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Makroobjektiv

Kleine Motive ganz groß fotografieren

Ein winziger Käfer, die feinen Strukturen eines Blütenblatts oder die Rillen einer Schallplatte: Viele Details fallen uns im Alltag kaum auf. Erst wenn wir sie stark vergrößert betrachten, entsteht plötzlich eine eigene kleine Bilderwelt.

Genau hier kommt das Makroobjektiv ins Spiel. Es ist dafür konstruiert, auch bei sehr kurzen Aufnahmeentfernungen eine hohe Abbildungsleistung zu liefern und kleine Motive groß auf dem Sensor abzubilden. Dabei geht es nicht einfach darum, möglichst nah an ein Motiv heranzukommen. Entscheidend ist vor allem, wie groß das Motiv tatsächlich auf dem Kamerasensor dargestellt wird.

Was ist ein Makroobjektiv?

Ein Makroobjektiv ist ein Objektiv, das speziell für Aufnahmen mit großen Abbildungsmaßstäben ausgelegt ist. Typisch für ein echtes Makroobjektiv ist ein maximaler Abbildungsmaßstab von 1:1, auch als 1,0× bezeichnet.

Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 wird ein Motiv auf dem Sensor genauso groß abgebildet, wie es in Wirklichkeit ist. Ein 10 Millimeter langes Objekt erzeugt also ein 10 Millimeter großes Bild auf dem Sensor.

Genau dieser Abbildungsmaßstab ist für die Einordnung wichtiger als die reine Naheinstellgrenze. Ein Objektiv kann sehr nah fokussieren und trotzdem keinen besonders großen Abbildungsmaßstab erreichen.

Bei der Bezeichnung gibt es allerdings keine vollkommen einheitliche Grenze. Nikon beschreibt beispielsweise auch einige ältere Micro-NIKKOR-Objektive mit maximal 1:2 als Makroobjektive, während aktuelle Makroobjektive meist 1:1 erreichen. Die Bezeichnung „Macro“ allein sagt deshalb noch nicht alles über die tatsächliche Vergrößerungsleistung eines Objektivs aus.

Was bedeutet der Abbildungsmaßstab?

Der Abbildungsmaßstab beschreibt das Verhältnis zwischen der tatsächlichen Größe eines Motivs und seiner Abbildung auf dem Sensor.

Bei 1:1 wird das Motiv in Lebensgröße auf dem Sensor dargestellt. Bei 1:2 ist seine Abbildung halb so groß. Bei 2:1 wäre sie dagegen doppelt so groß wie das reale Motiv.

Das klingt zunächst ziemlich technisch, wird aber mit einem Beispiel schnell verständlich.

Fotografierst Du ein 20 Millimeter großes Motiv im Maßstab 1:1, nimmt seine Abbildung auf dem Sensor ebenfalls 20 Millimeter ein. Bei 1:2 wären es nur 10 Millimeter.

Ein Makroobjektiv macht ein Motiv also nicht einfach deshalb groß, weil Du dicht davorstehst. Es ermöglicht einen großen Abbildungsmaßstab. Nikon beschreibt 1:1 entsprechend als „life-size reproduction“.

Warum braucht ein Makroobjektiv eine besondere Konstruktion?

Normale Objektive sind häufig vor allem für größere Aufnahmeentfernungen optimiert. Viele können zwar erstaunlich nah fokussieren, erreichen dort aber nur vergleichsweise kleine Abbildungsmaßstäbe.

Ein Makroobjektiv muss dagegen auch bei sehr kurzen Fokusdistanzen eine hohe Abbildungsleistung ermöglichen. Moderne Konstruktionen können beispielsweise interne Fokussierung oder spezielle optische Korrekturen einsetzen, damit die Bildqualität über einen großen Entfernungsbereich erhalten bleibt.

Das macht Makroobjektive keineswegs zu Spezialisten, die ausschließlich wenige Zentimeter vor einem Motiv funktionieren. Viele lassen sich von ihrer Naheinstellgrenze bis unendlich fokussieren und eignen sich deshalb ebenso für ganz normale Aufnahmen. Ein Makroobjektiv um 90 oder 105 Millimeter kann beispielsweise auch ein interessantes Porträtobjektiv sein.

Brennweite und Arbeitsabstand

Makroobjektive gibt es mit unterschiedlichen Brennweiten. Häufig findest Du Modelle beispielsweise im Bereich von etwa 50, 60, 90 oder 100 Millimetern und darüber.

Der maximale Abbildungsmaßstab kann bei unterschiedlichen Brennweiten trotzdem identisch sein. Ein 50-mm- und ein 105-mm-Makro können beide 1:1 erreichen.

Der Unterschied zeigt sich unter anderem beim Arbeitsabstand.

Mit einer längeren Brennweite lässt sich ein großer Abbildungsmaßstab meist aus einem größeren Abstand zum Motiv erreichen. Nikon beschreibt genau diesen Vorteil beispielsweise bei längeren Micro-NIKKOR-Brennweiten.

Das ist in der Praxis wichtig.

Bei einer Münze auf dem Tisch kannst Du problemlos sehr dicht herangehen. Bei einem Schmetterling sieht die Sache anders aus. Je näher Kamera und Objektiv kommen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Tier verschwindet.

Auch bei der Beleuchtung spielt der Arbeitsabstand eine Rolle. Bist Du mit der Frontlinse sehr dicht am Motiv, kann das Objektiv selbst Licht abschatten oder die Positionierung zusätzlicher Lichtquellen erschweren.

Eine längere Makrobrennweite bedeutet deshalb nicht automatisch „mehr Makro“. Sie kann Dir aber mehr Platz zwischen Objektiv und Motiv verschaffen.

Warum wird die Schärfentiefe so gering?

Eine der auffälligsten Eigenschaften der Makrofotografie ist die geringe Schärfentiefe.

Bei großen Abbildungsmaßstäben wird der Bereich, der vor und hinter der Fokusebene ausreichend scharf erscheint, sehr klein. Bei starken Nahaufnahmen können schon minimale Änderungen der Kameraposition dazu führen, dass der entscheidende Punkt nicht mehr scharf ist.

Deshalb wird in der Makrofotografie häufig stärker abgeblendet. Das vergrößert den scharf erscheinenden Bereich, löst das Problem aber nicht vollständig. Gleichzeitig werden längere Belichtungszeiten oder höhere ISO-Werte notwendig, sofern nicht zusätzliches Licht eingesetzt wird.

Bei statischen Motiven kann ein Stativ helfen. Bei beweglichen Motiven wie Insekten ist dagegen häufig eine andere Arbeitsweise gefragt.

Und selbst ein Bildstabilisator kann nicht jedes Problem lösen: Er kann Bewegungen der Kamera ausgleichen, aber natürlich nicht verhindern, dass sich das Motiv selbst bewegt.

Wofür eignet sich ein Makroobjektiv?

Blüten und Insekten sind die Klassiker der Makrofotografie, aber längst nicht die einzigen Motive.

Interessant können ebenso Uhren, Schmuck, Münzen, elektronische Bauteile, Lebensmittel, Stoffstrukturen oder alltägliche Gegenstände sein. Auch eine Schallplatte wird aus der Nähe plötzlich zum fotografischen Motiv: Rillen, Staubpartikel und Lichtreflexe erzeugen Strukturen, die Du aus normalem Betrachtungsabstand kaum wahrnimmst.

Der eigentliche Reiz eines Makroobjektivs besteht deshalb weniger darin, einfach nur Dinge zu vergrößern. Es verändert Deine Wahrnehmung. Gewöhnliche Gegenstände können durch den kleinen Bildausschnitt plötzlich abstrakt wirken.

Ein Beispiel aus der Praxis

Stell Dir vor, Du möchtest eine kleine Blüte fotografieren.

Mit einem normalen Objektiv gehst Du so weit heran, wie es die Naheinstellgrenze erlaubt. Irgendwann kann das Objektiv nicht mehr fokussieren. Die Blüte bleibt trotzdem relativ klein im Bild.

Mit einem Makroobjektiv kannst Du weiter in den Nahbereich gehen und einen wesentlich größeren Abbildungsmaßstab erreichen. Jetzt füllt vielleicht nicht mehr die gesamte Blüte den Bildausschnitt, sondern nur noch ein Teil davon.

Und damit verändert sich auch Deine fotografische Aufgabe.

Plötzlich wird die exakte Lage der Schärfe wichtiger. Eine Bewegung der Kamera um wenige Millimeter kann bereits sichtbar sein. Gleichzeitig erkennst Du Strukturen, die vorher überhaupt keine Rolle spielten.

Das Makroobjektiv bringt Dich also nicht nur näher an das Motiv. Es zwingt Dich auch dazu, genauer hinzusehen.

Makroobjektiv, Nahaufnahme und Makrofotografie

Die Begriffe werden im Alltag gern miteinander vermischt.

Nicht jede Nahaufnahme ist automatisch eine Makroaufnahme. Mit vielen normalen Objektiven kannst Du durchaus kleine Gegenstände formatfüllend oder zumindest sehr groß fotografieren. Entscheidend ist wiederum der erreichbare Abbildungsmaßstab.

Ebenso ist die Aufschrift „Macro“ auf einem Objektiv kein verlässlicher Beweis dafür, dass tatsächlich ein Maßstab von 1:1 erreicht wird. Deshalb lohnt sich ein Blick in die technischen Daten.

Außerdem brauchst Du nicht zwingend ein Makroobjektiv, um Dich mit der Makrofotografie zu beschäftigen. Zwischenringe, Nahlinsen oder umgekehrt montierte Objektive können ebenfalls große Abbildungsmaßstäbe ermöglichen. Sie bringen jeweils eigene Vor- und Nachteile mit.

Das Makroobjektiv ist vor allem die komfortable Lösung: Es ist von vornherein für diesen Entfernungsbereich konstruiert und lässt sich normalerweise ohne zusätzliches Zubehör einsetzen.

Welche Vorteile hat ein Makroobjektiv?

Der größte Vorteil ist der hohe Abbildungsmaßstab bei gleichzeitig komfortabler Handhabung. Ein gutes Makroobjektiv lässt sich zudem nicht nur im Nahbereich verwenden, sondern häufig auch hervorragend für andere Motive einsetzen.

Dem stehen einige praktische Besonderheiten gegenüber. Makroobjektive können größer, schwerer oder teurer als vergleichbare Standard-Festbrennweiten sein. Bei hohen Abbildungsmaßstäben werden außerdem Fokussierung, Kamerabewegungen, Motivbewegungen und Beleuchtung deutlich anspruchsvoller.

Das ist allerdings weniger ein Nachteil des Objektivs als eine Eigenschaft der Makrofotografie selbst: Je kleiner der Ausschnitt der Welt wird, desto stärker fallen kleine Veränderungen ins Gewicht.

Ein Makroobjektiv ist weit mehr als ein Objektiv, mit dem Du besonders nah fotografieren kannst. Seine entscheidende Eigenschaft ist der große Abbildungsmaßstab – bei vielen aktuellen Modellen bis 1:1.

Damit kannst Du kleine Motive in einer Größe auf dem Sensor abbilden, die mit gewöhnlichen Objektiven oft nicht erreichbar ist.

Der eigentliche Reiz beginnt aber dort, wo die technischen Zahlen aufhören. Ein Makroobjektiv zeigt Dir Details, Strukturen und Formen, an denen Du normalerweise vorbeisiehst. Und manchmal reicht dafür schon ein Motiv, das direkt vor Dir auf dem Schreibtisch liegt.

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