{"id":13058,"date":"2026-09-10T19:06:45","date_gmt":"2026-09-10T17:06:45","guid":{"rendered":"https:\/\/juergenpubanz.de\/?post_type=encyclopedia&#038;p=13058"},"modified":"2026-09-10T19:08:15","modified_gmt":"2026-09-10T17:08:15","slug":"fotografische-emulsion","status":"publish","type":"encyclopedia","link":"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/fotografische-emulsion\/","title":{"rendered":"Fotografische Emulsion"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine <strong>fotografische Emulsion<\/strong> ist die lichtempfindliche Beschichtung eines fotografischen Films, Fotopapiers oder einer Glasplatte. Bei klassischen Silberhalogenidmaterialien besteht sie haupts&auml;chlich aus winzigen lichtempfindlichen Silberhalogenidkristallen, die in Gelatine verteilt sind. Nach der <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/belichtung\/\" target=\"_self\" title=\"Belichtung geh&ouml;rt zu den Begriffen, an denen in der Fotografie kein Weg vorbeif&uuml;hrt. Denn unabh&auml;ngig davon, ob Du mit einer modernen Systemkamera, einer analogen Spiegelreflexkamera oder dem Smartphone fotografierst: Am Anfang eines Fotos steht immer Licht. Dabei geht es bei&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Belichtung<\/a> und Entwicklung entsteht in dieser Schicht das sichtbare Bild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff hat sich in der Fotografie fest eingeb&uuml;rgert, ist chemisch jedoch nicht ganz genau. Eine Emulsion bezeichnet eigentlich die Verteilung feiner Fl&uuml;ssigkeitstr&ouml;pfchen in einer anderen Fl&uuml;ssigkeit. Da fotografische Silberhalogenide feste Kristalle sind, handelt es sich streng genommen eher um eine <strong>Suspension in einem Kolloid<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Woraus besteht eine fotografische Emulsion?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die lichtempfindlichen Bestandteile klassischer Fotomaterialien sind Silberhalogenide. Verwendet werden vor allem Silberbromid, Silberchlorid und Silberiodid oder Mischkristalle daraus. Welche Silberhalogenide eingesetzt werden und wie gro&szlig; und geformt die Kristalle sind, beeinflusst unter anderem Empfindlichkeit, Aufl&ouml;sungsverm&ouml;gen, Kontrast und Bildwirkung des Materials.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gelatine dient dabei nicht nur als neutrales Bindemittel. Sie h&auml;lt die Kristalle gleichm&auml;&szlig;ig verteilt, stabilisiert die Schicht und haftet nach dem Trocknen auf dem Tr&auml;germaterial. Gleichzeitig kann sie w&auml;hrend der Entwicklung aufquellen. Entwickler, Stoppbad und Fixierer k&ouml;nnen dadurch in die Schicht eindringen und auf die Silberhalogenide einwirken, ohne dass sich die Beschichtung vom Tr&auml;ger l&ouml;st. Diese Kombination aus Stabilit&auml;t und Durchl&auml;ssigkeit ist ein wichtiger Grund daf&uuml;r, dass Gelatine bis heute kaum vollst&auml;ndig ersetzt werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was geschieht bei Belichtung und Entwicklung?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trifft Licht auf einen Silberhalogenidkristall, entstehen zun&auml;chst nur sehr kleine Ver&auml;nderungen. Sie bilden das <strong>latente Bild<\/strong>, das unmittelbar nach der Aufnahme noch nicht sichtbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W&auml;hrend der Entwicklung werden die belichteten beziehungsweise ausreichend angeregten Kristalle zu metallischem Silber reduziert. Dieses fein verteilte Silber bildet bei klassischen Schwarzwei&szlig;negativen und Schwarzwei&szlig;abz&uuml;gen die dunklen Bildstellen. Der Fixierer entfernt anschlie&szlig;end die nicht entwickelten Silberhalogenide und macht das Bild dadurch weitgehend lichtbest&auml;ndig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die physikalische Ursache, die chemische Verarbeitung und das fertige Bildergebnis m&uuml;ssen dabei unterschieden werden: Das Licht erzeugt zun&auml;chst nur die Voraussetzung f&uuml;r die sp&auml;tere Bildbildung. Sichtbar wird das Bild erst durch die Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Empfindlichkeit, Korn und Aufl&ouml;sung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Eigenschaften einer fotografischen Emulsion werden wesentlich durch Anzahl, Gr&ouml;&szlig;e, Form und Verteilung ihrer Silberhalogenidkristalle bestimmt. Gr&ouml;&szlig;ere oder besonders sensibilisierte Kristalle k&ouml;nnen Licht wirksamer nutzen und erm&ouml;glichen eine h&ouml;here Filmempfindlichkeit. Eine h&ouml;here Empfindlichkeit geht jedoch h&auml;ufig mit einer gr&ouml;beren sichtbaren Struktur und einem geringeren Aufl&ouml;sungsverm&ouml;gen einher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sichtbare <strong>Filmkorn<\/strong> ist allerdings nicht einfach mit den urspr&uuml;nglichen Silberhalogenidkristallen gleichzusetzen. Bei einem entwickelten Schwarzwei&szlig;film entsteht die wahrnehmbare Kornstruktur aus den metallischen Silberteilchen und ihrer r&auml;umlichen Verteilung. Bei Farbfilmen wird die Bildstruktur &uuml;berwiegend durch Farbstoffwolken bestimmt, die w&auml;hrend der Entwicklung entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der Kristallstruktur beeinflussen auch die Schichtdicke, die chemische Sensibilisierung, die Entwicklung, die Vergr&ouml;&szlig;erung und der Betrachtungsabstand den sp&auml;teren Bildeindruck. Deshalb l&auml;sst sich die Qualit&auml;t einer Emulsion nicht allein anhand der Korngr&ouml;&szlig;e beurteilen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schwarzwei&szlig;film und Farbfilm<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Schwarzwei&szlig;film besitzt &uuml;blicherweise eine lichtempfindliche Beschichtung, die f&uuml;r einen bestimmten Bereich des sichtbaren Spektrums sensibilisiert ist. Panchromatische Filme reagieren ann&auml;hernd auf das gesamte sichtbare Licht, w&auml;hrend orthochromatische Materialien gegen&uuml;ber rotem Licht weitgehend unempfindlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Farbfilm ist deutlich komplexer aufgebaut. Er enth&auml;lt mehrere &uuml;bereinanderliegende lichtempfindliche Schichten, die auf unterschiedliche Spektralbereiche reagieren. Vereinfacht lassen sie sich in blau-, gr&uuml;n- und rotempfindliche Schichten einteilen. Bei chromogenen Farbfilmen entstehen w&auml;hrend der Entwicklung daraus gelbe, magentafarbene und cyanfarbene Farbstoffbilder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Moderne Farbfilme besitzen meist mehr als nur drei Emulsionsschichten. Zus&auml;tzliche Schichten k&ouml;nnen unterschiedliche Empfindlichkeiten und Kontraste bereitstellen, Licht filtern, Reflexionen verhindern oder die einzelnen Farbschichten voneinander trennen. Das fertige Farbbild besteht nach der Verarbeitung haupts&auml;chlich aus Farbstoffen. Das f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/belichtung\/\" target=\"_self\" title=\"Belichtung geh&ouml;rt zu den Begriffen, an denen in der Fotografie kein Weg vorbeif&uuml;hrt. Denn unabh&auml;ngig davon, ob Du mit einer modernen Systemkamera, einer analogen Spiegelreflexkamera oder dem Smartphone fotografierst: Am Anfang eines Fotos steht immer Licht. Dabei geht es bei&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Belichtung<\/a> und Entwicklung ben&ouml;tigte Silber wird im weiteren Prozess weitgehend entfernt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Tr&auml;ger geh&ouml;rt nicht zur Emulsion<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Emulsion wird als d&uuml;nne Schicht auf ein Tr&auml;germaterial aufgebracht. Historisch waren dies h&auml;ufig Glasplatten. Sp&auml;ter kamen flexible Filmtr&auml;ger aus Cellulosenitrat, Celluloseacetat und schlie&szlig;lich Polyester hinzu. Bei Fotopapieren liegt die lichtempfindliche Schicht auf einem Papier- oder kunststoffbeschichteten Tr&auml;ger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tr&auml;ger und Emulsion erf&uuml;llen unterschiedliche Aufgaben: Der Tr&auml;ger gibt dem Material Form und mechanische Stabilit&auml;t, w&auml;hrend die Emulsion beziehungsweise die lichtempfindlichen Schichten das Bild aufnehmen. Hinzu kommen je nach Material Schutz-, Haft-, Filter- und Lichthofschutzschichten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von der Nassplatte zur Gelatine-Trockenplatte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fr&uuml;he fotografische Verfahren verwendeten unterschiedliche lichtempfindliche Beschichtungen. Beim Kollodium-Nassplattenverfahren musste die Glasplatte noch feucht belichtet und unmittelbar verarbeitet werden. Eine langfristig vorbereitete und bequem transportierbare Aufnahmeschicht war damit nur eingeschr&auml;nkt m&ouml;glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen entscheidenden Fortschritt brachte die Gelatine-Trockenplatte. Richard Leach Maddox ver&ouml;ffentlichte 1871 einen Ansatz, bei dem Silberbromid mithilfe von Gelatine auf eine Glasplatte aufgebracht wurde. Nach weiteren Verbesserungen konnten solche Platten industriell hergestellt, gelagert und erst l&auml;ngere Zeit nach der Aufnahme entwickelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das vereinfachte die fotografische Praxis erheblich und bereitete den Weg f&uuml;r Rollfilm sowie industriell gefertigte Aufnahmematerialien. Die Eigenschaften der fotografischen Emulsion konnten nun bereits w&auml;hrend der Herstellung gezielt beeinflusst werden. Fotografierende mussten die lichtempfindliche Schicht nicht mehr unmittelbar vor jeder Aufnahme selbst pr&auml;parieren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nicht jede lichtempfindliche Schicht ist eine Emulsion<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff sollte nicht pauschal auf alle analogen fotografischen Verfahren &uuml;bertragen werden. Bei Silbergelatinefilm und klassischem Fotopapier ist die Bezeichnung eindeutig gebr&auml;uchlich. Andere Verfahren beruhen dagegen auf L&ouml;sungen, die in Papierfasern eindringen, oder auf unmittelbar sensibilisierten Oberfl&auml;chen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/cyanotypie\/\" target=\"_self\" title='Die Cyanotypie ist eine alternative fotografische Technik, die auch als \"Blaudruck\" bezeichnet wird. Sie wurde im 19. Jahrhundert von Sir John Herschel erfunden und sp&auml;ter von Anna Atkins und anderen Pionieren der Fotografie genutzt. Die Cyanotypie basiert auf der lichtempfindlichen&hellip;' class=\"encyclopedia\">Cyanotypie<\/a> werden beispielsweise Eisensalze auf Papier oder ein anderes Tr&auml;germaterial aufgetragen. Die lichtempfindliche Beschichtung enth&auml;lt keine in Gelatine verteilten Silberhalogenidkristalle und entspricht daher nicht der klassischen fotografischen Emulsion. Auch historische Verfahren wie Salzpapier oder Platinotypie m&uuml;ssen nach ihrem jeweiligen Schichtaufbau betrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung der fotografischen Emulsion heute<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl digitale Sensoren den Film in vielen Bereichen abgel&ouml;st haben, bleibt die fotografische Emulsion die Grundlage analoger Aufnahme- und Vergr&ouml;&szlig;erungsmaterialien. Ihre Zusammensetzung bestimmt nicht nur technische Eigenschaften wie Empfindlichkeit und <a href=\"https:\/\/juergenpubanz.de\/en\/enzyklopaedie\/aufloesung\/\" target=\"_self\" title=\"Was Pixel, Megapixel und PPI in der Fotografie wirklich bedeuten. Aufl&ouml;sung geh&ouml;rt zu den Begriffen, die in der Fotografie st&auml;ndig auftauchen. Kameras werden mit 24, 45 oder 60 Megapixeln beworben, beim Drucken begegnen Dir pl&ouml;tzlich 300 ppi und beim Export&hellip;\" class=\"encyclopedia\">Aufl&ouml;sung<\/a>, sondern pr&auml;gt auch Tonwertwiedergabe, Kontrast, Farbwiedergabe und Kornstruktur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie ist damit mehr als eine lichtempfindliche Beschichtung: In ihr werden wesentliche Eigenschaften eines Films oder Fotopapiers bereits bei der Herstellung festgelegt. Entwicklung und Weiterverarbeitung k&ouml;nnen diese Eigenschaften beeinflussen, aber nicht beliebig ver&auml;ndern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine fotografische Emulsion ist die lichtempfindliche Beschichtung eines fotografischen Films, Fotopapiers oder einer Glasplatte. Bei klassischen Silberhalogenidmaterialien besteht sie haupts\u00e4chlich aus winzigen lichtempfindlichen Silberhalogenidkristallen, die in Gelatine verteilt sind. Nach der Belichtung und Entwicklung entsteht in dieser Schicht das sichtbare Bild. Der Begriff hat sich in der Fotografie fest eingeb\u00fcrgert, ist chemisch jedoch nicht ganz genau. Eine Emulsion bezeichnet eigentlich die Verteilung feiner Fl\u00fcssigkeitstr\u00f6pfchen in einer anderen Fl\u00fcssigkeit. Da fotografische Silberhalogenide feste Kristalle sind, handelt es sich streng genommen eher um eine Suspension in einem Kolloid. Woraus besteht eine fotografische Emulsion? Die lichtempfindlichen Bestandteile klassischer Fotomaterialien sind Silberhalogenide. Verwendet werden vor allem Silberbromid, Silberchlorid und Silberiodid oder Mischkristalle daraus. Welche Silberhalogenide eingesetzt werden und wie gro\u00df und geformt die Kristalle sind, beeinflusst unter anderem Empfindlichkeit, Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen, Kontrast und Bildwirkung des Materials. Die Gelatine dient dabei nicht nur als neutrales Bindemittel. Sie h\u00e4lt die Kristalle gleichm\u00e4\u00dfig verteilt, stabilisiert die Schicht und haftet nach dem Trocknen auf dem Tr\u00e4germaterial. Gleichzeitig kann sie w\u00e4hrend der Entwicklung aufquellen. Entwickler, Stoppbad und Fixierer k\u00f6nnen dadurch in die Schicht eindringen und auf die Silberhalogenide einwirken, ohne dass sich die Beschichtung vom Tr\u00e4ger l\u00f6st. Diese Kombination aus Stabilit\u00e4t und Durchl\u00e4ssigkeit ist ein wichtiger Grund daf\u00fcr, dass Gelatine bis heute kaum vollst\u00e4ndig ersetzt werden konnte. Was geschieht bei Belichtung und Entwicklung? Trifft Licht auf einen Silberhalogenidkristall, entstehen zun\u00e4chst nur sehr kleine Ver\u00e4nderungen. Sie bilden das latente Bild, das unmittelbar nach der Aufnahme noch nicht sichtbar ist. W\u00e4hrend der Entwicklung werden die belichteten beziehungsweise ausreichend angeregten Kristalle zu metallischem Silber reduziert. Dieses fein verteilte Silber bildet bei klassischen Schwarzwei\u00dfnegativen und Schwarzwei\u00dfabz\u00fcgen die dunklen Bildstellen. Der Fixierer entfernt anschlie\u00dfend die nicht entwickelten Silberhalogenide und macht das Bild dadurch weitgehend lichtbest\u00e4ndig. Die physikalische Ursache, die chemische Verarbeitung und das fertige Bildergebnis m\u00fcssen dabei unterschieden werden: Das Licht erzeugt zun\u00e4chst nur die Voraussetzung f\u00fcr die sp\u00e4tere Bildbildung. Sichtbar wird das Bild erst durch die Entwicklung. Empfindlichkeit, Korn und Aufl\u00f6sung Die Eigenschaften einer fotografischen Emulsion werden wesentlich durch Anzahl, Gr\u00f6\u00dfe, Form und Verteilung ihrer Silberhalogenidkristalle bestimmt. Gr\u00f6\u00dfere oder besonders sensibilisierte Kristalle k\u00f6nnen Licht wirksamer nutzen und erm\u00f6glichen eine h\u00f6here Filmempfindlichkeit. Eine h\u00f6here Empfindlichkeit geht jedoch h\u00e4ufig mit einer gr\u00f6beren sichtbaren Struktur und einem geringeren Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen einher. Das sichtbare Filmkorn ist allerdings nicht einfach mit den urspr\u00fcnglichen Silberhalogenidkristallen gleichzusetzen. Bei einem entwickelten Schwarzwei\u00dffilm entsteht die wahrnehmbare Kornstruktur aus den metallischen Silberteilchen und ihrer r\u00e4umlichen Verteilung. Bei Farbfilmen wird die Bildstruktur \u00fcberwiegend durch Farbstoffwolken bestimmt, die w\u00e4hrend der Entwicklung entstehen. Neben der Kristallstruktur beeinflussen auch die Schichtdicke, die chemische Sensibilisierung, die Entwicklung, die Vergr\u00f6\u00dferung und der Betrachtungsabstand den sp\u00e4teren Bildeindruck. Deshalb l\u00e4sst sich die Qualit\u00e4t einer Emulsion nicht allein anhand der Korngr\u00f6\u00dfe beurteilen. Schwarzwei\u00dffilm und Farbfilm Ein Schwarzwei\u00dffilm besitzt \u00fcblicherweise eine lichtempfindliche Beschichtung, die f\u00fcr einen bestimmten Bereich des sichtbaren Spektrums sensibilisiert ist. Panchromatische Filme reagieren ann\u00e4hernd auf das gesamte sichtbare Licht, w\u00e4hrend orthochromatische Materialien gegen\u00fcber rotem Licht weitgehend unempfindlich sind. Ein Farbfilm ist deutlich komplexer aufgebaut. Er enth\u00e4lt mehrere \u00fcbereinanderliegende lichtempfindliche Schichten, die auf unterschiedliche Spektralbereiche reagieren. Vereinfacht lassen sie sich in blau-, gr\u00fcn- und rotempfindliche Schichten einteilen. Bei chromogenen Farbfilmen entstehen w\u00e4hrend der Entwicklung daraus gelbe, magentafarbene und cyanfarbene Farbstoffbilder. Moderne Farbfilme besitzen meist mehr als nur drei Emulsionsschichten. Zus\u00e4tzliche Schichten k\u00f6nnen unterschiedliche Empfindlichkeiten und Kontraste bereitstellen, Licht filtern, Reflexionen verhindern oder die einzelnen Farbschichten voneinander trennen. Das fertige Farbbild besteht nach der Verarbeitung haupts\u00e4chlich aus Farbstoffen. Das f\u00fcr die Belichtung und Entwicklung ben\u00f6tigte Silber wird im weiteren Prozess weitgehend entfernt. Der Tr\u00e4ger geh\u00f6rt nicht zur Emulsion Die Emulsion wird als d\u00fcnne Schicht auf ein Tr\u00e4germaterial aufgebracht. Historisch waren dies h\u00e4ufig Glasplatten. Sp\u00e4ter kamen flexible Filmtr\u00e4ger aus Cellulosenitrat, Celluloseacetat und schlie\u00dflich Polyester hinzu. Bei Fotopapieren liegt die lichtempfindliche Schicht auf einem Papier- oder kunststoffbeschichteten Tr\u00e4ger. Tr\u00e4ger und Emulsion erf\u00fcllen unterschiedliche Aufgaben: Der Tr\u00e4ger gibt dem Material Form und mechanische Stabilit\u00e4t, w\u00e4hrend die Emulsion beziehungsweise die lichtempfindlichen Schichten das Bild aufnehmen. Hinzu kommen je nach Material Schutz-, Haft-, Filter- und Lichthofschutzschichten. Von der Nassplatte zur Gelatine-Trockenplatte Fr\u00fche fotografische Verfahren verwendeten unterschiedliche lichtempfindliche Beschichtungen. Beim Kollodium-Nassplattenverfahren musste die Glasplatte noch feucht belichtet und unmittelbar verarbeitet werden. Eine langfristig vorbereitete und bequem transportierbare Aufnahmeschicht war damit nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich. Einen entscheidenden Fortschritt brachte die Gelatine-Trockenplatte. Richard Leach Maddox ver\u00f6ffentlichte 1871 einen Ansatz, bei dem Silberbromid mithilfe von Gelatine auf eine Glasplatte aufgebracht wurde. Nach weiteren Verbesserungen konnten solche Platten industriell hergestellt, gelagert und erst l\u00e4ngere Zeit nach der Aufnahme entwickelt werden. Das vereinfachte die fotografische Praxis erheblich und bereitete den Weg f\u00fcr Rollfilm sowie industriell gefertigte Aufnahmematerialien. Die Eigenschaften der fotografischen Emulsion konnten nun bereits w\u00e4hrend der Herstellung gezielt beeinflusst werden. Fotografierende mussten die lichtempfindliche Schicht nicht mehr unmittelbar vor jeder Aufnahme selbst pr\u00e4parieren. Nicht jede lichtempfindliche Schicht ist eine Emulsion Der Begriff sollte nicht pauschal auf alle analogen fotografischen Verfahren \u00fcbertragen werden. Bei Silbergelatinefilm und klassischem Fotopapier ist die Bezeichnung eindeutig gebr\u00e4uchlich. Andere Verfahren beruhen dagegen auf L\u00f6sungen, die in Papierfasern eindringen, oder auf unmittelbar sensibilisierten Oberfl\u00e4chen. Bei der Cyanotypie werden beispielsweise Eisensalze auf Papier oder ein anderes Tr\u00e4germaterial aufgetragen. Die lichtempfindliche Beschichtung enth\u00e4lt keine in Gelatine verteilten Silberhalogenidkristalle und entspricht daher nicht der klassischen fotografischen Emulsion. Auch historische Verfahren wie Salzpapier oder Platinotypie m\u00fcssen nach ihrem jeweiligen Schichtaufbau betrachtet werden. Bedeutung der fotografischen Emulsion heute Obwohl digitale Sensoren den Film in vielen Bereichen abgel\u00f6st haben, bleibt die fotografische Emulsion die Grundlage analoger Aufnahme- und Vergr\u00f6\u00dferungsmaterialien. Ihre Zusammensetzung bestimmt nicht nur technische Eigenschaften wie Empfindlichkeit und Aufl\u00f6sung, sondern pr\u00e4gt auch Tonwertwiedergabe, Kontrast, Farbwiedergabe und Kornstruktur. Sie ist damit mehr als eine lichtempfindliche Beschichtung: In ihr werden wesentliche Eigenschaften eines Films oder Fotopapiers bereits bei der Herstellung festgelegt. 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