{"id":12241,"date":"2026-08-09T17:12:00","date_gmt":"2026-08-09T15:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/juergenpubanz.de\/?p=12241"},"modified":"2026-08-09T17:12:02","modified_gmt":"2026-08-09T15:12:02","slug":"das-lieblingsfoto-liegt-noch-vor-uns-ein-gedanke-von-imogen-cunningham","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/das-lieblingsfoto-liegt-noch-vor-uns-ein-gedanke-von-imogen-cunningham\/","title":{"rendered":"Das Lieblingsfoto liegt noch vor uns \u2013 ein Gedanke von Imogen Cunningham"},"content":{"rendered":"<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201cWhich of my photographs is my favorite? The one I\u2019m going to take tomorrow.\u201d<br>Imogen Cunningham<\/h2>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sinngem\u00e4\u00dfe deutsche \u00dcbersetzung:<\/strong><br>\u201eWelches meiner Bilder ist mein Lieblingsfoto? Das, welches ich morgen machen werde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum ausgerechnet das Foto von morgen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer l\u00e4nger fotografiert, kennt vermutlich beide Seiten: Da gibt es Bilder, an denen man h\u00e4ngt. Vielleicht wegen des Motivs, vielleicht wegen der Erinnerung, vielleicht auch einfach deshalb, weil bei diesem einen Foto Licht, Moment und Gestaltung erstaunlich gut zusammengefunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und trotzdem w\u00e4re es merkw\u00fcrdig, wenn irgendwann endg\u00fcltig festst\u00fcnde: Das war es. Mein bestes Bild. Besser wird es nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau deshalb gef\u00e4llt mir der Cunningham zugeschriebene Satz. Er richtet den Blick nicht zur\u00fcck auf das Archiv, sondern nach vorn. Das interessanteste Bild ist noch nicht entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einen Menschen, der \u00fcber Jahrzehnte fotografiert und dabei ganz unterschiedliche fotografische Ausdrucksformen erkundet hat, ist das zumindest ein bemerkenswert passender Gedanke.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine Fotografin, die sich nicht auf einen Stil reduzieren lie\u00df<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Imogen Cunningham wurde 1883 in Portland, Oregon, geboren und begann bereits um die Jahrhundertwende zu fotografieren. Sie studierte Chemie an der University of Washington und besch\u00e4ftigte sich intensiv mit fotografischen Verfahren. Von 1907 bis 1909 arbeitete sie im Studio von Edward S. Curtis, bevor sie ihre Kenntnisse der fotografischen Chemie in Dresden vertiefte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant f\u00fcr unser Zitat ist vor allem die Entwicklung ihres fotografischen Werks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cunninghams fr\u00fche Arbeiten standen noch unter dem Einfluss des Piktorialismus mit seinen weichen, teilweise fast malerisch wirkenden Bildern. Sp\u00e4ter wandte sie sich einer wesentlich klareren, pr\u00e4ziseren Bildsprache zu. Ihre Pflanzenstudien aus den 1920er-Jahren machten sie international bekannt. 1932 geh\u00f6rte sie zur Group f\/64, deren Mitglieder f\u00fcr scharfe, detailreiche und unmittelbar fotografische Bilder standen. Gleichzeitig arbeitete Cunningham als Portr\u00e4tfotografin und besch\u00e4ftigte sich ebenso mit Akt-, Pflanzen- und sp\u00e4ter auch Stra\u00dfenfotografie.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"677\" src=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Imogen_Cunnigham.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12246\" style=\"aspect-ratio:0.7385529435288068;width:360px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Imogen_Cunnigham.jpg 500w, https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Imogen_Cunnigham-295x400.jpg 295w, https:\/\/juergenpubanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Imogen_Cunnigham-9x12.jpg 9w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Imogen Cunningham<\/em>, Bild: Gemeinfrei<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade diese Vielseitigkeit ist bemerkenswert. Ihre Karriere erstreckte sich \u00fcber rund sieben Jahrzehnte, ohne dass sie sich dauerhaft auf ein einziges Motivgebiet oder eine einzige fotografische Ausdrucksweise festlegen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst im hohen Alter blieb sie fotografisch aktiv. Mit \u00fcber 90 Jahren begann sie noch das Projekt <em>After Ninety<\/em>, f\u00fcr das sie andere hochbetagte Menschen portr\u00e4tierte. Cunningham starb 1976, bevor das Projekt abgeschlossen war; das daraus entstandene Buch erschien ein Jahr sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund bekommt der Gedanke vom Lieblingsfoto, das erst morgen entstehen wird, eine besondere Glaubw\u00fcrdigkeit.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vielleicht geht es gar nicht um das Lieblingsfoto<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte den Satz zun\u00e4chst ganz w\u00f6rtlich lesen: Cunningham habe ihre bisherigen Fotografien nicht besonders wichtig gefunden und grunds\u00e4tzlich erwartet, dass die n\u00e4chste besser w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das w\u00e4re mir allerdings zu einfach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wissen ohne den urspr\u00fcnglichen Gespr\u00e4chskontext nicht sicher, welche genaue Absicht hinter der Formulierung stand. Das Zitat l\u00e4sst sich aber sehr gut als Ausdruck einer fotografischen Haltung verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann geht es weniger darum, das bisherige Werk abzuwerten. Es geht um Neugier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sein vermeintlich bestes Foto bereits gemacht hat, k\u00f6nnte sich bequem zur\u00fccklehnen. Wer dagegen glaubt, dass morgen etwas Interessantes entstehen k\u00f6nnte, muss weiter beobachten, ausprobieren und fotografieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Entscheidende w\u00e4re dann nicht das einzelne Meisterwerk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re die Bereitschaft, weiterzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade Cunninghams eigenes Werk macht diese Interpretation interessant. Eine Fotografin, die sich vom Piktorialismus zur modernen, scharf gezeichneten Fotografie entwickelte, Pflanzen ebenso untersuchte wie Menschen und noch im hohen Alter neue Projekte begann, scheint fotografischen Stillstand jedenfalls nicht besonders attraktiv gefunden zu haben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Heute besitzen wir mehr Bilder \u2013 aber nicht unbedingt mehr Neugier<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gedanke wirkt in der digitalen Fotografie fast noch aktueller.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Technisch gesehen war es nie einfacher, Bilder zu produzieren. Eine Speicherkarte fasst Tausende Aufnahmen. Das Smartphone steckt st\u00e4ndig in der Tasche. Autofokus, Belichtungsautomatik und Bildstabilisierung nehmen uns viele technische H\u00fcrden ab. Danach helfen RAW-Entwicklung und Bildbearbeitung, aus den Dateien noch mehr herauszuholen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das alles ist gro\u00dfartig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur beantwortet moderne Technik eine entscheidende Frage nicht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was m\u00f6chtest Du morgen anders sehen als heute?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau an dieser Stelle bekommt Cunninghams Satz f\u00fcr mich seine heutige Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fotografische Entwicklung entsteht nicht automatisch dadurch, dass die n\u00e4chste Kamera einen besseren Sensor besitzt oder ein neues Objektiv sch\u00e4rfer abbildet. Sie entsteht auch dadurch, dass wir neugierig bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht probierst Du eine andere Perspektive aus. Vielleicht fotografierst Du ein Motiv, das Du bisher ignoriert hast. Vielleicht kehrst Du zum selben Ort zur\u00fcck und bemerkst pl\u00f6tzlich etwas, das Dir beim ersten Besuch entgangen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Foto von morgen muss technisch \u00fcberhaupt nicht besser sein als das von heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es k\u00f6nnte aber anders sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau darin kann Entwicklung liegen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Morgen mit derselben Kamera<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stell Dir vor, Du gehst regelm\u00e4\u00dfig an einem kleinen See fotografieren. Du kennst inzwischen die guten Standorte. Du wei\u00dft, wo morgens die Sonne auftaucht und welcher Baum sich besonders sch\u00f6n im Wasser spiegelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines Deiner Bilder ist richtig gut geworden. Ruhiges Wasser, leichter Nebel, sch\u00f6nes Licht. Vielleicht h\u00e4ngt es sogar bei Dir an der Wand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nntest Du versuchen, dieses Foto beim n\u00e4chsten Besuch noch einmal zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch morgen ist der Nebel verschwunden. Das Wasser bewegt sich. Das Licht f\u00e4llt anders. Am Ufer sitzt pl\u00f6tzlich ein Angler, wo beim letzten Mal niemand war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt hast Du zwei M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du kannst darauf warten, dass die Bedingungen endlich wieder so werden wie bei Deinem Lieblingsbild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder Du schaust Dir an, was heute da ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht wird daraus kein besseres Bild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber m\u00f6glicherweise entdeckst Du etwas, das Du beim Versuch, Deinen bisherigen Erfolg zu wiederholen, niemals gesehen h\u00e4ttest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist f\u00fcr mich der praktische Kern dieses Zitats: Das eigene Archiv darf Inspiration sein. Es sollte aber nicht zur Schablone werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Blick auf das Zitat<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich mag den Satz vor allem deshalb, weil er Erfolg in der Fotografie nicht als Endpunkt betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei w\u00fcrde ich ihn nicht als Aufforderung verstehen, mit den eigenen Bildern grunds\u00e4tzlich unzufrieden zu sein. Genau das w\u00e4re sogar eine ziemlich ungesunde Konsequenz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man darf sich \u00fcber ein gelungenes Foto freuen. Man darf Lieblingsbilder haben. Und manche Fotografien gewinnen mit den Jahren sogar an pers\u00f6nlicher Bedeutung, statt von neueren Aufnahmen verdr\u00e4ngt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb ist das Foto von morgen f\u00fcr mich nicht automatisch das bessere Foto.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist das <strong>noch m\u00f6gliche Foto<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darin liegt ein kleiner, aber wichtiger Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorstellung, dass das interessanteste Bild vielleicht noch vor mir liegt, h\u00e4lt die Fotografie offen. Sie macht neugierig auf den n\u00e4chsten Spaziergang, das n\u00e4chste Licht, den n\u00e4chsten Menschen vor der Kamera oder einfach auf eine allt\u00e4gliche Szene, an der ich bisher hundertmal vorbeigelaufen bin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und vielleicht ist genau diese Neugier wertvoller als die Frage, welches Bild im eigenen Archiv nun tats\u00e4chlich auf Platz eins steht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das n\u00e4chste Bild wartet nicht im Archiv<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein fotografisches Werk entsteht aus Bildern, die bereits gemacht wurden. Fotografie selbst lebt aber vom n\u00e4chsten Blick.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Imogen Cunningham blieb bis ins hohe Alter aktiv und begann selbst jenseits der 90 noch ein neues fotografisches Projekt. Vielleicht passt der ihr zugeschriebene Satz gerade deshalb so gut zu ihrer Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht weil morgen zwangsl\u00e4ufig das beste Foto unseres Lebens entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sondern weil es \u00fcberhaupt noch entstehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und das ist eigentlich ein ziemlich guter Grund, die Kamera wieder mitzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen und weiterf\u00fchrende Informationen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/www.imogencunningham.com\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.imogencunningham.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Imogen Cunningham Trust<\/a><\/strong> \u2013 Das von Cunningham selbst angesto\u00dfene Archiv bewahrt Negative und Abz\u00fcge ihres fotografischen Werks und dokumentiert ihre fotografische Entwicklung und ihren Nachlass.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/www.getty.edu\/art\/exhibitions\/cunningham\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">J. Paul Getty Museum \u2013 Imogen Cunningham: A Retrospective<\/a><\/strong> \u2013 Umfangreiche Darstellung ihrer Entwicklung vom Piktorialismus \u00fcber die Pflanzenstudien und Portr\u00e4ts bis zu ihrem Sp\u00e4twerk <em>After Ninety<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/www.aaa.si.edu\/collections\/imogen-cunningham-papers-9453\/biographical-note\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Smithsonian Institution, Archives of American Art<\/a><\/strong> \u2013 Biografische Angaben und Archivbestand zu Imogen Cunningham, darunter ihre Ausbildung, ihre Arbeit bei Edward S. Curtis und ihre Beteiligung an der Group f\/64.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"https:\/\/www.nga.gov\/artists\/18603-imogen-cunningham\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">National Gallery of Art<\/a><\/strong> \u2013 Biografische \u00dcbersicht zu Cunninghams fotografischer Ausbildung, ihrem fr\u00fchen Piktorialismus, ihren Pflanzenstudien und der Group f\/64.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zum Zitat:<\/strong> Der englische Wortlaut \u201eWhich of my photographs is my favorite? The one I&#8217;m going to take tomorrow.\u201c wird Cunningham vielfach zugeschrieben. Als bibliografische Quelle wird James Danzigers <em>Interviews With Master Photographers<\/em> genannt. Eine frei zug\u00e4ngliche Prim\u00e4rquelle, mit der sich der urspr\u00fcngliche Gespr\u00e4chskontext vollst\u00e4ndig verifizieren l\u00e4sst, konnte f\u00fcr diesen Beitrag nicht ermittelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cWhich of my photographs is my favorite? The one I\u2019m going to take tomorrow.\u201dImogen Cunningham Sinngem\u00e4\u00dfe deutsche \u00dcbersetzung:\u201eWelches meiner Bilder ist mein Lieblingsfoto? Das, welches ich morgen machen werde.\u201c Warum ausgerechnet das Foto von morgen? Wer l\u00e4nger fotografiert, kennt vermutlich beide Seiten: Da gibt es Bilder, an denen man h\u00e4ngt. Vielleicht wegen des Motivs, vielleicht wegen der Erinnerung, vielleicht auch einfach deshalb, weil bei diesem einen Foto Licht, Moment und Gestaltung erstaunlich gut zusammengefunden haben. Und trotzdem w\u00e4re es merkw\u00fcrdig, wenn irgendwann endg\u00fcltig festst\u00fcnde: Das war es. Mein bestes Bild. Besser wird es nicht mehr. Genau deshalb gef\u00e4llt mir der Cunningham zugeschriebene Satz. Er richtet den Blick nicht zur\u00fcck auf das Archiv, sondern nach vorn. Das interessanteste Bild ist noch nicht entstanden. F\u00fcr einen Menschen, der \u00fcber Jahrzehnte fotografiert und dabei ganz unterschiedliche fotografische Ausdrucksformen erkundet hat, ist das zumindest ein bemerkenswert passender Gedanke. Eine Fotografin, die sich nicht auf einen Stil reduzieren lie\u00df Imogen Cunningham wurde 1883 in Portland, Oregon, geboren und begann bereits um die Jahrhundertwende zu fotografieren. Sie studierte Chemie an der University of Washington und besch\u00e4ftigte sich intensiv mit fotografischen Verfahren. Von 1907 bis 1909 arbeitete sie im Studio von Edward S. Curtis, bevor sie ihre Kenntnisse der fotografischen Chemie in Dresden vertiefte. Interessant f\u00fcr unser Zitat ist vor allem die Entwicklung ihres fotografischen Werks. Cunninghams fr\u00fche Arbeiten standen noch unter dem Einfluss des Piktorialismus mit seinen weichen, teilweise fast malerisch wirkenden Bildern. Sp\u00e4ter wandte sie sich einer wesentlich klareren, pr\u00e4ziseren Bildsprache zu. Ihre Pflanzenstudien aus den 1920er-Jahren machten sie international bekannt. 1932 geh\u00f6rte sie zur Group f\/64, deren Mitglieder f\u00fcr scharfe, detailreiche und unmittelbar fotografische Bilder standen. Gleichzeitig arbeitete Cunningham als Portr\u00e4tfotografin und besch\u00e4ftigte sich ebenso mit Akt-, Pflanzen- und sp\u00e4ter auch Stra\u00dfenfotografie. Gerade diese Vielseitigkeit ist bemerkenswert. Ihre Karriere erstreckte sich \u00fcber rund sieben Jahrzehnte, ohne dass sie sich dauerhaft auf ein einziges Motivgebiet oder eine einzige fotografische Ausdrucksweise festlegen lie\u00df. Selbst im hohen Alter blieb sie fotografisch aktiv. Mit \u00fcber 90 Jahren begann sie noch das Projekt After Ninety, f\u00fcr das sie andere hochbetagte Menschen portr\u00e4tierte. Cunningham starb 1976, bevor das Projekt abgeschlossen war; das daraus entstandene Buch erschien ein Jahr sp\u00e4ter. Vor diesem Hintergrund bekommt der Gedanke vom Lieblingsfoto, das erst morgen entstehen wird, eine besondere Glaubw\u00fcrdigkeit. Vielleicht geht es gar nicht um das Lieblingsfoto Man k\u00f6nnte den Satz zun\u00e4chst ganz w\u00f6rtlich lesen: Cunningham habe ihre bisherigen Fotografien nicht besonders wichtig gefunden und grunds\u00e4tzlich erwartet, dass die n\u00e4chste besser w\u00fcrde. Das w\u00e4re mir allerdings zu einfach. Wir wissen ohne den urspr\u00fcnglichen Gespr\u00e4chskontext nicht sicher, welche genaue Absicht hinter der Formulierung stand. Das Zitat l\u00e4sst sich aber sehr gut als Ausdruck einer fotografischen Haltung verstehen. Dann geht es weniger darum, das bisherige Werk abzuwerten. Es geht um Neugier. Wer sein vermeintlich bestes Foto bereits gemacht hat, k\u00f6nnte sich bequem zur\u00fccklehnen. Wer dagegen glaubt, dass morgen etwas Interessantes entstehen k\u00f6nnte, muss weiter beobachten, ausprobieren und fotografieren. Das Entscheidende w\u00e4re dann nicht das einzelne Meisterwerk. Es w\u00e4re die Bereitschaft, weiterzusehen. Gerade Cunninghams eigenes Werk macht diese Interpretation interessant. Eine Fotografin, die sich vom Piktorialismus zur modernen, scharf gezeichneten Fotografie entwickelte, Pflanzen ebenso untersuchte wie Menschen und noch im hohen Alter neue Projekte begann, scheint fotografischen Stillstand jedenfalls nicht besonders attraktiv gefunden zu haben. Heute besitzen wir mehr Bilder \u2013 aber nicht unbedingt mehr Neugier Der Gedanke wirkt in der digitalen Fotografie fast noch aktueller. Technisch gesehen war es nie einfacher, Bilder zu produzieren. Eine Speicherkarte fasst Tausende Aufnahmen. Das Smartphone steckt st\u00e4ndig in der Tasche. Autofokus, Belichtungsautomatik und Bildstabilisierung nehmen uns viele technische H\u00fcrden ab. Danach helfen RAW-Entwicklung und Bildbearbeitung, aus den Dateien noch mehr herauszuholen. Das alles ist gro\u00dfartig. Nur beantwortet moderne Technik eine entscheidende Frage nicht: Was m\u00f6chtest Du morgen anders sehen als heute? Genau an dieser Stelle bekommt Cunninghams Satz f\u00fcr mich seine heutige Bedeutung. Fotografische Entwicklung entsteht nicht automatisch dadurch, dass die n\u00e4chste Kamera einen besseren Sensor besitzt oder ein neues Objektiv sch\u00e4rfer abbildet. Sie entsteht auch dadurch, dass wir neugierig bleiben. Vielleicht probierst Du eine andere Perspektive aus. Vielleicht fotografierst Du ein Motiv, das Du bisher ignoriert hast. Vielleicht kehrst Du zum selben Ort zur\u00fcck und bemerkst pl\u00f6tzlich etwas, das Dir beim ersten Besuch entgangen ist. Das Foto von morgen muss technisch \u00fcberhaupt nicht besser sein als das von heute. Es k\u00f6nnte aber anders sein. Und genau darin kann Entwicklung liegen. Ein Morgen mit derselben Kamera Stell Dir vor, Du gehst regelm\u00e4\u00dfig an einem kleinen See fotografieren. Du kennst inzwischen die guten Standorte. Du wei\u00dft, wo morgens die Sonne auftaucht und welcher Baum sich besonders sch\u00f6n im Wasser spiegelt. Eines Deiner Bilder ist richtig gut geworden. Ruhiges Wasser, leichter Nebel, sch\u00f6nes Licht. Vielleicht h\u00e4ngt es sogar bei Dir an der Wand. Nat\u00fcrlich k\u00f6nntest Du versuchen, dieses Foto beim n\u00e4chsten Besuch noch einmal zu machen. Doch morgen ist der Nebel verschwunden. Das Wasser bewegt sich. Das Licht f\u00e4llt anders. Am Ufer sitzt pl\u00f6tzlich ein Angler, wo beim letzten Mal niemand war. Jetzt hast Du zwei M\u00f6glichkeiten. Du kannst darauf warten, dass die Bedingungen endlich wieder so werden wie bei Deinem Lieblingsbild. Oder Du schaust Dir an, was heute da ist. Vielleicht wird daraus kein besseres Bild. Aber m\u00f6glicherweise entdeckst Du etwas, das Du beim Versuch, Deinen bisherigen Erfolg zu wiederholen, niemals gesehen h\u00e4ttest. Das ist f\u00fcr mich der praktische Kern dieses Zitats: Das eigene Archiv darf Inspiration sein. Es sollte aber nicht zur Schablone werden. Mein Blick auf das Zitat Ich mag den Satz vor allem deshalb, weil er Erfolg in der Fotografie nicht als Endpunkt betrachtet. Dabei w\u00fcrde ich ihn nicht als Aufforderung verstehen, mit den eigenen Bildern grunds\u00e4tzlich unzufrieden zu sein. Genau das w\u00e4re sogar eine ziemlich ungesunde Konsequenz. Man darf sich \u00fcber ein gelungenes Foto freuen. Man darf Lieblingsbilder haben. Und manche Fotografien gewinnen mit den Jahren sogar an pers\u00f6nlicher Bedeutung, statt von neueren Aufnahmen verdr\u00e4ngt zu werden. Deshalb ist das Foto von morgen f\u00fcr mich nicht automatisch das bessere Foto. Es ist das noch m\u00f6gliche Foto. Darin liegt ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Die Vorstellung, dass das interessanteste Bild vielleicht noch vor mir liegt, h\u00e4lt die Fotografie offen. Sie macht neugierig auf den n\u00e4chsten Spaziergang, das n\u00e4chste Licht, den n\u00e4chsten Menschen vor der Kamera oder einfach auf eine allt\u00e4gliche Szene, an der ich bisher hundertmal vorbeigelaufen bin. Und vielleicht ist genau diese Neugier wertvoller als die Frage, welches Bild im eigenen Archiv nun tats\u00e4chlich auf Platz eins steht. Das n\u00e4chste Bild wartet nicht im Archiv Ein fotografisches Werk entsteht aus Bildern, die bereits gemacht wurden. Fotografie selbst lebt aber vom n\u00e4chsten Blick. Imogen Cunningham blieb bis ins hohe Alter aktiv und begann selbst jenseits der 90 noch ein neues fotografisches Projekt. Vielleicht passt der ihr zugeschriebene Satz gerade deshalb so gut zu ihrer Arbeit. Nicht weil morgen zwangsl\u00e4ufig das beste Foto unseres Lebens entsteht. Sondern weil es \u00fcberhaupt noch entstehen kann. Und das ist eigentlich ein ziemlich guter Grund, die Kamera wieder mitzunehmen. Quellen und weiterf\u00fchrende Informationen Imogen Cunningham Trust \u2013 Das von Cunningham selbst angesto\u00dfene Archiv bewahrt Negative und Abz\u00fcge ihres fotografischen Werks und dokumentiert ihre fotografische Entwicklung und ihren Nachlass. J. Paul Getty Museum \u2013 Imogen Cunningham: A Retrospective \u2013 Umfangreiche Darstellung ihrer Entwicklung vom Piktorialismus \u00fcber die Pflanzenstudien und Portr\u00e4ts bis zu ihrem Sp\u00e4twerk After Ninety. Smithsonian Institution, Archives of American Art \u2013 Biografische Angaben und Archivbestand zu Imogen Cunningham, darunter ihre Ausbildung, ihre Arbeit bei Edward S. Curtis und ihre Beteiligung an der Group f\/64. National Gallery of Art \u2013 Biografische \u00dcbersicht zu Cunninghams fotografischer Ausbildung, ihrem fr\u00fchen Piktorialismus, ihren Pflanzenstudien und der Group f\/64. Zum Zitat: Der englische Wortlaut \u201eWhich of my photographs is my favorite? The one I&#8217;m going to take tomorrow.\u201c wird Cunningham vielfach zugeschrieben. Als bibliografische Quelle wird James Danzigers Interviews With Master Photographers genannt. Eine frei zug\u00e4ngliche Prim\u00e4rquelle, mit der sich der urspr\u00fcngliche Gespr\u00e4chskontext vollst\u00e4ndig verifizieren l\u00e4sst, konnte f\u00fcr diesen Beitrag nicht ermittelt werden.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":12250,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[570],"tags":[9,575,577,573,579,578,343],"class_list":["post-12241","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fotografie-zitate-gedanken-hinter-den-worten","tag-fotografie","tag-fotografie-zitate","tag-fotografische-entwicklung","tag-fotografisches-sehen","tag-group-f-64","tag-imogen-cunningham","tag-inspiration"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Imogen Cunningham: Das Lieblingsfoto von morgen - Fotografie &amp; Vinyl<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"\u201eMein Lieblingsfoto? 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