{"id":13217,"date":"2026-09-13T16:18:58","date_gmt":"2026-09-13T14:18:58","guid":{"rendered":"https:\/\/juergenpubanz.de\/?p=13217"},"modified":"2026-09-13T16:35:03","modified_gmt":"2026-09-13T14:35:03","slug":"wenn-der-himmel-nicht-mitspielt-oder-vielleicht-doch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/wenn-der-himmel-nicht-mitspielt-oder-vielleicht-doch\/","title":{"rendered":"Wenn der Himmel nicht mitspielt \u2013 oder vielleicht doch?"},"content":{"rendered":"<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&bdquo;Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Fotografen.&ldquo;<\/h2>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Regen. Nebel. Ein grauer Himmel, der aussieht, als h&auml;tte jemand die Farbs&auml;ttigung auf null gedreht. Vielleicht noch ein kr&auml;ftiger Wind dazu, damit auch wirklich keine Lust aufkommt, die Kamera aus der Tasche zu holen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann f&auml;llt dieser Satz: &bdquo;Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Fotografen.&ldquo;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt wunderbar entschlossen. Fast so, als m&uuml;sse ein guter Fotograf aus jeder Wetterlage zwangsl&auml;ufig ein gro&szlig;artiges Bild mit nach Hause bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber stimmt das wirklich? Oder wird hier aus einem durchaus vern&uuml;nftigen fotografischen Gedanken eine ziemlich &uuml;berhebliche Regel?<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Woher kommt der Gedanke?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine belastbare urspr&uuml;ngliche Quelle f&uuml;r genau diesen Wortlaut l&auml;sst sich nicht eindeutig feststellen. Der Satz wirkt vielmehr wie eine fotografische Abwandlung der bekannten Redewendung &bdquo;Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung&ldquo;. Varianten dieser Redewendung sind besonders im Zusammenhang mit Outdoor-Aktivit&auml;ten verbreitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in der Fotografie begegnet uns der dahinterstehende Gedanke immer wieder: Regen, Nebel, Schnee oder Sturm m&uuml;ssen keine Hindernisse sein. Sie k&ouml;nnen Bedingungen schaffen, unter denen Bilder &uuml;berhaupt erst interessant werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Naturfotograf Conny Lundstr&ouml;m bringt beispielsweise einen sehr &auml;hnlichen Gedanken auf den Punkt: Fotografie bedeute, das Beste aus den vorhandenen Bedingungen zu machen; gerade vermeintlich schlechtes Wetter k&ouml;nne spektakul&auml;re Bilder erm&ouml;glichen. Auch Landschaftsfotograf Fortunato Gatto beschreibt Wetter nicht einfach als gut oder schlecht, sondern verbindet unterschiedliche Wetterlagen mit unterschiedlichen Bildstimmungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der genaue Ursprung unseres Merksatzes bleibt damit offen. Der fotografische Gedanke dahinter ist jedoch durchaus nachvollziehbar.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist daran richtig?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fotografisch betrachtet gibt es tats&auml;chlich erstaunlich wenige Wetterlagen, die grunds&auml;tzlich ungeeignet sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wolkenloser Sommertag liefert anderes Licht als ein nebliger Novembermorgen. Regen ver&auml;ndert Farben und Oberfl&auml;chen. Nasse Stra&szlig;en beginnen zu spiegeln. Nebel reduziert die Landschaft auf wenige Ebenen und Formen. Schnee ver&auml;ndert Kontraste und Farben. Dunkle Wolken k&ouml;nnen einer Landschaft eine Dramatik geben, die bei blauem Himmel schlicht nicht vorhanden w&auml;re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst gleichm&auml;&szlig;iges graues Licht kann ausgesprochen n&uuml;tzlich sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei bedecktem Himmel entstehen meist weichere Schatten und geringere Helligkeitsunterschiede als bei direkter Sonne. Genau deshalb k&ouml;nnen Farben und Details unter solchen Bedingungen besonders gut zur Geltung kommen. Diane Cook und Len Jenshel nutzten beispielsweise einen Regentag bei der Fotografie eines Ginkgobaums in Tokio bewusst zu ihrem Vorteil: Das ged&auml;mpfte Licht lie&szlig; die kr&auml;ftigen Farben der Bl&auml;tter hervortreten, w&auml;hrend direktes Sonnenlicht deutlich st&auml;rkere Kontraste erzeugt h&auml;tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der sinnvolle Kern des Merksatzes lautet deshalb f&uuml;r mich:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Beurteile Wetter nicht danach, ob es angenehm ist, sondern danach, welche Bilder damit m&ouml;glich werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist ein erheblicher Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wo wird es zu einfach?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch wird der Satz bei den &bdquo;schlechten Fotografen&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn nat&uuml;rlich passt nicht jedes Wetter zu jedem Bild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer eine bestimmte Landschaft im warmen Licht eines Sonnenuntergangs fotografieren m&ouml;chte, bekommt dieses Bild bei dichtem Hochnebel schlicht nicht. Ein Architekturfotograf kann f&uuml;r eine geplante Aufnahme bestimmte Lichtbedingungen ben&ouml;tigen. Bei einem kommerziellen Shooting k&ouml;nnen sogar sehr konkrete Anforderungen an Licht und Wetter bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das macht niemanden zu einem schlechten Fotografen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegenteil: Zu guter Fotografie geh&ouml;rt auch zu erkennen, ob die vorhandenen Bedingungen zur eigenen Bildidee passen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann gibt es noch eine wesentlich wichtigere Grenze: Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gewitter, Sturm, extreme Hitze, starke K&auml;lte, Hochwasser oder Glatteis werden nicht dadurch ungef&auml;hrlich, dass eine Kamera dabei ist. Auch die Ausr&uuml;stung besitzt Grenzen. Wetterfestigkeit bedeutet schlie&szlig;lich nicht, dass Kamera und <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/objektiv\/\" target=\"_self\" title=\"Mehr als nur das Auge der Kamera Wenn &uuml;ber Kameras gesprochen wird, dreht sich vieles um Sensoren, Megapixel, Autofokus oder Serienbildgeschwindigkeit. Dabei entsteht das Bild schon ein gutes St&uuml;ck vorher: im Objektiv. Das Objektiv sammelt das Licht eines Motivs und&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Objektiv<\/a> unter allen Umst&auml;nden unverwundbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal besteht die fotografisch vern&uuml;nftigste Entscheidung deshalb tats&auml;chlich darin, die Kamera einzupacken.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet das heute?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Moderne Kameratechnik erweitert unsere M&ouml;glichkeiten erheblich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hohe <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/iso\/\" target=\"_self\" title=\"Was der ISO-Wert wirklich bedeutet ISO 100, ISO 800, ISO 3200 &ndash; kaum eine Kamera kommt ohne diese Zahlen aus. Besonders praktisch wird ISO immer dann, wenn das vorhandene Licht knapp wird: Du erh&ouml;hst den Wert und kannst pl&ouml;tzlich mit&hellip;\" class=\"encyclopedia\">ISO<\/a>-Werte sind wesentlich besser nutzbar als bei vielen &auml;lteren Digitalkameras. Bildstabilisatoren erm&ouml;glichen l&auml;ngere Belichtungszeiten aus der Hand. Moderne Autofokussysteme arbeiten auch bei wenig Licht erstaunlich zuverl&auml;ssig. Und eine <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/raw\/\" target=\"_self\" title=\"Was steckt hinter dem Rohdatenformat? Wer sich etwas intensiver mit digitaler Fotografie besch&auml;ftigt, begegnet fr&uuml;her oder sp&auml;ter der Wahl zwischen JPEG und RAW. W&auml;hrend ein JPEG praktisch fertig aus der Kamera kommt, l&auml;sst Dir RAW bei der sp&auml;teren Bildentwicklung deutlich&hellip;\" class=\"encyclopedia\">RAW<\/a>-Datei bietet bei der sp&auml;teren Entwicklung betr&auml;chtlichen Spielraum bei <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/weissabgleich\/\" target=\"_self\" title=\"Nat&uuml;rliche Farben trotz unterschiedlichem Licht Eine wei&szlig;e Hauswand bleibt f&uuml;r uns wei&szlig; &ndash; egal, ob wir sie im warmen Licht einer Gl&uuml;hlampe, im Schatten oder unter einem bedeckten Himmel betrachten. Unser Sehsystem passt sich erstaunlich gut an unterschiedliche Lichtfarben an.&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Wei&szlig;abgleich<\/a>, Helligkeit und Kontrast.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber keine dieser M&ouml;glichkeiten macht schlechtes Wetter automatisch zu gutem Wetter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Entscheidende passiert schon vorher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du musst erkennen, was die Situation anbietet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Nebel k&ouml;nnte das die Reduktion sein. Bei Regen vielleicht eine Spiegelung auf dem Asphalt. Bei stark bew&ouml;lktem Himmel das weiche Licht. Kurz vor oder nach einem Schauer k&ouml;nnen pl&ouml;tzlich einzelne Sonnenstrahlen durch die Wolken brechen. Und manchmal ist gerade ein bedrohlicher Himmel das Element, das einer ansonsten gew&ouml;hnlichen Landschaft ihre Stimmung gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Landschaftsfotograf Felix Inden beschreibt schwieriges Wetter entsprechend als Quelle von Stimmung und Tiefe, die ein klarer Himmel h&auml;ufig nicht bietet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Technik hilft uns dabei, solche Bedingungen zu bew&auml;ltigen. Sehen m&uuml;ssen wir sie trotzdem selbst.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">In der Praxis: Der verregnete Waldspaziergang<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stell Dir vor, Du m&ouml;chtest an einem Herbstmorgen im Wald fotografieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du hattest auf Sonnenstrahlen zwischen bunten Bl&auml;ttern gehofft. Stattdessen ist der Himmel grau, leichter Regen f&auml;llt und &uuml;ber dem Boden h&auml;ngt etwas Nebel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du k&ouml;nntest entt&auml;uscht nach Hause fahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder Du &auml;nderst Deine Bildidee.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pl&ouml;tzlich sind die Kontraste geringer. Die nassen Bl&auml;tter leuchten kr&auml;ftiger. Baumst&auml;mme werden dunkler und bekommen mehr Struktur. Im Hintergrund verschwinden die B&auml;ume langsam im Nebel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das urspr&uuml;nglich geplante Foto bekommst Du nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daf&uuml;r bietet sich Dir ein anderes an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier funktioniert der Merksatz hervorragend: Nicht gegen die vorhandenen Bedingungen fotografieren, sondern &uuml;berlegen, welches Bild <strong>wegen dieser Bedingungen<\/strong> entstehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das funktioniert allerdings auch in die andere Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Du f&uuml;r ein bestimmtes Motiv unbedingt Seitenlicht brauchst und der Himmel den ganzen Tag geschlossen bleibt, darfst Du genauso gut sagen: Heute wird das nichts. Dann kommst Du eben wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch das geh&ouml;rt zur Fotografie.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Urteil<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kommt darauf an<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gedanke hinter dem Merksatz gef&auml;llt mir sehr gut. Seine Formulierung dagegen weniger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&bdquo;Schlechtes Wetter gibt es nicht&ldquo; kann ein wunderbarer Ansto&szlig; sein, die Kamera gerade dann mitzunehmen, wenn andere sie zu Hause lassen. Wer ausschlie&szlig;lich auf Sonne und blauen Himmel wartet, verzichtet freiwillig auf viele interessante Licht- und Wetterstimmungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&bdquo;Nur schlechte Fotografen&ldquo; macht daraus allerdings einen unn&ouml;tigen Vorwurf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gute Fotografie bedeutet f&uuml;r mich nicht, unter allen Bedingungen ein gutes Bild produzieren zu m&uuml;ssen. Viel wichtiger ist es, Wetter als Teil der Bildgestaltung zu verstehen. Manchmal nutzt Du die vorhandenen Bedingungen. Manchmal &auml;nderst Du Deine urspr&uuml;ngliche Idee. Und manchmal stellst Du fest, dass heute einfach nicht das Licht da ist, das Dein Bild braucht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wetter ist keine Qualit&auml;tsstufe von &bdquo;gut&ldquo; bis &bdquo;schlecht&ldquo;. Es ver&auml;ndert Licht, Farben, Kontraste und Atmosph&auml;re &ndash; und damit die fotografischen M&ouml;glichkeiten. Entscheidend ist, ob diese M&ouml;glichkeiten zu Deiner Bildidee passen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht sollten wir den alten Spruch deshalb etwas umformulieren:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schlechtes Wetter gibt es durchaus. Aber fotografisch uninteressantes Wetter erstaunlich selten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wenn drau&szlig;en wirklich waagerecht der Regen am Fenster vorbeifliegt, darfst Du trotzdem zu Hause bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie&szlig;lich musst Du nicht jedes Mal Deine fotografische Ehre verteidigen, nur weil es regnet.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSchlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Fotografen.\u201c Regen. Nebel. Ein grauer Himmel, der aussieht, als h\u00e4tte jemand die Farbs\u00e4ttigung auf null gedreht. Vielleicht noch ein kr\u00e4ftiger Wind dazu, damit auch wirklich keine Lust aufkommt, die Kamera aus der Tasche zu holen. Und dann f\u00e4llt dieser Satz: \u201eSchlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Fotografen.\u201c Das klingt wunderbar entschlossen. Fast so, als m\u00fcsse ein guter Fotograf aus jeder Wetterlage zwangsl\u00e4ufig ein gro\u00dfartiges Bild mit nach Hause bringen. Aber stimmt das wirklich? Oder wird hier aus einem durchaus vern\u00fcnftigen fotografischen Gedanken eine ziemlich \u00fcberhebliche Regel? Woher kommt der Gedanke? Eine belastbare urspr\u00fcngliche Quelle f\u00fcr genau diesen Wortlaut l\u00e4sst sich nicht eindeutig feststellen. Der Satz wirkt vielmehr wie eine fotografische Abwandlung der bekannten Redewendung \u201eEs gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung\u201c. Varianten dieser Redewendung sind besonders im Zusammenhang mit Outdoor-Aktivit\u00e4ten verbreitet. Auch in der Fotografie begegnet uns der dahinterstehende Gedanke immer wieder: Regen, Nebel, Schnee oder Sturm m\u00fcssen keine Hindernisse sein. Sie k\u00f6nnen Bedingungen schaffen, unter denen Bilder \u00fcberhaupt erst interessant werden. Naturfotograf Conny Lundstr\u00f6m bringt beispielsweise einen sehr \u00e4hnlichen Gedanken auf den Punkt: Fotografie bedeute, das Beste aus den vorhandenen Bedingungen zu machen; gerade vermeintlich schlechtes Wetter k\u00f6nne spektakul\u00e4re Bilder erm\u00f6glichen. Auch Landschaftsfotograf Fortunato Gatto beschreibt Wetter nicht einfach als gut oder schlecht, sondern verbindet unterschiedliche Wetterlagen mit unterschiedlichen Bildstimmungen. Der genaue Ursprung unseres Merksatzes bleibt damit offen. Der fotografische Gedanke dahinter ist jedoch durchaus nachvollziehbar. Was ist daran richtig? Fotografisch betrachtet gibt es tats\u00e4chlich erstaunlich wenige Wetterlagen, die grunds\u00e4tzlich ungeeignet sind. Ein wolkenloser Sommertag liefert anderes Licht als ein nebliger Novembermorgen. Regen ver\u00e4ndert Farben und Oberfl\u00e4chen. Nasse Stra\u00dfen beginnen zu spiegeln. Nebel reduziert die Landschaft auf wenige Ebenen und Formen. Schnee ver\u00e4ndert Kontraste und Farben. Dunkle Wolken k\u00f6nnen einer Landschaft eine Dramatik geben, die bei blauem Himmel schlicht nicht vorhanden w\u00e4re. Selbst gleichm\u00e4\u00dfiges graues Licht kann ausgesprochen n\u00fctzlich sein. Bei bedecktem Himmel entstehen meist weichere Schatten und geringere Helligkeitsunterschiede als bei direkter Sonne. Genau deshalb k\u00f6nnen Farben und Details unter solchen Bedingungen besonders gut zur Geltung kommen. Diane Cook und Len Jenshel nutzten beispielsweise einen Regentag bei der Fotografie eines Ginkgobaums in Tokio bewusst zu ihrem Vorteil: Das ged\u00e4mpfte Licht lie\u00df die kr\u00e4ftigen Farben der Bl\u00e4tter hervortreten, w\u00e4hrend direktes Sonnenlicht deutlich st\u00e4rkere Kontraste erzeugt h\u00e4tte. Der sinnvolle Kern des Merksatzes lautet deshalb f\u00fcr mich: Beurteile Wetter nicht danach, ob es angenehm ist, sondern danach, welche Bilder damit m\u00f6glich werden. Das ist ein erheblicher Unterschied. Wo wird es zu einfach? Problematisch wird der Satz bei den \u201eschlechten Fotografen\u201c. Denn nat\u00fcrlich passt nicht jedes Wetter zu jedem Bild. Wer eine bestimmte Landschaft im warmen Licht eines Sonnenuntergangs fotografieren m\u00f6chte, bekommt dieses Bild bei dichtem Hochnebel schlicht nicht. Ein Architekturfotograf kann f\u00fcr eine geplante Aufnahme bestimmte Lichtbedingungen ben\u00f6tigen. Bei einem kommerziellen Shooting k\u00f6nnen sogar sehr konkrete Anforderungen an Licht und Wetter bestehen. Das macht niemanden zu einem schlechten Fotografen. Im Gegenteil: Zu guter Fotografie geh\u00f6rt auch zu erkennen, ob die vorhandenen Bedingungen zur eigenen Bildidee passen. Und dann gibt es noch eine wesentlich wichtigere Grenze: Sicherheit. Gewitter, Sturm, extreme Hitze, starke K\u00e4lte, Hochwasser oder Glatteis werden nicht dadurch ungef\u00e4hrlich, dass eine Kamera dabei ist. Auch die Ausr\u00fcstung besitzt Grenzen. Wetterfestigkeit bedeutet schlie\u00dflich nicht, dass Kamera und Objektiv unter allen Umst\u00e4nden unverwundbar sind. Manchmal besteht die fotografisch vern\u00fcnftigste Entscheidung deshalb tats\u00e4chlich darin, die Kamera einzupacken. Was bedeutet das heute? Moderne Kameratechnik erweitert unsere M\u00f6glichkeiten erheblich. Hohe ISO-Werte sind wesentlich besser nutzbar als bei vielen \u00e4lteren Digitalkameras. Bildstabilisatoren erm\u00f6glichen l\u00e4ngere Belichtungszeiten aus der Hand. Moderne Autofokussysteme arbeiten auch bei wenig Licht erstaunlich zuverl\u00e4ssig. Und eine RAW-Datei bietet bei der sp\u00e4teren Entwicklung betr\u00e4chtlichen Spielraum bei Wei\u00dfabgleich, Helligkeit und Kontrast. Aber keine dieser M\u00f6glichkeiten macht schlechtes Wetter automatisch zu gutem Wetter. Das Entscheidende passiert schon vorher. Du musst erkennen, was die Situation anbietet. Bei Nebel k\u00f6nnte das die Reduktion sein. Bei Regen vielleicht eine Spiegelung auf dem Asphalt. Bei stark bew\u00f6lktem Himmel das weiche Licht. Kurz vor oder nach einem Schauer k\u00f6nnen pl\u00f6tzlich einzelne Sonnenstrahlen durch die Wolken brechen. Und manchmal ist gerade ein bedrohlicher Himmel das Element, das einer ansonsten gew\u00f6hnlichen Landschaft ihre Stimmung gibt. Landschaftsfotograf Felix Inden beschreibt schwieriges Wetter entsprechend als Quelle von Stimmung und Tiefe, die ein klarer Himmel h\u00e4ufig nicht bietet. Technik hilft uns dabei, solche Bedingungen zu bew\u00e4ltigen. Sehen m\u00fcssen wir sie trotzdem selbst. In der Praxis: Der verregnete Waldspaziergang Stell Dir vor, Du m\u00f6chtest an einem Herbstmorgen im Wald fotografieren. Du hattest auf Sonnenstrahlen zwischen bunten Bl\u00e4ttern gehofft. Stattdessen ist der Himmel grau, leichter Regen f\u00e4llt und \u00fcber dem Boden h\u00e4ngt etwas Nebel. Du k\u00f6nntest entt\u00e4uscht nach Hause fahren. Oder Du \u00e4nderst Deine Bildidee. Pl\u00f6tzlich sind die Kontraste geringer. Die nassen Bl\u00e4tter leuchten kr\u00e4ftiger. Baumst\u00e4mme werden dunkler und bekommen mehr Struktur. Im Hintergrund verschwinden die B\u00e4ume langsam im Nebel. Das urspr\u00fcnglich geplante Foto bekommst Du nicht. Daf\u00fcr bietet sich Dir ein anderes an. Genau hier funktioniert der Merksatz hervorragend: Nicht gegen die vorhandenen Bedingungen fotografieren, sondern \u00fcberlegen, welches Bild wegen dieser Bedingungen entstehen kann. Das funktioniert allerdings auch in die andere Richtung. Wenn Du f\u00fcr ein bestimmtes Motiv unbedingt Seitenlicht brauchst und der Himmel den ganzen Tag geschlossen bleibt, darfst Du genauso gut sagen: Heute wird das nichts. Dann kommst Du eben wieder. Auch das geh\u00f6rt zur Fotografie. Mein Urteil Kommt darauf an Der Gedanke hinter dem Merksatz gef\u00e4llt mir sehr gut. Seine Formulierung dagegen weniger. \u201eSchlechtes Wetter gibt es nicht\u201c kann ein wunderbarer Ansto\u00df sein, die Kamera gerade dann mitzunehmen, wenn andere sie zu Hause lassen. Wer ausschlie\u00dflich auf Sonne und blauen Himmel wartet, verzichtet freiwillig auf viele interessante Licht- und Wetterstimmungen. \u201eNur schlechte Fotografen\u201c macht daraus allerdings einen unn\u00f6tigen Vorwurf. Gute Fotografie bedeutet f\u00fcr mich nicht, unter allen Bedingungen ein gutes Bild produzieren zu m\u00fcssen. Viel wichtiger ist es, Wetter als Teil der Bildgestaltung zu verstehen. Manchmal nutzt Du die vorhandenen Bedingungen. Manchmal \u00e4nderst Du Deine urspr\u00fcngliche Idee. Und manchmal stellst Du fest, dass heute einfach nicht das Licht da ist, das Dein Bild braucht. Vielleicht sollten wir den alten Spruch deshalb etwas umformulieren: Schlechtes Wetter gibt es durchaus. Aber fotografisch uninteressantes Wetter erstaunlich selten. Und wenn drau\u00dfen wirklich waagerecht der Regen am Fenster vorbeifliegt, darfst Du trotzdem zu Hause bleiben. 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