auf eine L\u00f6sung von Silbernitrat. Dadurch entsteht eine Silberchloridschicht. Erneut trocknen. Richte das Negativ in einem Druckrahmen \u00fcber dem Papier aus und lege beide in das direkte Sonnenlicht. Die Sonne wird das Bild abdrucken. Wasche den Abzug mit Wasser und tone ihn dann mit Goldchlorid. Erneut waschen. Fixiere den Abzug in Natriumthiosulfat, dann wasche ihn ein letztes Mal. Der Abzug ist nun fertig. Ich mu\u00df sagen, da gef\u00e4llt mir der \u201cmoderne\u201d Negativfilm in der Handhabung doch viel besser. 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