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Perspektive

Sie ist in der Fotografie – mehr als nur der Blickwinkel

Perspektive gehört zu den wirkungsvollsten Gestaltungsmitteln der Fotografie – und gleichzeitig zu den Begriffen, die leicht missverständlich verwendet werden. Oft heißt es beispielsweise, ein Weitwinkelobjektiv würde die Perspektive verstärken oder ein Teleobjektiv sie verdichten. Im fertigen Bild sieht es tatsächlich so aus. Technisch steckt dahinter aber ein wichtiger Zusammenhang: Entscheidend für die Perspektive ist vor allem, wo sich die Kamera befindet.

Wenn Du diesen Zusammenhang verstanden hast, wird Perspektive zu etwas, das Du sehr bewusst für Deine Bildgestaltung einsetzen kannst. Und dafür musst Du an Deiner Kamera nicht einmal eine Einstellung verändern.

Was bedeutet Perspektive in der Fotografie?

Perspektive beschreibt, wie eine dreidimensionale Szene in einem zweidimensionalen Bild erscheint. Dazu gehören insbesondere die Größenverhältnisse von Objekten sowie deren räumliche Beziehung zueinander. Nikon beschreibt Perspektive entsprechend über relative Größe, Entfernung und Tiefe einer dreidimensionalen Szene innerhalb des zweidimensionalen Bildes.

Fotografisch besonders wichtig ist dabei der Aufnahmestandpunkt. Veränderst Du die Position der Kamera gegenüber Deinem Motiv, verändert sich auch die perspektivische Darstellung.

Das lässt sich schon mit einem einfachen Porträt beobachten. Fotografierst Du ein Gesicht aus sehr kurzer Entfernung, befindet sich die Nase deutlich näher an der Kamera als beispielsweise die Ohren. Dadurch erscheint sie im Verhältnis größer. Gehst Du einige Meter zurück, werden diese relativen Entfernungsunterschiede geringer – die Proportionen wirken im Foto entsprechend ausgeglichener.

Perspektive entsteht also nicht erst im Objektiv. Sie beginnt mit der Frage:

Wo stehe ich mit meiner Kamera?

Wie entsteht Perspektive?

Eine Kamera bildet eine räumliche Welt auf einer ebenen Sensor- oder Filmfläche ab. Objekte, die sich näher an der Kamera befinden, erscheinen dabei größer als weiter entfernte Objekte gleicher tatsächlicher Größe.

Wie stark dieser Größenunterschied ausfällt, hängt von der räumlichen Anordnung der Objekte und vom Kamerastandpunkt ab.

Stell Dir eine Person vor, die einige Meter vor einem Gebäude steht. Gehst Du mit der Kamera dicht an die Person heran, erscheint sie gegenüber dem Gebäude sehr groß. Bewegst Du Dich dagegen weit zurück, verändert sich das Verhältnis: Person und Gebäude scheinen größenmäßig näher zusammenzurücken.

Genau diese Veränderung nehmen wir häufig als stärkere oder flachere Perspektive wahr.

Auch die Höhe und seitliche Position der Kamera spielen eine Rolle. Fotografierst Du beispielsweise ein Gebäude frontal aus mittlerer Höhe, entsteht ein anderer räumlicher Eindruck als von einem niedrigen Standpunkt schräg aus einer Gebäudeecke heraus.

Deshalb kann schon ein Schritt nach links oder rechts manchmal mehr an einem Bild verändern als ein neues Objektiv.

Perspektive und Brennweite – ein häufiges Missverständnis

Hier lohnt sich eine saubere Trennung.

Die Brennweite bestimmt nicht unmittelbar die Perspektive. Sie bestimmt vor allem den Bildwinkel beziehungsweise den erfassten Bildausschnitt.

Adobe beschreibt kurze Brennweiten entsprechend mit einem größeren und lange Brennweiten mit einem kleineren Sichtwinkel.

Bleibt die Kamera exakt am selben Ort und Du wechselst lediglich die Brennweite, bleibt die geometrische Beziehung der abgebildeten Objekte grundsätzlich gleich. Du siehst mit der längeren Brennweite lediglich einen engeren Ausschnitt der Szene. Auch Cambridge in Colour weist darauf hin, dass die Perspektive streng genommen durch den Standort gegenüber dem Motiv verändert wird.

Warum sprechen wir dann trotzdem von der „dramatischen Weitwinkelperspektive“ oder der „komprimierten Teleperspektive“?

Weil wir in der Praxis meistens gleichzeitig unseren Standort verändern.

Möchtest Du eine Person mit einem Weitwinkelobjektiv formatfüllend fotografieren, musst Du relativ nah an sie herangehen. Mit einem Teleobjektiv musst Du für einen vergleichbaren Bildausschnitt weiter zurück.

Nicht allein der Wechsel beispielsweise von 24 auf 135 Millimeter verändert dann die Perspektive, sondern vor allem die damit verbundene Veränderung der Aufnahmedistanz.

Das klingt zunächst nach einer technischen Spitzfindigkeit. Für die Praxis ist der Unterschied aber ausgesprochen hilfreich: Wähle zuerst Deinen Standort nach der gewünschten Perspektive und anschließend die Brennweite nach dem gewünschten Bildausschnitt.

Warum Perspektive für Deine Bilder so wichtig ist

Perspektive beeinflusst nicht nur, wie räumlich ein Foto wirkt. Sie verändert auch die Beziehungen zwischen den Bildelementen.

Ein nahes Vordergrundobjekt kann dominant werden, während der Hintergrund klein und weit entfernt erscheint. Aus größerer Aufnahmedistanz können Vorder- und Hintergrund dagegen optisch näher zusammenrücken.

Damit kannst Du beispielsweise Tiefe betonen oder reduzieren, Größenverhältnisse hervorheben und die Aufmerksamkeit auf bestimmte Elemente lenken.

Auch die Kamerahöhe verändert die Wirkung. Ein Motiv auf Augenhöhe wirkt anders als dasselbe Motiv aus Bodennähe oder von einem erhöhten Standpunkt. Adobe empfiehlt deshalb bei der Bildgestaltung ausdrücklich, den Aufnahmestandpunkt zu variieren und die Kamera beispielsweise nach oben, unten oder zur Seite zu bewegen.

Perspektive ist deshalb weniger eine Kameraeinstellung als eine Entscheidung über Deinen Standort im Raum.

Ein praktisches Beispiel

Stell Dir vor, Du möchtest einen alten Baum vor einer Berglandschaft fotografieren.

Bei Deiner ersten Aufnahme stehst Du weit vom Baum entfernt und verwendest eine längere Brennweite. Der Baum und die Berge im Hintergrund wirken vergleichsweise dicht zusammengerückt.

Nun wechselst Du auf ein Weitwinkelobjektiv und gehst deutlich näher an den Baum heran, sodass er im Bild wieder ungefähr dieselbe Größe besitzt.

Plötzlich wirkt der Baum wesentlich mächtiger. Gleichzeitig scheinen die Berge weiter entfernt und kleiner geworden zu sein. Der Raum zwischen Vorder- und Hintergrund wirkt größer.

Die Brennweite hat Dir ermöglicht, trotz eines anderen Kamerastandpunkts einen passenden Bildausschnitt zu wählen. Die eigentliche Veränderung der Perspektive entstand aber dadurch, dass Du Dich bewegt hast.

Genau deshalb lohnt es sich beim Fotografieren, nicht sofort am Zoomring zu drehen. Geh einmal zwei Schritte nach vorne, nach hinten oder zur Seite und beobachte, was mit den Größenverhältnissen im Bild geschieht.

Perspektive, Blickwinkel und Bildwinkel

Diese Begriffe werden im Alltag gerne miteinander vermischt, beschreiben aber unterschiedliche Dinge.

Der Standpunkt bezeichnet die Position der Kamera im Raum.

Der Blickwinkel beschreibt vereinfacht die Richtung beziehungsweise Höhe, aus der Du auf ein Motiv schaust – beispielsweise aus Augenhöhe, aus der Froschperspektive oder von oben.

Der Bildwinkel hängt dagegen wesentlich von Brennweite und Aufnahmeformat ab und beschreibt, wie viel von einer Szene die Kamera erfasst.

Die Perspektive ergibt sich aus der räumlichen Beziehung zwischen Kamerastandpunkt und den Elementen der Szene und zeigt sich im Bild unter anderem in deren relativen Größen und Abständen.

In der fotografischen Praxis greifen diese Dinge natürlich ineinander. Gerade deshalb hilft es, sie gedanklich voneinander zu trennen.

Perspektive ist Bildgestaltung mit den Füßen

Bei vielen fotografischen Entscheidungen suchen wir die Lösung zunächst an der Kamera: andere Brennweite, andere Blende, vielleicht ein anderes Objektiv.

Bei der Perspektive befindet sich das wichtigste Werkzeug jedoch hinter der Kamera: Du selbst.

Bevor Du also den Zoomring bewegst, lohnt sich eine andere Frage:

Von welchem Standort aus stehen die Elemente meines Motivs so zueinander, wie ich sie im Bild zeigen möchte?

Erst danach kannst Du entscheiden, welche Brennweite den gewünschten Ausschnitt liefert.

Perspektive beschreibt, wie räumliche Beziehungen einer dreidimensionalen Szene im zweidimensionalen Foto erscheinen. Entscheidend dafür ist vor allem die Position der Kamera gegenüber dem Motiv.

Die Brennweite verändert dagegen in erster Linie den Bildwinkel. Dass Weitwinkel- und Teleaufnahmen häufig unterschiedliche perspektivische Wirkungen zeigen, liegt vor allem daran, dass wir für einen vergleichbaren Bildausschnitt unterschiedliche Aufnahmeabstände wählen.

Für Deine fotografische Praxis ergibt sich daraus eine einfache, aber ausgesprochen nützliche Denkweise:

Erst den Standort für die Perspektive wählen – dann die Brennweite für den Bildausschnitt.

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