{"id":12629,"date":"2026-08-21T18:30:00","date_gmt":"2026-08-21T16:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/juergenpubanz.de\/?p=12629"},"modified":"2026-08-21T20:49:30","modified_gmt":"2026-08-21T18:49:30","slug":"vivian-maier-die-fotografin-die-ihre-bilder-fuer-sich-behielt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/vivian-maier-die-fotografin-die-ihre-bilder-fuer-sich-behielt\/","title":{"rendered":"Vivian Maier \u2013 die Fotografin, die ihre Bilder f\u00fcr sich behielt"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Fotografen, deren Karriere sich ziemlich geradlinig erz&auml;hlen l&auml;sst: erste Ver&ouml;ffentlichungen, Ausstellungen, B&uuml;cher, Preise. Und dann gibt es Vivian Maier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie fotografierte &uuml;ber Jahrzehnte hinweg das Leben auf den Stra&szlig;en von New York und vor allem Chicago. Menschen, Gesten, Kinder, elegante Passanten, Arbeiter, Menschen am Rand der Gesellschaft, Schaufenster, Spiegelungen &ndash; und immer wieder sich selbst. Dabei entstand ein gewaltiges fotografisches Archiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur kannte es zu ihren Lebzeiten kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vivian Maier arbeitete nicht als Berufsfotografin, sondern &uuml;berwiegend als Kinderm&auml;dchen und Betreuerin. Viele ihrer Bilder blieben unver&ouml;ffentlicht, ein Teil ihres Filmmaterials sogar unentwickelt. Heute dagegen wird ihre Arbeit international ausgestellt und im Zusammenhang mit bedeutender amerikanischer Street Photography betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das allein w&auml;re schon eine ungew&ouml;hnliche Geschichte. Interessanter finde ich jedoch eine andere Frage:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was war an ihrem fotografischen Blick so besonders, dass uns ihre Bilder Jahrzehnte sp&auml;ter noch besch&auml;ftigen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein Hinweis zu den Bildern:<\/strong> Vivian Maiers Fotografien sind weiterhin urheberrechtlich gesch&uuml;tzt. Deshalb zeige ich ihre Aufnahmen in diesem Beitrag nicht als eigene Abbildungen. Du musst trotzdem nicht nur &uuml;ber ihre Bilder lesen: Im ersten Drittel des Artikels findest Du ein eingebettetes Video des YouTube-Kanals <em>Great Photographers<\/em>, in dem zahlreiche Fotografien Vivian Maiers zu sehen sind. Zus&auml;tzlich verlinke ich auf &ouml;ffentliche Sammlungen und Ausstellungen, in denen Du weitere Arbeiten entdecken kannst.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wer war Vivian Maier?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vivian Dorothy Maier wurde am 1. Februar 1926 in New York geboren. Ihre famili&auml;ren Wurzeln lagen sowohl in Europa als auch in den USA, und einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte sie in Frankreich. 1951 kehrte sie in die Vereinigten Staaten zur&uuml;ck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp&auml;ter lebte sie vor allem im Raum Chicago und verdiente ihren Lebensunterhalt &uuml;ber viele Jahre als Kinderm&auml;dchen und Betreuerin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fotografie lief gewisserma&szlig;en parallel zu diesem Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&Uuml;ber mehrere Jahrzehnte hinweg fotografierte Maier kontinuierlich. Ihr heute bekannter Nachlass umfasst weit mehr als 100.000 Aufnahmen. Neben Schwarzwei&szlig;negativen existieren Farbmaterial, Dias und Filme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bemerkenswerte daran ist jedoch nicht allein die Menge. Maier entwickelte &uuml;ber die Jahre einen ausgesprochen aufmerksamen Blick auf ihre Umgebung, ohne daraus zu Lebzeiten eine &ouml;ffentlich sichtbare fotografische Karriere zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau das erschwert allerdings auch die heutige Einordnung. Vieles, was wir &uuml;ber ihre Absichten gerne wissen w&uuml;rden, wissen wir schlicht nicht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von der Brownie zur Rolleiflex<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maiers fotografische Entwicklung begann vergleichsweise unspektakul&auml;r. Um 1949 fotografierte sie in Frankreich mit einer einfachen Kodak Brownie. Eine solche Kamera bot nur sehr begrenzte M&ouml;glichkeiten zur technischen Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach ihrer R&uuml;ckkehr in die USA &auml;nderte sich das. 1952 kaufte sie eine Rolleiflex. Diese zwei&auml;ugige Mittelformatkamera wurde zu einem wichtigen Werkzeug ihrer Fotografie. Und das nicht nur wegen der besseren technischen M&ouml;glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer Rolleiflex schaust Du von oben auf die Mattscheibe, statt die Kamera direkt vors Auge zu nehmen. Dadurch ver&auml;ndert sich auch die Art, wie Du einem Menschen gegen&uuml;bertrittst. Die Kamera befindet sich ungef&auml;hr auf Brust- oder Bauchh&ouml;he, w&auml;hrend der Blick des Fotografen nach unten in den Lichtschachtsucher geht.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Rolleiflex_f2-8.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12634\" style=\"width:344px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Rolleiflex_f2-8.jpg 1280w, https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Rolleiflex_f2-8-400x400.jpg 400w, https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Rolleiflex_f2-8-150x150.jpg 150w, https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Rolleiflex_f2-8-768x768.jpg 768w, https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Rolleiflex_f2-8-12x12.jpg 12w, https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Rolleiflex_f2-8-1140x1140.jpg 1140w, https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Rolleiflex_f2-8-300x300.jpg 300w, https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Rolleiflex_f2-8-75x75.jpg 75w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rolleiflex 2.8&nbsp;F mit <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/belichtungsmesser\/\" target=\"_self\" title=\"Wie die Kamera das Licht misst Du richtest die Kamera auf eine verschneite Landschaft, &uuml;berl&auml;sst ihr die Belichtung &ndash; und der eigentlich wei&szlig;e Schnee wirkt auf dem Foto pl&ouml;tzlich grau. Bei einem schwarzen Motiv kann genau das Gegenteil passieren: Die Kamera belichtet st&auml;rker, als Du es erwartet hast. In beiden F&auml;llen hat der Belichtungsmesser nicht unbedingt einen Fehler gemacht. Er hat schlicht etwas anderes getan, als wir Menschen beim Betrachten einer Szene tun: Er hat Licht gemessen. Genau darin liegt der Schl&uuml;ssel zum Verst&auml;ndnis des Belichtungsmessers. Wer wei&szlig;, was er misst und wie die Kamera daraus eine Belichtung ableitet, kann viele&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Belichtungsmesser<\/a>, neueres modell, Foto: Sputniktilt, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CC BY-SA 3.0<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das macht eine Kamera nat&uuml;rlich nicht unsichtbar. Aber die Situation kann weniger konfrontativ wirken als mit einer Kamera unmittelbar vor dem Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Vivian Maier passt diese Arbeitsweise erstaunlich gut zu vielen ihrer Bilder. Sie scheint mitten im Geschehen zu sein und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nah dran, ohne laut zu werden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich Maiers Fotografien betrachte, f&auml;llt mir weniger ein bestimmter technischer Effekt auf als ihre Aufmerksamkeit f&uuml;r Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Street Photography lebt h&auml;ufig nicht vom spektakul&auml;ren Ereignis. Es sind kleine Situationen, die interessant werden: ein Gesichtsausdruck, eine Haltung, ein kurzer Blick oder zwei Menschen, die f&uuml;r den Bruchteil einer Sekunde eine Beziehung innerhalb des Bildes eingehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei konnte Maier ausgesprochen direkt fotografieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen schauen teilweise geradewegs in ihre Kamera. Andere scheinen sie nicht wahrzunehmen. Wieder andere begegnen ihr mit einem Ausdruck irgendwo zwischen Neugier, Skepsis und &Uuml;berraschung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt ihr Gesp&uuml;r f&uuml;r den Bildaufbau. Linien, Schatten, Spiegelungen und geometrische Strukturen ordnen das scheinbare Chaos der Stra&szlig;e. Menschen stehen nicht einfach zuf&auml;llig im Bild &ndash; ihre Position innerhalb des Rahmens tr&auml;gt wesentlich zur Wirkung bei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade darin liegt f&uuml;r mich eine St&auml;rke ihrer Fotografie:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Bilder wirken spontan, aber nicht beliebig.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vivian Maier in Bildern<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle lohnt es sich, den Text kurz zu unterbrechen und sich Maiers Fotografien selbst anzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der YouTube-Kanal <strong>Great Photographers<\/strong> hat Vivian Maier eine ausf&uuml;hrliche Bildpr&auml;sentation gewidmet. Das Video zeigt zahlreiche Aufnahmen aus unterschiedlichen Bereichen ihres Werks und vermittelt dadurch einen sehr direkten Eindruck ihrer fotografischen Handschrift.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Anschauen w&uuml;rde ich weniger darauf achten, <em>was<\/em> Maier fotografiert hat, sondern darauf, <em>wie<\/em> sie es fotografiert hat: auf den Abstand zu den Menschen, auf Blickrichtungen und Gesten, auf Spiegelungen und Schatten und auf die Art, wie sie Personen im quadratischen Bildformat platziert.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Vivian Maier\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/lKaR7laHLwY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Menschen am Rand des gro&szlig;en Stadtbildes<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maier fotografierte das urbane Leben in vielen Facetten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Kindern, Passanten und wohlhabend gekleideten Menschen finden sich in ihrem Werk auch Armut und gesellschaftliche Randlagen. Sie richtete ihre Kamera also nicht nur auf die angenehmen Seiten des amerikanischen Alltags.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei sollten wir vorsichtig sein, ihr nachtr&auml;glich eine eindeutig formulierte sozialdokumentarische Mission zuzuschreiben. Wir besitzen keine ausreichende Grundlage, um jedes ihrer Motive mit einer bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Absicht zu erkl&auml;ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was sich an den Bildern erkennen l&auml;sst, ist zun&auml;chst etwas Einfacheres:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie schaute hin.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie interessierte sich f&uuml;r Menschen und Situationen, die im normalen Strom einer Gro&szlig;stadt leicht &uuml;bersehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das macht viele ihrer Fotografien heute zugleich zu historischen Dokumenten. Wir sehen nicht nur einzelne Personen, sondern Kleidung, Stra&szlig;en, Gesch&auml;fte, Autos, soziale Unterschiede und das allt&auml;gliche Leben amerikanischer Gro&szlig;st&auml;dte in der zweiten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die geheimnisvollen Selbstportr&auml;ts<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein besonders faszinierender Teil ihres Werks sind ihre Selbstportr&auml;ts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings handelt es sich h&auml;ufig nicht um Selbstportr&auml;ts in dem Sinn, wie wir den Begriff heute durch Selfies verstehen. Maier nutzt Spiegel, Schaufensterscheiben und Schatten. Manchmal erscheint sie deutlich, manchmal fast beil&auml;ufig als Teil einer gr&ouml;&szlig;eren Komposition.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hat eine eigenartige Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fotografin, die sonst beobachtet, wird pl&ouml;tzlich selbst Bestandteil des Bildes. Und trotzdem gibt sie nicht unbedingt viel von sich preis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade diese Fotografien haben sicherlich zur sp&auml;teren Vorstellung von der &bdquo;geheimnisvollen Vivian Maier&ldquo; beigetragen. Man sollte daraus jedoch keine einfache psychologische Erkl&auml;rung konstruieren. Dass jemand h&auml;ufig Selbstportr&auml;ts anfertigt, verr&auml;t uns noch nicht zuverl&auml;ssig, was dieser Mensch &uuml;ber sich selbst dachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fotografisch sind diese Bilder auch ohne solche Spekulationen spannend genug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie zeigen, wie bewusst Maier mit Ebenen, Rahmen, Spiegelungen und der Position der eigenen Person im Bild umgehen konnte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vivian Maier fotografierte nicht nur Schwarzwei&szlig;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer an Vivian Maier denkt, hat vermutlich zun&auml;chst ihre quadratischen Schwarzwei&szlig;aufnahmen vor Augen. Das ist verst&auml;ndlich, bildet ihr Werk aber nur teilweise ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp&auml;ter arbeitete Maier zunehmend mit Farbe. Dabei ver&auml;nderte sich auch ihre Motivwelt. Farbfl&auml;chen, Schilder, Graffiti, Zeitungen und scheinbar beil&auml;ufig gefundene Gegenst&auml;nde gewannen an Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Farbfotografie zeigt deshalb noch einmal eine etwas andere Seite ihres Sehens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Chicago History Museum besitzt heute rund 1.800 Farbnegative, Dias und Transparencies. Darunter befinden sich Aufnahmen aus New York, Chicago, den Vororten Chicagos und von Maiers Reisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&rarr; <strong><a href=\"https:\/\/images.chicagohistory.org\/vivian-maier-collection\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vivian Maier: Her Chicago &ndash; Chicago History Museum<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade diese Bilder machen deutlich, dass Maier nicht jahrzehntelang einfach dieselbe fotografische Formel wiederholte. Ihr Blick entwickelte sich weiter.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Werk ohne endg&uuml;ltige Auswahl der Fotografin<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier liegt einer der schwierigsten Punkte bei Vivian Maier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Fotografen entscheiden selbst, welche Bilder sie ver&ouml;ffentlichen, welche Aufnahme zu einer Serie geh&ouml;rt, wie ein Bild beschnitten wird und wie der endg&uuml;ltige Abzug aussehen soll. Dadurch entsteht aus einem gro&szlig;en Negativbestand nach und nach ein Werk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Maier ist diese Situation komplizierter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein erheblicher Teil ihres Materials war zu ihren Lebzeiten unver&ouml;ffentlicht, manches sogar unentwickelt. Die Bilder, die wir heute in B&uuml;chern, Ausstellungen und im Internet sehen, sind deshalb zumindest teilweise das Ergebnis einer nachtr&auml;glichen Sichtung und Auswahl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass die Fotografien weniger wertvoll w&auml;ren. Es bedeutet aber, dass wir zwischen <strong>Maiers Fotografien<\/strong> und der sp&auml;teren <strong>Pr&auml;sentation ihres Nachlasses<\/strong> unterscheiden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt, dass ihr Nachlass heute nicht geschlossen an einem einzigen Ort liegt. Teile befinden sich bei privaten Sammlern, Galerien und &ouml;ffentlichen Institutionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit stellt Maiers Geschichte eine interessante Frage, die weit &uuml;ber ihre Person hinausgeht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wer bestimmt eigentlich, was zum Werk eines Fotografen geh&ouml;rt, wenn der Fotograf diese Auswahl nicht mehr selbst getroffen hat?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Entdeckung, die alles ver&auml;nderte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2007 wurden Teile von Maiers eingelagertem Besitz versteigert, nachdem Lagerkosten nicht bezahlt worden waren. Zu den K&auml;ufern geh&ouml;rte John Maloof.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er hatte damit zun&auml;chst keineswegs die gro&szlig;e unbekannte Street-Fotografin des 20. Jahrhunderts gesucht. Erst bei der Besch&auml;ftigung mit dem Material wurde nach und nach deutlich, welchen Umfang und welche fotografische Qualit&auml;t der Bestand besa&szlig;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maloof war dabei nicht der Einzige, der Material aus Maiers Nachlass erwarb. Mehrere Sammler gelangten an Negative und Abz&uuml;ge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu einem pers&ouml;nlichen Gespr&auml;ch zwischen Maloof und Maier kam es nicht mehr. Vivian Maier starb am 21. April 2009 in Chicago.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Fotografien aus den Best&auml;nden im Internet gezeigt wurden, wuchs das Interesse erheblich. Es folgten B&uuml;cher, Ausstellungen und schlie&szlig;lich auch der Dokumentarfilm <em>Finding Vivian Maier<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus einer zu Lebzeiten weitgehend unbekannten privaten Fotografin wurde posthum eine international bekannte Figur der Fotografie.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum Vivian Maier f&uuml;r die Fotografie wichtig ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w&auml;re verf&uuml;hrerisch, ihre Bedeutung allein mit der unglaublichen Geschichte ihrer Entdeckung zu erkl&auml;ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das w&uuml;rde ihren Bildern allerdings nicht gerecht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte sorgt daf&uuml;r, dass man neugierig wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Fotografien sorgen daf&uuml;r, dass man bleibt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maier besa&szlig; ein ausgepr&auml;gtes Gesp&uuml;r f&uuml;r Situationen, Komposition und menschliche Gesten. Sie bewegte sich durch die Stadt mit einer Aufmerksamkeit, die allt&auml;gliche Szenen fotografisch interessant werden lie&szlig;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Arbeit wird heute im Kontext der amerikanischen Street Photography betrachtet. Vergleiche mit Fotografen wie Helen Levitt, Diane Arbus oder Garry Winogrand k&ouml;nnen bei der kunsthistorischen Orientierung helfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem sollte Maier nicht einfach als nachtr&auml;glich entdeckte Variante bereits bekannter Street-Fotografen betrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Bilder besitzen eine eigene Mischung aus N&auml;he und Distanz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und vielleicht liegt darin ein wesentlicher Grund f&uuml;r ihre anhaltende Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was k&ouml;nnen wir heute von Vivian Maier mitnehmen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du brauchst keine Rolleiflex und musst auch nicht durch Chicago laufen, um etwas aus Maiers Fotografie mitzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel wichtiger ist ihr aufmerksames Beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Street Photography wird heute schnell mit Reaktionsgeschwindigkeit verbunden. Schneller <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/autofokus\/\" target=\"_self\" title=\"Der Autofokus, kurz AF, ist ein System zur automatischen Scharfstellung einer Kamera. Er ermittelt, auf welcher Entfernung sich das ausgew&auml;hlte Motiv befindet, und steuert das Objektiv so, dass dieses m&ouml;glichst scharf auf dem Film oder Bildsensor abgebildet wird. Bei modernen Kameras kann der Autofokus nicht nur einen festen Punkt erfassen, sondern auch Personen, Tiere, Fahrzeuge und andere bewegte Motive verfolgen. Wie funktioniert der Autofokus? Damit ein Bild scharf erscheint, m&uuml;ssen die vom Motiv ausgehenden Lichtstrahlen m&ouml;glichst genau auf der Bildebene zusammentreffen. Beim manuellen Fokussieren ver&auml;ndert der Fotograf die Stellung der Linsen &uuml;ber den Fokusring. Beim Autofokus &uuml;bernimmt diese Aufgabe ein elektronisch&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Autofokus<\/a>, Serienbilder und kleine spiegellose Kameras machen es technisch so einfach wie nie, einen kurzen Moment festzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber eine Kamera kann nur aufnehmen, was Du vorher &uuml;berhaupt bemerkst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier wird Vivian Maier interessant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stell Dir vor, Du gehst mit Deiner Kamera durch eine Fu&szlig;g&auml;ngerzone. Nat&uuml;rlich k&ouml;nntest Du versuchen, m&ouml;glichst viele Menschen zu fotografieren. Interessanter wird es meist, wenn Du langsamer wirst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie f&auml;llt das Licht zwischen zwei H&auml;usern hindurch? Wer bleibt vor einem Schaufenster stehen? Welche Person hebt sich durch ihre Haltung aus einer Gruppe heraus? Welche Spiegelung verbindet pl&ouml;tzlich zwei Ebenen miteinander?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann wartest Du vielleicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und auf einmal passiert etwas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht unbedingt etwas Gro&szlig;es. Vielleicht nur ein Blick oder eine Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber genau daraus kann ein Bild entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maiers Fotografie erinnert daran, dass Street Photography weniger mit Stra&szlig;en als mit <strong>Beobachtung<\/strong> zu tun hat.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Blick auf Vivian Maier<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mich fasziniert an Vivian Maier nicht in erster Linie die oft erz&auml;hlte Geschichte vom unbekannten Kinderm&auml;dchen, das heimlich ein fotografisches Meisterwerk hinterlie&szlig;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Geschichte ist nat&uuml;rlich au&szlig;ergew&ouml;hnlich. Sie kann aber auch vom Wesentlichen ablenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von ihren Bildern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich finde besonders interessant, wie wenig Spektakel viele dieser Fotografien ben&ouml;tigen. Da explodiert nichts, niemand muss &uuml;ber eine Pf&uuml;tze springen und nicht jede Aufnahme braucht einen offensichtlich &bdquo;entscheidenden Moment&ldquo;. Manchmal reichen ein Mensch, eine Haltung und ein gut gesetzter Bildrahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig bleibt f&uuml;r mich ein gewisses Unbehagen bei der Vorstellung, ein Werk zu beurteilen, dessen endg&uuml;ltige &ouml;ffentliche Form die Fotografin selbst nicht mehr bestimmen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wissen nicht, welche Bilder Vivian Maier ausgew&auml;hlt h&auml;tte. Wir wissen nicht, welche sie verworfen h&auml;tte. Und wir wissen nicht, wie sie selbst ihr fotografisches Werk eingeordnet h&auml;tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht sollten wir diese offenen Fragen auch offenlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn Vivian Maier muss gar nicht vollst&auml;ndig entschl&uuml;sselt werden, damit ihre Fotografien funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vivian Maiers Lebensgeschichte geh&ouml;rt zu den ungew&ouml;hnlichsten Geschichten der modernen Fotografie. Doch ihre Bedeutung l&auml;sst sich nicht auf die spektakul&auml;re Entdeckung eines vergessenen Archivs reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant bleibt ihr Blick.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Blick f&uuml;r Menschen, f&uuml;r kleine Gesten, f&uuml;r Spiegelungen und Schatten, f&uuml;r soziale Gegens&auml;tze und f&uuml;r jene kurzen Situationen, an denen andere vorbeigehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist das auch die wichtigste Anregung, die Du aus ihren Bildern f&uuml;r Deine eigene Fotografie mitnehmen kannst:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nicht jede gute Fotografie beginnt mit einem au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Motiv. Manchmal beginnt sie einfach damit, dass jemand genauer hinsieht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vivian Maiers Fotografien ansehen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/www.chicagohistory.org\/exhibition\/vivian-maier-her-chicago\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Chicago History Museum &ndash; Vivian Maier: Her Chicago<\/a><\/strong><br>Das Chicago History Museum besitzt rund 1.800 Farbnegative, Dias und Transparencies aus Maiers Werk. Auf der Seite zur Ausstellung <em>Vivian Maier: Her Chicago<\/em> findest Du Informationen zur Sammlung und ausgew&auml;hlte Fotografien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/images.chicagohistory.org\/vivian-maier-collection\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Chicago History Museum Images &ndash; Vivian Maier Collection<\/a><\/strong><br>Wenn Du vor allem Maiers Fotografien sehen m&ouml;chtest, ist die digitale Bildsammlung besonders interessant. Hier kannst Du direkt durch &ouml;ffentlich zug&auml;ngliche Aufnahmen aus dem Bestand des Museums st&ouml;bern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/www.chicagohistory.org\/collections\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Chicago History Museum &ndash; Collections<\/a><\/strong><br>Die allgemeine Sammlungsseite des Museums bietet einen Einstieg in die umfangreichen fotografischen Best&auml;nde des Chicago History Museum. Vivian Maier wird dort ebenfalls als Teil der bedeutenden Fotosammlungen des Hauses gef&uuml;hrt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehr zu Vivian Maier auf Fotografie &amp; Vinyl<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"\/filmtipp-finding-vivian-maier-faszinierende-studie-eines-brillanten-unentdeckten-talents\/\" data-type=\"link\" data-id=\"\/filmtipp-finding-vivian-maier-faszinierende-studie-eines-brillanten-unentdeckten-talents\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Filmtipp: Finding Vivian Maier &ndash; faszinierende Studie eines brillanten unentdeckten Talents<\/strong><\/a><br>Dokumentarfilm &uuml;ber das geheimnisvolle Leben und die erstaunliche Arbeit von Vivian Maier<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\">\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiterf&uuml;hrende Informationen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/images.chicagohistory.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Vivian-Maier-Public-FAQs.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Chicago History Museum &ndash; Vivian Maier Photographs Collection FAQs<\/a><\/strong><br>Das PDF des Museums enth&auml;lt Hintergrundinformationen zum Bestand, zur Herkunft und Aufteilung des Nachlasses sowie zur urheberrechtlichen Situation der Fotografien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Fotografen, deren Karriere sich ziemlich geradlinig erz\u00e4hlen l\u00e4sst: erste Ver\u00f6ffentlichungen, Ausstellungen, B\u00fccher, Preise. Und dann gibt es Vivian Maier. Sie fotografierte \u00fcber Jahrzehnte hinweg das Leben auf den Stra\u00dfen von New York und vor allem Chicago. Menschen, Gesten, Kinder, elegante Passanten, Arbeiter, Menschen am Rand der Gesellschaft, Schaufenster, Spiegelungen \u2013 und immer wieder sich selbst. Dabei entstand ein gewaltiges fotografisches Archiv. Nur kannte es zu ihren Lebzeiten kaum jemand. Vivian Maier arbeitete nicht als Berufsfotografin, sondern \u00fcberwiegend als Kinderm\u00e4dchen und Betreuerin. Viele ihrer Bilder blieben unver\u00f6ffentlicht, ein Teil ihres Filmmaterials sogar unentwickelt. Heute dagegen wird ihre Arbeit international ausgestellt und im Zusammenhang mit bedeutender amerikanischer Street Photography betrachtet. Das allein w\u00e4re schon eine ungew\u00f6hnliche Geschichte. Interessanter finde ich jedoch eine andere Frage: Was war an ihrem fotografischen Blick so besonders, dass uns ihre Bilder Jahrzehnte sp\u00e4ter noch besch\u00e4ftigen? Ein Hinweis zu den Bildern: Vivian Maiers Fotografien sind weiterhin urheberrechtlich gesch\u00fctzt. Deshalb zeige ich ihre Aufnahmen in diesem Beitrag nicht als eigene Abbildungen. Du musst trotzdem nicht nur \u00fcber ihre Bilder lesen: Im ersten Drittel des Artikels findest Du ein eingebettetes Video des YouTube-Kanals Great Photographers, in dem zahlreiche Fotografien Vivian Maiers zu sehen sind. Zus\u00e4tzlich verlinke ich auf \u00f6ffentliche Sammlungen und Ausstellungen, in denen Du weitere Arbeiten entdecken kannst. Wer war Vivian Maier? Vivian Dorothy Maier wurde am 1. Februar 1926 in New York geboren. Ihre famili\u00e4ren Wurzeln lagen sowohl in Europa als auch in den USA, und einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte sie in Frankreich. 1951 kehrte sie in die Vereinigten Staaten zur\u00fcck. Sp\u00e4ter lebte sie vor allem im Raum Chicago und verdiente ihren Lebensunterhalt \u00fcber viele Jahre als Kinderm\u00e4dchen und Betreuerin. Die Fotografie lief gewisserma\u00dfen parallel zu diesem Leben. \u00dcber mehrere Jahrzehnte hinweg fotografierte Maier kontinuierlich. Ihr heute bekannter Nachlass umfasst weit mehr als 100.000 Aufnahmen. Neben Schwarzwei\u00dfnegativen existieren Farbmaterial, Dias und Filme. Das Bemerkenswerte daran ist jedoch nicht allein die Menge. Maier entwickelte \u00fcber die Jahre einen ausgesprochen aufmerksamen Blick auf ihre Umgebung, ohne daraus zu Lebzeiten eine \u00f6ffentlich sichtbare fotografische Karriere zu machen. Genau das erschwert allerdings auch die heutige Einordnung. Vieles, was wir \u00fcber ihre Absichten gerne wissen w\u00fcrden, wissen wir schlicht nicht. Von der Brownie zur Rolleiflex Maiers fotografische Entwicklung begann vergleichsweise unspektakul\u00e4r. Um 1949 fotografierte sie in Frankreich mit einer einfachen Kodak Brownie. Eine solche Kamera bot nur sehr begrenzte M\u00f6glichkeiten zur technischen Kontrolle. Nach ihrer R\u00fcckkehr in die USA \u00e4nderte sich das. 1952 kaufte sie eine Rolleiflex. Diese zwei\u00e4ugige Mittelformatkamera wurde zu einem wichtigen Werkzeug ihrer Fotografie. Und das nicht nur wegen der besseren technischen M\u00f6glichkeiten. Bei einer Rolleiflex schaust Du von oben auf die Mattscheibe, statt die Kamera direkt vors Auge zu nehmen. Dadurch ver\u00e4ndert sich auch die Art, wie Du einem Menschen gegen\u00fcbertrittst. Die Kamera befindet sich ungef\u00e4hr auf Brust- oder Bauchh\u00f6he, w\u00e4hrend der Blick des Fotografen nach unten in den Lichtschachtsucher geht. Das macht eine Kamera nat\u00fcrlich nicht unsichtbar. Aber die Situation kann weniger konfrontativ wirken als mit einer Kamera unmittelbar vor dem Gesicht. Bei Vivian Maier passt diese Arbeitsweise erstaunlich gut zu vielen ihrer Bilder. Sie scheint mitten im Geschehen zu sein und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu bewahren. Nah dran, ohne laut zu werden Wenn ich Maiers Fotografien betrachte, f\u00e4llt mir weniger ein bestimmter technischer Effekt auf als ihre Aufmerksamkeit f\u00fcr Menschen. Ihre Street Photography lebt h\u00e4ufig nicht vom spektakul\u00e4ren Ereignis. Es sind kleine Situationen, die interessant werden: ein Gesichtsausdruck, eine Haltung, ein kurzer Blick oder zwei Menschen, die f\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde eine Beziehung innerhalb des Bildes eingehen. Dabei konnte Maier ausgesprochen direkt fotografieren. Menschen schauen teilweise geradewegs in ihre Kamera. Andere scheinen sie nicht wahrzunehmen. Wieder andere begegnen ihr mit einem Ausdruck irgendwo zwischen Neugier, Skepsis und \u00dcberraschung. Hinzu kommt ihr Gesp\u00fcr f\u00fcr den Bildaufbau. Linien, Schatten, Spiegelungen und geometrische Strukturen ordnen das scheinbare Chaos der Stra\u00dfe. Menschen stehen nicht einfach zuf\u00e4llig im Bild \u2013 ihre Position innerhalb des Rahmens tr\u00e4gt wesentlich zur Wirkung bei. Gerade darin liegt f\u00fcr mich eine St\u00e4rke ihrer Fotografie: Die Bilder wirken spontan, aber nicht beliebig. Vivian Maier in Bildern An dieser Stelle lohnt es sich, den Text kurz zu unterbrechen und sich Maiers Fotografien selbst anzusehen. Der YouTube-Kanal Great Photographers hat Vivian Maier eine ausf\u00fchrliche Bildpr\u00e4sentation gewidmet. Das Video zeigt zahlreiche Aufnahmen aus unterschiedlichen Bereichen ihres Werks und vermittelt dadurch einen sehr direkten Eindruck ihrer fotografischen Handschrift. Beim Anschauen w\u00fcrde ich weniger darauf achten, was Maier fotografiert hat, sondern darauf, wie sie es fotografiert hat: auf den Abstand zu den Menschen, auf Blickrichtungen und Gesten, auf Spiegelungen und Schatten und auf die Art, wie sie Personen im quadratischen Bildformat platziert. Menschen am Rand des gro\u00dfen Stadtbildes Maier fotografierte das urbane Leben in vielen Facetten. Neben Kindern, Passanten und wohlhabend gekleideten Menschen finden sich in ihrem Werk auch Armut und gesellschaftliche Randlagen. Sie richtete ihre Kamera also nicht nur auf die angenehmen Seiten des amerikanischen Alltags. Dabei sollten wir vorsichtig sein, ihr nachtr\u00e4glich eine eindeutig formulierte sozialdokumentarische Mission zuzuschreiben. Wir besitzen keine ausreichende Grundlage, um jedes ihrer Motive mit einer bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Absicht zu erkl\u00e4ren. Was sich an den Bildern erkennen l\u00e4sst, ist zun\u00e4chst etwas Einfacheres: Sie schaute hin. Sie interessierte sich f\u00fcr Menschen und Situationen, die im normalen Strom einer Gro\u00dfstadt leicht \u00fcbersehen werden. Das macht viele ihrer Fotografien heute zugleich zu historischen Dokumenten. Wir sehen nicht nur einzelne Personen, sondern Kleidung, Stra\u00dfen, Gesch\u00e4fte, Autos, soziale Unterschiede und das allt\u00e4gliche Leben amerikanischer Gro\u00dfst\u00e4dte in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Die geheimnisvollen Selbstportr\u00e4ts Ein besonders faszinierender Teil ihres Werks sind ihre Selbstportr\u00e4ts. Allerdings handelt es sich h\u00e4ufig nicht um Selbstportr\u00e4ts in dem Sinn, wie wir den Begriff heute durch Selfies verstehen. Maier nutzt Spiegel, Schaufensterscheiben und Schatten. Manchmal erscheint sie deutlich, manchmal fast beil\u00e4ufig als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Komposition. Das hat eine eigenartige Wirkung. Die Fotografin, die sonst beobachtet, wird pl\u00f6tzlich selbst Bestandteil des Bildes. Und trotzdem gibt sie nicht unbedingt viel von sich preis. Gerade diese Fotografien haben sicherlich zur sp\u00e4teren Vorstellung von der \u201egeheimnisvollen Vivian Maier\u201c beigetragen. Man sollte daraus jedoch keine einfache psychologische Erkl\u00e4rung konstruieren. Dass jemand h\u00e4ufig Selbstportr\u00e4ts anfertigt, verr\u00e4t uns noch nicht zuverl\u00e4ssig, was dieser Mensch \u00fcber sich selbst dachte. Fotografisch sind diese Bilder auch ohne solche Spekulationen spannend genug. Sie zeigen, wie bewusst Maier mit Ebenen, Rahmen, Spiegelungen und der Position der eigenen Person im Bild umgehen konnte. Vivian Maier fotografierte nicht nur Schwarzwei\u00df Wer an Vivian Maier denkt, hat vermutlich zun\u00e4chst ihre quadratischen Schwarzwei\u00dfaufnahmen vor Augen. Das ist verst\u00e4ndlich, bildet ihr Werk aber nur teilweise ab. Sp\u00e4ter arbeitete Maier zunehmend mit Farbe. Dabei ver\u00e4nderte sich auch ihre Motivwelt. Farbfl\u00e4chen, Schilder, Graffiti, Zeitungen und scheinbar beil\u00e4ufig gefundene Gegenst\u00e4nde gewannen an Bedeutung. Ihre Farbfotografie zeigt deshalb noch einmal eine etwas andere Seite ihres Sehens. Das Chicago History Museum besitzt heute rund 1.800 Farbnegative, Dias und Transparencies. Darunter befinden sich Aufnahmen aus New York, Chicago, den Vororten Chicagos und von Maiers Reisen. \u2192 Vivian Maier: Her Chicago \u2013 Chicago History Museum Gerade diese Bilder machen deutlich, dass Maier nicht jahrzehntelang einfach dieselbe fotografische Formel wiederholte. Ihr Blick entwickelte sich weiter. Ein Werk ohne endg\u00fcltige Auswahl der Fotografin Hier liegt einer der schwierigsten Punkte bei Vivian Maier. Viele Fotografen entscheiden selbst, welche Bilder sie ver\u00f6ffentlichen, welche Aufnahme zu einer Serie geh\u00f6rt, wie ein Bild beschnitten wird und wie der endg\u00fcltige Abzug aussehen soll. Dadurch entsteht aus einem gro\u00dfen Negativbestand nach und nach ein Werk. Bei Maier ist diese Situation komplizierter. Ein erheblicher Teil ihres Materials war zu ihren Lebzeiten unver\u00f6ffentlicht, manches sogar unentwickelt. Die Bilder, die wir heute in B\u00fcchern, Ausstellungen und im Internet sehen, sind deshalb zumindest teilweise das Ergebnis einer nachtr\u00e4glichen Sichtung und Auswahl. Das bedeutet nicht, dass die Fotografien weniger wertvoll w\u00e4ren. Es bedeutet aber, dass wir zwischen Maiers Fotografien und der sp\u00e4teren Pr\u00e4sentation ihres Nachlasses unterscheiden sollten. Hinzu kommt, dass ihr Nachlass heute nicht geschlossen an einem einzigen Ort liegt. Teile befinden sich bei privaten Sammlern, Galerien und \u00f6ffentlichen Institutionen. Damit stellt Maiers Geschichte eine interessante Frage, die weit \u00fcber ihre Person hinausgeht: Wer bestimmt eigentlich, was zum Werk eines Fotografen geh\u00f6rt, wenn der Fotograf diese Auswahl nicht mehr selbst getroffen hat? Die Entdeckung, die alles ver\u00e4nderte 2007 wurden Teile von Maiers eingelagertem Besitz versteigert, nachdem Lagerkosten nicht bezahlt worden waren. Zu den K\u00e4ufern geh\u00f6rte John Maloof. Er hatte damit zun\u00e4chst keineswegs die gro\u00dfe unbekannte Street-Fotografin des 20. Jahrhunderts gesucht. Erst bei der Besch\u00e4ftigung mit dem Material wurde nach und nach deutlich, welchen Umfang und welche fotografische Qualit\u00e4t der Bestand besa\u00df. Maloof war dabei nicht der Einzige, der Material aus Maiers Nachlass erwarb. Mehrere Sammler gelangten an Negative und Abz\u00fcge. Zu einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch zwischen Maloof und Maier kam es nicht mehr. Vivian Maier starb am 21. April 2009 in Chicago. Nachdem Fotografien aus den Best\u00e4nden im Internet gezeigt wurden, wuchs das Interesse erheblich. Es folgten B\u00fccher, Ausstellungen und schlie\u00dflich auch der Dokumentarfilm Finding Vivian Maier. Aus einer zu Lebzeiten weitgehend unbekannten privaten Fotografin wurde posthum eine international bekannte Figur der Fotografie. Warum Vivian Maier f\u00fcr die Fotografie wichtig ist Es w\u00e4re verf\u00fchrerisch, ihre Bedeutung allein mit der unglaublichen Geschichte ihrer Entdeckung zu erkl\u00e4ren. Das w\u00fcrde ihren Bildern allerdings nicht gerecht. Die Geschichte sorgt daf\u00fcr, dass man neugierig wird. Die Fotografien sorgen daf\u00fcr, dass man bleibt. Maier besa\u00df ein ausgepr\u00e4gtes Gesp\u00fcr f\u00fcr Situationen, Komposition und menschliche Gesten. Sie bewegte sich durch die Stadt mit einer Aufmerksamkeit, die allt\u00e4gliche Szenen fotografisch interessant werden lie\u00df. Ihre Arbeit wird heute im Kontext der amerikanischen Street Photography betrachtet. Vergleiche mit Fotografen wie Helen Levitt, Diane Arbus oder Garry Winogrand k\u00f6nnen bei der kunsthistorischen Orientierung helfen. Trotzdem sollte Maier nicht einfach als nachtr\u00e4glich entdeckte Variante bereits bekannter Street-Fotografen betrachtet werden. Ihre Bilder besitzen eine eigene Mischung aus N\u00e4he und Distanz. Und vielleicht liegt darin ein wesentlicher Grund f\u00fcr ihre anhaltende Wirkung. Was k\u00f6nnen wir heute von Vivian Maier mitnehmen? Du brauchst keine Rolleiflex und musst auch nicht durch Chicago laufen, um etwas aus Maiers Fotografie mitzunehmen. Viel wichtiger ist ihr aufmerksames Beobachten. Street Photography wird heute schnell mit Reaktionsgeschwindigkeit verbunden. Schneller Autofokus, Serienbilder und kleine spiegellose Kameras machen es technisch so einfach wie nie, einen kurzen Moment festzuhalten. Aber eine Kamera kann nur aufnehmen, was Du vorher \u00fcberhaupt bemerkst. Genau hier wird Vivian Maier interessant. Stell Dir vor, Du gehst mit Deiner Kamera durch eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Nat\u00fcrlich k\u00f6nntest Du versuchen, m\u00f6glichst viele Menschen zu fotografieren. Interessanter wird es meist, wenn Du langsamer wirst. Wie f\u00e4llt das Licht zwischen zwei H\u00e4usern hindurch? Wer bleibt vor einem Schaufenster stehen? Welche Person hebt sich durch ihre Haltung aus einer Gruppe heraus? Welche Spiegelung verbindet pl\u00f6tzlich zwei Ebenen miteinander? Dann wartest Du vielleicht. Und auf einmal passiert etwas. Nicht unbedingt etwas Gro\u00dfes. Vielleicht nur ein Blick oder eine Bewegung. Aber genau daraus kann ein Bild entstehen. Maiers Fotografie erinnert daran, dass Street Photography weniger mit Stra\u00dfen als mit Beobachtung zu tun hat. Mein Blick auf Vivian Maier Mich fasziniert an Vivian Maier nicht in erster Linie die oft erz\u00e4hlte Geschichte vom unbekannten Kinderm\u00e4dchen, das heimlich ein fotografisches Meisterwerk hinterlie\u00df. Diese Geschichte ist nat\u00fcrlich au\u00dfergew\u00f6hnlich. Sie kann aber auch vom Wesentlichen ablenken. Von ihren Bildern. Ich finde besonders interessant, wie wenig Spektakel viele dieser Fotografien ben\u00f6tigen. Da explodiert nichts, niemand muss \u00fcber eine Pf\u00fctze springen und nicht jede Aufnahme braucht einen offensichtlich \u201eentscheidenden Moment\u201c. Manchmal reichen ein Mensch, eine Haltung und ein gut gesetzter Bildrahmen. Gleichzeitig bleibt f\u00fcr mich ein gewisses Unbehagen bei der Vorstellung, ein Werk zu beurteilen, dessen endg\u00fcltige \u00f6ffentliche Form die Fotografin selbst nicht mehr bestimmen konnte. Wir wissen nicht, welche Bilder Vivian Maier ausgew\u00e4hlt h\u00e4tte. Wir wissen nicht, welche sie verworfen h\u00e4tte. Und wir wissen nicht, wie sie selbst ihr fotografisches Werk eingeordnet h\u00e4tte. Vielleicht sollten wir diese offenen Fragen auch offenlassen. Denn Vivian Maier muss gar nicht vollst\u00e4ndig entschl\u00fcsselt werden, damit ihre Fotografien funktionieren. Vivian Maiers Lebensgeschichte geh\u00f6rt zu den ungew\u00f6hnlichsten Geschichten der modernen Fotografie. Doch ihre Bedeutung l\u00e4sst sich nicht auf die spektakul\u00e4re Entdeckung eines vergessenen Archivs reduzieren. Interessant bleibt ihr Blick. Ein Blick f\u00fcr Menschen, f\u00fcr kleine Gesten, f\u00fcr Spiegelungen und Schatten, f\u00fcr soziale Gegens\u00e4tze und f\u00fcr jene&#8230;<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":12630,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-12629","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fotografie-blog"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Vivian Maier \u2013 Leben, Bilder und ihr besonderer Blick auf die Stra\u00dfe - Fotografie &amp; Vinyl<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Vivian Maier fotografierte jahrzehntelang das Leben auf den Stra\u00dfen, blieb selbst aber nahezu unbekannt. 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